Ex­zel­lent, aber emo­ti­ons­los

Hän­del-Fest­spie­le zum Zwei­ten: Kon­zer­tan­tes Ora­to­ri­um „Theo­do­ra“

Pforzheimer Kurier - - KULTUR -

Hän­dels Ora­to­ri­um „Theo­do­ra“wird in Karls­ru­he hoch ge­schätzt, dank zwei frü­he­rer Auf­füh­run­gen – 1985 un­ter Fritz Weis­se mit den Chö­ren des Staats­thea­ters und 2003 un­ter Ti­mo­thy Brown mit dem un­ver­ges­se­nen Cla­re Col­le­ge Chor aus Cam­bridge. Lei­der konn­te die jüngs­te Auf­füh­rung, für die Pe­ter Ne­u­mann und sein Köl­ner Kam­mer­chor nach Karls­ru­he ka­men, die­se Fa­vo­ri­sie­rung nur be­dingt be­stä­ti­gen.

Erst­mals fiel ei­ne ge­wis­se Un­aus­ge­wo­gen­heit zwi­schen den Ari­en auf. Das Ge­fühl, das Ora­to­ri­um be­stün­de aus­schließ­lich aus ele­gi­schen Kla­ge­ari­en, ver­stärk­te sich im Lau­fe das Abends im­mens. Ein­zig die Wut-Ari­en des Va­lens brach­ten hier et­was Ab­wechs­lung. Dies lag in ers­ter Li­nie an Pe­ter Ne­u­mann, der ei­nen eher alt­her­ge­brach­ten Hän­del-Stil pflegt, der zwar der wa­cker auf­spie­len­den Ba­di­schen Staats­ka­pel­le si­che­res, ba­ro­ckes Stil­ge­fühl ver­mit­tel­te, dem dra­ma­ti­schen Im­pe­tus des Wer­kes aber vie­les schul­dig blieb und auf brei­te, ge­tra­ge­ne Tem­pi setz­te.

Da wur­de wun­der­schön ge­schmach­tet, ei­ne Kla­ge lös­te die nächs­te ab, doch die Angst, die Ver­zweif­lung, aber auch der Fa­na­tis­mus hin­ter den Wor­ten blieb weit­ge­hend un­be­leuch­tet. Dies auch, weil sich der tech­nisch und sti­lis­tisch ex­zel­len­te Köl­ner Kam­mer­chor als ty­pi­scher Kon­zert­chor vor­stell­te, der sei­ne Auf­ga­be eher emo­ti­ons­los und un­dra­ma­tisch ab­sol­vier­te.

Vi­el­leicht war man dies­be­züg­lich aber auch ein­fach durch die hin­rei­ßen­de Leis­tung des neu­ge­grün­de­ten Hän­delFest­spiel­chors am Vor­abend („Se­me­le“) ver­wöhnt. Doch auch das fünf­köp­fi­ge So­lis­ten­en­sem­ble wirk­te un­aus­ge­gli­chen. Ta­del­los prä­sen­tier­ten sich Si­ne Bund­gaard als für ih­re Un­be­rührt­heit und ih­ren Glau­ben ster­ben­de Theo­do­ra und Tu­va Sem­ming­sen als ih­re Schwes­ter Irene. Ei­ne wun­der­ba­re Te­nor­stim­me, wie man sie im Ba­rock­fach sel­ten zu hö­ren be­kommt, be­sitzt Sa­mu­el Bo­den. Sei­nem Sep­ti­mi­us ge­hör­te die Kro­ne des Abends. Da­ge­gen spreng­te Mor­gan Pe­ar­se, der im März auch als Fi­ga­ro zu hö­ren sein wird, als Va­lens den Stil des En­sem­bles. Er war in je­der Se­kun­de in sei­ner Rol­le, stob auch ein­mal wut­ent­brannt ans No­ten­pult und lud je­de Arie mit dra­ma­ti­schem Feu­er auf. Da­vid Han­sen (Didy­mus) in­des­sen hat zwar ei­nen schö­nen, bes­tens ge­schul­ten Coun­ter­te­nor, doch hier wirk­te er un­vor­be­rei­tet, zu­wei­len nicht ganz in­to­na­ti­ons­rein und sze­nisch des­in­ter­es­siert. Ein prä­gen­de­rer, auch dra­ma­tisch den­ken­der Lei­ter hät­te dem Abend gut ge­tan, den­noch sehr herz­li­cher Bei­fall am En­de der über vier­stün­di­gen Auf­füh­rung. Man­fred Kraft

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