Ech­ter Krieg und Got­tes Bei­stand

Mel Gib­son

Pforzheimer Kurier - - FILM UND TV-SZENE -

Des­mond Doss war der ers­te US-Sol­dat, der mit der „Me­dal of Ho­nor“, der höchs­ten mi­li­tä­ri­schen Aus­zeich­nung sei­nes Hei­mat­lan­des, aus­ge­zeich­net wur­de, ob­wohl er nie ei­ne Waf­fe ge­tra­gen hat­te. Er­zählt wird des­sen Ge­schich­te im be­we­gen­den An­ti-Kriegs­epos „Hack­saw Ridge – Die Ent­schei­dung“, für das Mel Gib­son nach zehn Jah­ren wie­der auf den Re­gie­stuhl zu­rück­kehr­te und prompt mit ei­ner Gol­den-Glo­be-No­mi­nie­rung be­lohnt wur­de. Da­mit en­det auch ei­ne Pha­se, in der die öf­fent­li­che Wahr­neh­mung des 61-jäh­ri­gen Ame­ri­ka­ners vor al­lem durch Ne­ga­tiv­schlag­zei­len über al­ko­ho­li­sier­te Au­to­fahr­ten und ver­ba­le Aus­fäl­le ge­prägt war. „Bit­te an­schnal­len, ich bin zu­rück auf dem Fah­rer­sitz“, kom­men­tiert Gib­son sei­ne Wie­der­kehr und be­ein­druckt im Ge­spräch mit BNN-Mit­ar­bei­te­rin Kerstin Lin­de­mann mit läs­si­ger Iro­nie und bi­bli­schem Rau­sche­bart.

Die Kampf­sze­nen in Ih­rem neu­en Film ge­hö­ren zu den ge­walt­tä­tigs­ten, die es im Kino je zu se­hen gab. Zugleich sind sie rea­lis­ti­scher als in vie­len an­de­ren Kriegs­fil­men ...

Mel Gib­son: In der Schlacht um Oki­na­wa wur­de zum ers­ten Mal Na­palm als Waf­fe ein­ge­setzt, ne­ben Bom­ben und Gra­na­ten. Es war ei­nes der grau­sams­ten Ge­fech­te des Zwei­ten Welt­kriegs. Wir ver­such­ten, das nach­zu­stel­len. Es gibt heut­zu­ta­ge zum Glück film­tech­ni­sches Equip­ment, mit dem man das sehr rea­lis­tisch tun kann. Wir woll­ten den Hor­ror zei­gen, den die Men­schen da durch­ste­hen muss­ten. Des­mond Doss war von sei­nem Glau­ben so be­flü­gelt, dass er Über­mensch­li­ches leis­te­te. Die­ser fi­li­gran ge­bau­te Mann seil­te in­ner­halb von acht St­un­den 75 ver­letz­te Män­ner an der „Hack­saw Ridge“ge­nann­ten Klip­pe ab, un­ter­halb de­rer die Ame­ri­ka­ner ge­lan­det wa­ren. Al­le zehn Mi­nu­ten ei­nen Kör­per. Da­bei wog er selbst kaum mehr als 70 Ki­lo­gramm.

Treibt Sie selbst auch gött­li­che In­spi­ra­ti­on an?

Gib­son: Wenn man so ei­nen Film in 59 Ta­gen mit ei­nem Bud­get von nur 40 Mil­lio­nen Dol­lar dre­hen soll, dann fragt man sich schon, wie das oh­ne gött­lichen Bei­stand funk­tio­nie­ren soll­te. Wir hat­ten für die Schlacht­sze­nen nur halb so viel Zeit, wie mir da­mals bei „Bra­ve­he­art“zur Ver­fü­gung stand. Und 40 Mil­lio­nen Dol­lar sind nor­ma­ler­wei­se das Bud­get für ei­nen gro­ßen In­de­pen­dent­film. Ich bin den­noch der Auf­fas­sung, dass un­ser Film nach mehr als ei­nem In­de­pen­dent­film aus­sieht.

Doss’ Le­ben war ge­prägt von sei­nem Glau­ben und sei­nen un­er­schüt­ter­li­chen christ­li­chen Wer­ten. Wel­che Wer­te prä­gen Ihr Le­ben?

Gib­son: Die schwie­rigs­te Auf­ga­be im Le­ben ist es, die ei­ge­nen Un­zu­läng­lich­kei­ten zu über­win­den. Das be­ein­druckt mich an Des­mond Doss. Dem ging es aus­schließ­lich um sei­ne Mit­men­schen. Er hat sein Le­ben ris­kiert, oh­ne ei­ne Waf­fe zu ha­ben, um sei­ne Ka­me­ra­den zu ret­ten – nicht nur sei­ne Ka­me­ra­den, auch ja­pa­ni­sche Sol­da­ten. Be­reits En­de der 40er-Jah­re ver­such­ten Hol­ly­wood­stu­di­os die Film­rech­te an sei­nem Le­ben zu be­kom­men. Aber nichts konn­te Doss über­zeu­gen. Schließ­lich ver­mach­te er die Rech­te sei­ner Kir­chen­ge­mein­de. Ich glau­be, sie hat­ten ihn da­von über­zeugt, dass sei­ne Ge­schich­te In­spi­ra­ti­on für an­de­re sein könn­te.

Kam es Ih­nen nicht manch­mal ver­rückt vor, ei­ne so ur­ame­ri­ka­ni­sche Ge­schich­te mit aus­tra­li­schen und eng­li­schen Schau­spie­lern und aus­schließ­lich in Aus­tra­li­en zu pro­du­zie­ren?

Gib­son: Das hat doch wun­der­bar ge­klappt! Als wir den fer­ti­gen Film im US-Bun­de­staat Vir­gi­nia vor­führ­ten, frag­te mich ein Zu­schau­er, wie wir das dor­ti­ge Kran­ken­haus so ori­gi­nal­ge­treu wie­der her­ge­rich­tet hät­ten. Un­se­re Darstel­ler sind al­le in­ter­na­tio­nal ori­en­tiert. Sam Wort­hing­ton, Hu­go Wea­ving und And­rew Gar­field könn­ten in Fi­gu­ren al­ler mög­li­chen Na­tio­na­li­tä­ten schlüp­fen.

Muss sich „Mad Max“-Re­gis­seur Ge­or­ge Mil­ler bei Ih­nen ent­schul­di­gen, dass er „Ih­re“Rol­le oh­ne Sie wie­der­be­leb­te?

Gib­son: Gar nicht! Ich lie­be Ge­or­ge Mil­ler, weil er als Fil­me­ma­cher im­mer ein Ga­rant für spek­ta­ku­lä­re Op­tik ist. Auch der Schnitt des Films – gran­di­os! Bei der Vor­füh­rung in Los An­ge­les saß ich ne­ben Ge­or­ge und ha­be an den pas­sen­den Stel­len ge­lacht. Er frag­te: „War­um lachst Du da?“Ich ant­wor­te­te: „Weil Du ein­fach ein kran­ker Ir­rer bist.“Er wuss­te mein Kom­pli­ment zu schät­zen.

MEL­DET SICH ZU­RÜCK: Mel Gib­sons ein­dring­li­cher An­ti-Kriegs­film „Hack­saw Ridge – Die Ent­schei­dung“ist zur Zeit in den deut­schen Ki­nos zu se­hen. Fo­to: Met­cal­fe / Getty Images for AFI

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