Fa­ta­le Er­leuch­tung

Kri­mi der Wo­che

Pforzheimer Kurier - - BUNTE SEITE -

war zu­frie­den, nein, so­gar ein biss­chen stolz auf sich. Er stand im Wohn­zim­mer sei­nes Hau­ses und starr­te an die Zim­mer­de­cke. Er hat­te den Leuch­ter über dem Ess­tisch an­ge­bracht. Es war ei­ne De­si­gner­leuch­te, furcht­bar teu­er und ei­nen gu­ten Zent­ner schwer: Letz­te­res war ihm fast wich­ti­ger ge­we­sen. Die­ses ed­le Stück aus Mas­siv­holz und Sil­ber, be­stückt mit Leucht­ku­geln, dimm­bar, steu­er­bar, en­er­gie­spa­rend wür­de ihm zu sei­nem Glück ver­hel­fen.

Sa­scha hat­te so­eben die per­fek­te Mord­waf­fe mon­tiert, ein De­cken­leuch­ter mit Durch­schlags­kraft! Er schob den Ess­tisch ex­akt so, dass sie ge­nau un­ter ihm saß. Sie – das war Schwie­ger­mut­ter Jo­han­na. Sie re­si­dier­te, drang­sa­lier­te und stra­pa­zier­te seit acht­zehn Jah­ren! Dra­chen Jo­han­na bruz­zel­te stets Ei­gen­krea­tio­nen, na­tür­lich gera­de, wenn die Kü­che sau­ber ge­putzt war, be­dien­te sich scham­los an den Vor­rä­ten und sei­nem Wein­kel­ler und er­bat sich Ru­he und Rück­sicht, wenn sie um elf Uhr schla­fen woll­te, um zwölf Uhr Fern­se­hen, um ein Uhr te­le­fo­nie­ren, um halb zwei ei­ne Kreis­lauf­schwä­che und um drei Uhr ei­ne Fres­s­at­ta­cke hat­te. Sa­scha konn­te nicht mehr. Nein, er woll­te nicht mehr. De­ni­se be­schwich­tig­te ihn zwar im­mer wie­der, re­de­te auf die Mut­ter ein wie auf ei­nen stör­ri­schen Gaul. Aber er hat­te sie neu­lich schluch­zen hö­ren, ein­ge­schlos­sen ins Gäs­te-WC. Das war zu viel. Sa­scha wür­de han­deln und De­ni­se schwei­gen wie ein Gr­ab.

Er hat­te al­les ge­nau be­rech­net, die Dü­bel schwach ge­wählt, die Bohr­lö­cher flach ge­hal­ten, das Ei­gen­ge­wicht des Leuch­ters ein­ge­rech­net. Die Phy­sik wür­de sei­nen Plan um­set­zen und Schwie­ger­mut­ter Jo­han­na, die das Wohn­zim­mer und sein Le­ben in Be­sitz ge­nom­men hat­te, an ih­rem an­ge­stamm­ten Platz am Ess­tisch aus­lö­schen. Von oben!

Für heu­te Abend wa­ren Neu­bur­gers ein­ge­la­den, soll­te die ol­le Jo­han­na doch ze­ternd da­bei sit­zen. Es war ja nur noch die­ses Mal, lächel­te Sa­scha! Das letz­te Abend­mahl so­zu­sa­gen. Und die­sen zu­ge­ge­ben in­sze­nier­ten Un­fall vor Zeu­gen ab­lau­fen zu las­sen, er­schien ihm als Ge­nie­streich des Bö­sen!

Sei­ne sü­ße De­ni­se, treu sor­gen­de Ehe­frau, ser­vier­te den Cham­pa­gner. „Sa­scha, nun be­grüß doch un­se­re Gäs­te!“rief De­ni­se, wäh­rend er drin­nen die Schrau­ben­mut­tern lo­cker­te. Al­les beSa­scha rech­net, al­les laut Plan! Schwie­ger­ma­ma Jo­han­na setz­te sich als ers­te, wäh­rend Sa­scha eif­rig kal­te Plat­ten her­ein­trug. „Wie auf­merk­sam, mein Schatz!“flö­te­te De­ni­se und zwin­ker­te ver­schwö­re­risch. Sa­scha hör­te schon das lei­se Kna­cken, das Wir­ken der Schwer­kraft, Staub rie­sel­te un­merk­lich von der De­cke. Der Leuch­ter ruck­te ein we­nig, wäh­rend un­ter ihm Ka­na­pees kreis­ten. Sa­scha schwitz­te. Da sprang Jo­han­na krei­schend auf: „ Ich ver­tra­ge kei­ne Mayon­nai­se, Du Idi­ot …“Sie würg­te, hielt sich den Bauch, woll­te auf­sprin­gen. Sa­scha war schnel­ler, press­te die kno­chi­ge Da­me auf den Stuhl, wäh­rend sie um sich schlug, kreisch­te und sich ir­gend­wie her­aus­wand. Sa­schas Faust traf kra­chend nur den Tisch. Neu­bur­gers schrien. Da stürz­te der Zent­ner­schwe­re Leuch­ter wie ein Fall­beil her­un­ter und be­grub mit ei­nem häss­li­chen Ge­räusch den ar­men Mann un­ter sich.

Ei­ni­ge Ta­ge spä­ter, als De­ni­se auf dem Wald­fried­hof un­zäh­li­ge Hän­de ge­schüt­telt hat­te und in Schwarz ein­fach rei­zend aus­sah, tät­schel­te Dra­chen Jo­han­na ih­re Hand.

„Ich hab dir ge­sagt, war­te mit der Schei­dung … als Wit­we stehst du bes­ser da, Herz­chen“. „Ja“, lächel­te De­nis, „du hat­test recht, Ma­ma.“

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