Markt und Piaz­za

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - MICHA­EL HÜBL

Karls­ru­he darf sich freu­en über die art. Die Stadt kann sich glück­lich schät­zen, in Ewald Karl Schra­de je­man­den zu ha­ben, der sich mit war­mem Herz­blut für die Kunst­mes­se ein­setzt. Und sie tut gut dar­an, dem rüh­ri­gen Im­pre­sa­rio und sei­nem Bei­rat mög­lichst freie Hand zu las­sen. Denn die­se Mes­se punk­tet durch ih­re freund­li­che At­mo­sphä­re. Was sich nicht zu­letzt in der Be­liebt­heit zeigt. Un­ter den Be­su­chern gibt es et­li­che „Wie­der­ho­lungs­tä­ter“, de­nen es Freu­de macht zu fla­nie­ren, sich vom An­ge­bot der Ga­le­ri­en in­spi­rie­ren zu las­sen und ne­ben­bei noch Freun­de oder Be­kann­te zu tref­fen.

Die art Karls­ru­he ist nicht zu­letzt ein so­zia­les Er­eig­nis. Ei­ne Piaz­za, ei­ne Ago­ra, ein Ort der Be­geg­nung. Vie­le Kul­tur­ein­rich­tun­gen – von der Aka­de­mie der Bil­den­den Küns­te bis zur ver­ei­nig­ten Di­enst­leis­tungs­ge­werk­schaft Ver­di – nut­zen die Mes­se denn auch, um auf sich und ih­re Ak­ti­vi­tä­ten auf­merk­sam zu ma­chen. An­de­re wie­der­um er­in­nern dar­an, dass Karls­ru­he als Kunst­stadt noch weit mehr zu bie­ten hat als die art. Vor al­lem

die Kunst­hal­le tat sich jetzt her­vor, in­dem sie die Er­öff­nung ih­rer jüngs­ten Aus­stel­lung auf den Kunst­mes­sen­frei­tag leg­te – und sich da­mit vi­el­leicht Ge­le­gen­heit ver­schaff­te, Gäs­te von au­ßer­halb auf ih­re miss­li­che La­ge hin­zu­wei­sen. Kann das Mu­se­um doch je­den Ver­bün­de­ten brau­chen, da­mit sei­ne über­fäl­li­ge Er­wei­te­rung nicht noch wei­ter ver­schleppt wird.

Pri­mär al­ler­dings ist die art we­der ge­sell­schaft­li­ches Fo­rum noch Kon­takt­bör­se, son­dern ein Markt. Hier scheint sich ab­zu­zeich­nen, dass sie sich vor­ran­gig als Mes­se der klas­si­schen Mo­der­ne und der in­zwi­schen eta­blier­ten Kunst des aus­ge­hen­den 20. Jahr­hun­derts ei­nen Na­men ge­macht hat. Was hin­ge­gen das ak­tu­el­le Kunst­ge­sche­hen an­be­langt, so ist die art Karls­ru­he al­len­falls punk­tu­ell am Puls des Ge­sche­hens. So­lan­ge klas­si­sche Mo­der­ne und Co ge­nü­gend Kauf­in­ter­es­se fin­den, ist das kein Pro­blem. An zah­lungs­kräf­ti­gen Samm­lern herrscht im deut­schen Süd­wes­ten kein Man­gel, wird im­mer wie­der be­tont. Und so kön­nen die ei­nen fla­nie­ren, weil die an­de­ren kau­fen.

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