Zu we­nig Platz für zu vie­le Au­tos

Zu­ge­parkt und an­ge­rem­pelt

Pforzheimer Kurier - - MOTOR UND VERKEHR - Fo­to: Schuh

Die Fahrt dau­ert zehn Mi­nu­ten, die Park­platz­su­che manch­mal dop­pelt so lan­ge. Selbst in klei­ne­ren Städ­ten braucht gu­te Ner­ven, wer abends sein Au­to ab­stel­len will. „Un­term Strich ha­ben wir zu we­nig Park­flä­chen in den In­nen­städ­ten“, sagt Kath­rin Mül­len­bach-Schlim­me vom ADAC. Die Fol­ge: mit­un­ter wil­de Park­kon­stel­la­tio­nen in zwei­ter und drit­ter Rei­he, zu­ge­park­te Ein­fahr­ten und nicht sel­ten Schram­men und Beu­len durch be­nach­bar­te Au­to­tü­ren.

Doch die aku­te Park­platz­not ist kein Frei­brief für fal­sches Par­ken. Wer das Glück hat, noch ei­ne Park­lü­cke zu fin­den, muss dar­auf ach­ten, dass er da­bei we­der den flie­ßen­den Ver­kehr noch an­de­re par­ken­de Au­tos be­hin­dert. „Ei­nen fest­ge­schrie­be­nen Min­dest­ab­stand zu an­de­ren Fahr­zeu­ge gibt es zwar nicht“, er­läu­tert Jens Dötsch, Fach­an­walt für Ver­kehrs­recht. Doch sa­ge die Stra­ßen­ver­kehrs­ord­nung ein­deu­tig, dass „je­der, der am Ver­kehr teil­nimmt, sich so zu ver­hal­ten hat, dass kein an­de­rer ge­schä­digt, ge­fähr­det oder mehr, als nach den Um­stän­den un­ver­meid­bar, be­hin­dert oder be­läs­tigt wird“.

Der Fahr­leh­rer­ver­band et­wa emp­feh­le ei­nen Min­dest­ab­stand von 50 Zen­ti­me­tern nach vor­ne und hin­ten, so Dötsch. Der Sei­ten­ab­stand müs­se so be­mes­sen sein, dass Aus­stei­gen und Au­spar­ken mög­lich bleibt. Stellt ein Au­to­fah­rer fest, dass er von ei­nem an­de­ren Fahr­zeug zu­ge­parkt wird, soll­te Po­li­zei oder Ord­nungs­amt in­for­mie­ren, da­mit von die­ser Sei­te aus not­wen­di­ge Maß­nah­men wie ei­ne Halt­er­fest­stel­lung oder das Ab­schlep­pen ver­an­lasst wer­den. Wer auf ei­ge­ne Faust ei­nen Ab­schlepp­dienst ruft, ris­kie­re, auf den Kos­ten sit­zen zu blei­ben.

Ähn­lich sieht es aus, wenn die ei­ge­ne Haus­ein­fahrt oder Ga­ra­gen­zu­fahrt durch ein par­ken­des Au­to ver­sperrt wird. „Hier hängt das Vor­ge­hen da­von ab, ob das ver­sper­ren­de Fahr­zeug auf pri­va­tem oder öf­fent­li­chem Grund steht.“Bei ei­nem Pri­vat­grund­stück sei es Sa­che des Ei­gen­tü­mers, ob er ei­nen Ab­schlepp­dienst ruft oder sich Hil­fe von der Po­li­zei holt. „Auch hier je­doch wird der Grund­stücks­be­sit­zer wie­der in Vor­leis­tung ge­hen müs­sen, wenn er ab­schlep­pen lässt. Er trägt al­so zu­nächst das Kos­ten­ri­si­ko“, sagt der An­walt. Steht das Au­to auf öf­fent­li­chem et­wa am Stra­ßen­rand, soll­ten Haus­be­sit­zer in je­dem Fall Po­li­zei oder Ord­nungs­amt in­for­mie­ren.

Das Ri­si­ko, ab­ge­schleppt zu wer­den, ge­hen Falsch­par­ker auch sehr schnell ein, wenn sie ihr Au­to in ei­nem ver­kehrs­be­ru­hig­ten Be­reich, um­gangs­sprach­lich Spiel­stra­ße ge­nannt, oder in oh­ne­hin be­eng­ten Stra­ßen ab­stel­len. „Kann bei­spiels­wei­se die Müll­ab­fuhr da­durch nicht ih­re Ar­beit er­le­di­gen, kann es pas­sie­ren, dass Falsch­par­ker an den Ha­ken ge­nom­men wer­den“, sagt Mül­len­bachSchlim­me.

Be­son­ders wenn wich­ti­ge Ret­tungs­we­ge ver­sperrt sind, wer­de das Ab­schlep­pen schnell als „ver­hält­nis­mä­ßi­ge Maß­nah­me“ein­ge­stuft. Das ist auch schnell der Fall, wenn die gera­de noch ge­fun­de­ne Park­lü­cke für das Au­to ei­gent­lich zu kurz ist und Heck oder Schnau­ze auf die Fahr­bahn her­aus­ra­gen. „Grund­sätz­lich gilt, dass das Au­to nie­man­den be­hin­dern darf“, sagt die ADAC-Ex­per­tin.

Lö­sungs­an­sät­ze aus der Park­platz­mi­se­re gibt es vie­le, ein Pa­tent­re­zept je­doch nicht. Sinn­voll sei ein Mix aus un­ter­schied­li­chen Maß­nah­men wie mehr Park­flä­chen, stär­ke­ren Kon­trol­len mit Au­gen­maß durch Po­li­zei und Ord­nungs­amt so­wie Dis­zi­plin auf Sei­ten der Au­to­fah­rer, fin­det Mül­len­bach-Schlim­me. „Wenn je­der et­was stär­ker auf den an­de­ren ach­tet, wür­de das schon viel hel­fen.“Der Ver­kehrs­club Deutsch­land (VCD) plä­diert da­für, die Zahl der Au­tos deut­lich zu reGrund, du­zie­ren oder so­gar gänz­lich au­to­freie Wohn­ge­bie­te zu schaf­fen.

Ei­ne an­de­re Mög­lich­keit ist das Park­platz-Sha­ring. Ähn­lich wie beim Car­sha­ring stellt hier ein Park­platz­be­sit­zer sei­nen Park­raum in Zei­ten, in de­nen er ihn nicht nutzt, an­de­ren zur Ver­fü­gung. „Schwie­rig wird es hier­bei mit­un­ter, wenn es um die Ein­fahrt­erlaub­nis zum Bei­spiel zu ei­ner Tief­ga­ra­ge geht“, sagt Sme­ta­nin. Das müs­se vor­ab im­mer mit dem Ver­mie­ter ge­klärt wer­den. In­zwi­schen gibt es auch zahl­rei­che kom­mer­zi­el­le An­bie­ter im Be­reich Park-Sha­ring, wie et­wa Am­pi­do, Par­king­list oder Park­place. Sie kas­sie­ren für die Parkpaltz-Ver­mitt­lung zwi­schen Pri­vat­leu­ten ei­ne Pro­vi­si­on. Clau­di­us Lü­der

GE­FÄHR­LI­CHE NÄ­HE: Wer dem an­de­ren Au­to­fah­rer so we­nig Platz zum Ran­gie­ren lässt, kann ab­ge­schleppt wer­den.

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