Auch Hin­fal­len will ge­lernt sein

Tipps für El­tern von Lauf­rad-An­fän­gern

Pforzheimer Kurier - - HOBBY UND FREIZEIT -

Frü­her lie­fen Pa­pa oder Ma­ma ge­dul­dig ne­ben­her, ei­ne Hand am Sat­tel, um die Kol­li­si­on mit La­ter­ne oder Gar­ten­zaun zu ver­mei­den. Und ir­gend­wann, nach vie­len kipp­li­gen Ver­su­chen und hals­bre­che­ri­schen Schlen­kern, hat­te das Kind den Trick mit dem Gleich­ge­wicht auf dem Fahr­rad raus. Heu­te sind die meis­ten Drei- und Vier­jäh­ri­gen auf dem Bür­ger­steig mit ei­nem Lauf­rad un­ter­wegs. Da­mit ha­ben die Klei­nen or­dent­lich Tem­po drauf. Und Rad­fah­ren ist spä­ter ein Klacks, weil sie das Gleich­ge­wicht schon hal­ten kön­nen. Doch was ist beim Kauf des Lauf­rads wich­tig?

Das pas­sen­de Al­ter

Vie­le Lauf­rä­der wer­den schon für ganz Klei­ne an­ge­bo­ten. Das ist aber oft zu früh, be­ob­ach­tet Mar­ti­na Abel, Ge­schäfts­füh­re­rin der Bun­des­ar­beits­ge­mein­schaft „Mehr Si­cher­heit für Kin­der“. Zwi­schen zwei und drei Jah­ren sind die meis­ten so weit. „Sie müs­sen auf je­den Fall si­cher lau­fen kön­nen und brau­chen fein­mo­to­ri­sche Kom­pe­tenz.“Vie­le Kin­der las­sen das Lauf­rad nach ers­ten miss­lun­ge­nen Ver­su­chen erst­mal in der Ecke ste­hen. Das ist kein Pro­blem, wenn El­tern ein Mo­dell ge­wählt ha­ben, bei dem sich der Sat­tel um mehr als fünf Zen­ti­me­ter ver­stel­len lässt.

Die rich­ti­ge Aus­stat­tung

Brem­se und Klin­gel sind eher über­flüs­sig: Ge­bremst wird schließ­lich mit den Fü­ßen. „Ei­ne Hand­brem­se kön­nen vie­le Kin­der gar nicht be­die­nen“, sagt Abel. Wich­tig sind auch die Rei­fen: Auf gro­ßen Luftrei­fen mit leich­tem Pro­fil fährt es sich am be­quems­ten. Schei­ben­rä­der ha­ben den Vor­teil, dass Kin­der nicht mit Hän­den oder Fü­ßen in die Spei­chen ge­ra­ten. Ach­ten soll­ten El­tern auf ei­nen Len­ker mit Auf­prall­schutz, rät Su­san­ne Wo­elk von der Ak­ti­on Das Si­che­re Haus. Al­ler­dings hält der nicht im­mer, was er ver­spricht: Bei ei­ni­gen Mo­del­len be­män­gel­ten Kon­trol­leu­re der Zeit­schrift „Öko-Test“, dass der Prall­schutz nach mehr­ma­li­gem Um­kip­pen durch­ge­sto­ßen ist oder so­gar durch­bricht.

Mit Gü­te­sie­gel

Da Lauf­rä­der als Spiel­zeug gel­ten, müs­sen sie in Sa­chen Ge­brauchs­taug­lich­keit nur Min­dest­stan­dards er­fül­len. Am bes­ten ach­ten El­tern auf das GSZei­chen für Ge­prüf­te Si­cher­heit, rät Abel. Ob sie ein neu­es oder ge­brauch­tes Lauf­rad an­schaf­fen, müs­sen El­tern ab­wä­gen. In je­dem Fall soll­ten sie sich ge­brauch­te Rä­der ge­nau an­schau­en: Gibt es spit­ze Kan­ten, ste­hen Schrau­ben oder Mut­tern her­vor?

Egal, ob neu oder ge­braucht: Das Kind soll­te bei ei­ner Pro­be­fahrt da­bei sein. „Ach­ten Sie da­bei dar­auf, dass die Bei­ne bei der Be­we­gung ge­streckt sind“, rät Wo­elk. Spä­tes­tens, wenn die Bei­ne beim Fah­ren schlei­fen und sich der Sat­tel nicht mehr ver­stel­len lässt, sind Kin­der dem Lauf­rad ent­wach­sen. „Ab fünf oder sechs Jah­ren ist dann der rich­ti­ge Zeit­punkt für den Über­gang aufs Fahr­rad“, er­klärt Abel.

Ge­eig­ne­te Übungs­stre­cke

Die fla­che, gut ein­seh­ba­re Stre­cke ist na­tür­lich bes­ser als der ab­schüs­si­ge Hü­gel. „Am An­fang lässt man das Kind viel­leicht an ei­ner Wand üben, wo es sich ab­stüt­zen kann“, sagt Die­ter Breithe­cker von der Bun­des­ar­beits­ge­mein­schaft für Hal­tungs- und Be­we­gungs­för­de­rung. An­sons­ten emp­fiehlt er El­tern: Hän­de in die Ho­sen­ta­schen und zu­gu­cken. „Das Kind nicht ma­nö­vrie­ren“, warnt er. Lauf­rä­der sind ei­ne idea­le Mög­lich­keit für Kin­der, Ent­fer­nun­gen, Mo­bi­li­tät und Gleich­ge­wicht zu trai­nie­ren. Auch Wahr­neh­mung und Re­ak­ti­ons­fä­hig­keit wer­den ver­bes­sert – nicht un­wich­tig, wenn sie spä­ter mit ih­rem Fahr­rad am Ver­kehr teil­neh­men. Auch Fal­len will ge­lernt sein: „Das hö­ren El­tern nicht ger­ne, macht Kin­der aber si­che­rer.“All das klappt aber nur, wenn die Klei­nen selbst­stän­dig auf dem Lauf­rad un­ter­wegs sein dür­fen.

Nicht über­trei­ben

Für ge­mein­sa­me Aus­flü­ge ist das Lauf­rad per­fekt: Schließ­lich kom­men El­tern mit dem Kind so schnel­ler vor­an als nur zu Fuß. Zu wei­te Stre­cken las­sen aber Frust auf­kom­men, und das Kind ver­liert die Freu­de an der Be­we­gung. Am An­fang al­so kur­ze Stre­cken wäh­len, bei de­nen man schnell wie­der zu Hau­se ist. Au­ßer­dem gilt: den Helm nicht ver­ges­sen – dann ist er spä­ter beim Um­stieg aufs rich­ti­ge Fahr­rad schon ei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit. Ju­lia Kirch­ner

KIN­DER­LEICHT: 200 Jah­re nach der ers­ten Pro­be­fahrt des Herrn Drais ist das von ihm er­fun­de­ne Lauf­rad das Lieb­lings­ver­kehrs­mit­tel von Kin­der­gar­ten­kin­dern. Ar­chiv­fo­to: Hil­den­brand

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