Viel Platz für we­nig Geld

Fi­at Ti­po

Pforzheimer Kurier - - MOTOR UND VERKEHR -

Vor bald 30 Jah­ren wur­de der Fi­at Ti­po zu Eu­ro­pas Au­to des Jah­res ge­kürt, doch der Ruhm des Golf-Kon­kur­ren­ten ros­te­te da­mals rasch da­hin. Das neue Mo­dell mit dem al­ten Na­men ist deut­lich grö­ßer ge­wor­den und soll vor al­lem in Sü­d­eu­ro­pa re­üs­sie­ren, so­wie un­ter an­de­rem Na­men in Nord­ame­ri­ka. Dort ist der Ti­po als Stu­fen­heck­li­mou­si­ne ge­fragt, hier­zu­lan­de vor al­lem als Fünf­tü­rer. Der Kom­bi, die drit­te Ka­ros­se­rie­va­ri­an­te, bie­tet zwar ei­ne noch et­was hö­he­re La­de­ka­pa­zi­tät, braucht da­für aber 20 Zen­ti­me­ter mehr Au­ßen­län­ge, was den Wa­gen ent­spre­chend un­hand­li­cher macht.

Teu­rer ist der Kom­bi obend­rein, wo­bei die Preis­ge­stal­tung ins­ge­samt zu den er­freu­li­chen Sei­ten des Ti­po ge­hört. Den Fünf­tü­rer gibt es ab 15 250 Eu­ro, da­mit ist er rund 2 000 Eu­ro güns­ti­ger als ein Sko­da Oc­ta­via oder ein Opel As­tra. Der Preis des Test­wa­gens be­trug sehr ak­zep­ta­ble 23 710 Eu­ro, da­für war nicht nur der stärks­te Die­sel an Bord, son­dern auch die teu­ers­te Aus­stat­tungs­li­nie so­wie di­ver­se Ex­tras bis hin zu Na­vi und Le­der­sit­zen. An­de­re Kom­pakt­kläss­ler lie­gen dann schon in der Ge­gend von 30 000 Eu­ro.

Al­lein mit den nied­ri­gen Löh­nen in der tür­ki­schen Ti­po-Fa­b­rik lässt sich die­se Dif­fe­renz nicht er­klä­ren. Der Wa­gen wur­de viel­mehr von vorn­her­ein als Preis­bre­cher kon­zi­piert: Be­währ­te Tech­nik statt teu­rer Neu­ent­wick­lung, ein­fa­che Ma­te­ria­li­en statt lu­xu­riö­ser Lö­sun­gen. Wer sein Au­to in ers­ter Li­nie als Ge­brauchs­ge­gen­stand be­trach­tet, wird kei­nen An­stoß dar­an neh­men, dass das Lenk­rad mit Kunst­le­der be­zo­gen ist statt mit ech­ter Tier­haut. Oder dass auf der Auf­preis­lis­te Fein­hei­ten wie LEDSchein­wer­fer oder ei­ne elek­tri­sche Heck­klap­pe feh­len.

Nach­denk­li­cher stimmt, dass das Ba­sis­mo­dell bloß drei von fünf Ster­nen im maß­geb­li­chen Eu­roNCAP-Crash­test er­zielt. Erst wenn der Kun­de das Not­brems­sys­tem für 250 Eu­ro hin­zu­kauft, sitzt er in ei­nem Vier-Ster­ne-Au­to. Oder die Die­sel­mo­to­ren: Sie er­fül­len na­tür­lich die ak­tu­el­le Ab­gas­norm, doch man­cher Kon­kur­rent schafft eben schon die kom­men­de, aber­mals ver­schärf­te Stu­fe – was sich der­einst im Wie­der­ver­kaufs­wert nie­der­schla­gen dürf­te.

Aber so weit vor­aus will die Ziel­grup­pe viel­leicht gar nicht den­ken. Hier und jetzt be­kommt Fa­mi­lie Nor­mal­ver­die­ner ein Au­to mit sehr an­stän­di­gem Platz­an­ge­bot vorn wie hin­ten. Tü­ren öff­nen weit, die La­de­kan­te liegt an­ge­nehm nied­rig. Der Fah­rer schaut auf ein klar ge­glie­der­tes Cock­pit, al­lein die Be­die­nung des In­fo­tain­ment­sys­tems ver­langt ei­ni­ge Übung. Und selbst dann bleibt es müh­sam, die klei­nen Aus­wahl­fel­der des be­rüh­rungs­emp­find­li­chen Bild­schirms zu tref­fen.

Gut­mü­tig zieht der Fünf­tü­rer sei­ne Bahn, die eher wei­che Fe­de­rung schluckt klag­los die meis­ten Stra­ßen­schä­den, nur über be­son­ders schlecht ein­ge­pass­te Ka­nal­de­ckel pol­tert er et­was un­be­hol­fen hin­weg. Sport­li­ches Kur­ven­räu­bern liegt ihm we­ni­ger, da schiebt er zu früh über die Vor­der­rä­der, auch müss­te die Len­kung da­für ex­ak­ter sein.

Der Die­sel mit 1,6 Li­tern Hu­b­raum lie­fert schon bei nied­ri­gen Dreh­zah­len reich­lich Dreh­mo­ment, so dass der Wa­gen sich schalt­faul durch Stadt und Land be­we­gen lässt. Die Fahr­leis­tun­gen ge­hen in Ord­nung, die Ge­räusch­ent­wick­lung der Ma­schi­ne auch. Eher ent­täu­schend der Ver­brauch: Vom Norm­wert ist zwar je­des Au­to im All­tag weit ent­fernt, aber rund 40 Pro­zent Auf­schlag sind zu viel. sob

Fo­to: Werk

NEU­ER AN­LAUF IN DER KOM­PAKT­KLAS­SE: Der Fi­at Ti­po tritt mit güns­ti­gen Prei­sen ge­gen Golf, As­tra und Co an.

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