An­schau­ung in Sa­chen Ef­fek­ti­vi­tät

Ber­li­ner Cle­ver­ness do­mi­niert Karls­ru­her Herz­blut / Stop­pel­kamps Elf­me­ter­tor bleibt Kos­me­tik

Pforzheimer Kurier - - FERNSEHEN - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Re­né Dan­kert

Karls­ru­he. Zum al­ler­letz­ten Frei­stoß ei­ner zä­hen Zweit­li­ga­par­tie hat­te sich schließ­lich noch Karls­ru­hes Mann in Gelb in den Pulk aus Ro­ten und Blau­en ge­wor­fen. Doch auch der von Mir­ko Slom­ka erst­mals an­stel­le von Re­né Voll­ath auf­ge­bo­te­ne Tor­wart Dirk Or­lis­hau­sen ver­moch­te im Sech­zeh­ner von Uni­on Ber­lin nichts mehr aus­zu­rich­ten, so dass er und sei­ne de­zi­mier­ten Mit­spie­ler we­nig spä­ter ei­ne 1:2(0:2)-Nie­der­la­ge als Fakt zu be­kla­gen hat­ten. Der be­reits ver­warn­te Franck Kom hat­te kurz vor Schluss bei zwei ge­fähr­li­chen Kopf­bal­l­ak­tio­nen den mög­li­chen Aus­gleich ver­passt, we­gen ei­nes tak­ti­schen Fouls vor dem ei­ge­nen Straf­raum ge­gen Se­bas­ti­an Pol­ter dann Gelb-Rot ge­se­hen. So wird der Ka­me­ru­ner dem Ta­bel­len-15. am nächs­ten Montag in des­sen Gast­spiel beim Ta­bel­len-16. FC St. Pau­li feh­len. En­ri­co Va­len­ti­ni mög­li­cher­wei­se zu­dem. Bei ihm brach ei­ne In­nen­band­ver­let­zung im rech­ten Knie wie­der auf, wes­halb er noch vor der Pau­se für Mar­vin Meh­lem Platz ge­macht hat­te.

„Die Ef­fek­ti­vi­tät hat den Un­ter­schied ge­macht“, be­fand Or­lis­hau­sen nach der neun­ten Sai­son­nie­der­la­ge des KSC. Der Ka­pi­tän ahn­te, was kommt: „Der Druck wird jetzt je­de Wo­che grö­ßer, der Ton wird rau­er.“Ein für sei­ne Rei­hen gif­ti­ger Spiel­ver­lauf hat die­se Er­war­tung wei­ter ge­nährt, zu­mal die Kon­kur­renz im Kel­ler punk­te­te. Die di­rekt auf­ein­an­der ge­trof­fe­nen Ar­mi­nia Bie­le­feld und der FC St. Pau­li (1:1) wie auch Erz­ge­bir­ge Aue in Braun­schweig (1:1). Der KSC, dem ein Elf­me­ter­tor von Mo­ritz Stop­pel­kamp (77.) noch mal Hoff­nung auf ei­nen Punkt ge­ge­ben hat­te, blieb in der Ta­bel­le zwar Bes­ter un­ter den vier nun­mehr punkt­glei­chen Abs­tigs­kan­di­da­ten. Doch für die fol­gen­den Auf­ga­ben in Pau­li, da­heim ge­gen den Ta­bel­len­zwei­ten Han­no­ver 96 und in Aue ist hier­aus kein mo­ra­li­scher Vor­teil ab­zu­lei­ten.

Kei­ne fünf Mi­nu­ten wa­ren ges­tern im mit rund 13 500 Be­su­chern ge­füll­ten Wild­park­sta­di­on ge­spielt, als KSC-In­nen­ver­tei­di­ger Da­vid Kin­som­bi bei ei­ner Straf­raum­ak­ti­on Pol­ter in den Rü­cken lief und an des­sen Tri­kot zog. Der Elf­me­ter­pfiff von Schieds­rich­ter Thor­ben Sie­wer: ver­tret­bar. Straf­stoß­schüt­ze Si­mon Hed­lund (6.) ver­lud Or­lis­hau­sen, was ein Wir­kungs­tref­fer für die Heim­elf war – auch weil sie das Pech hat­te, dass Ste­fan Mu­go­sa (8.) nach ei­ner von Stop­pel­kamp ge­tre­te­nen Ecke kurz dar­auf per Kopf nur den Pfos­ten traf. „Auch das zwei­te Ge­gen­tor fiel viel zu schnell“, wür­de KSC-Trai­ner Mir­ko Slom­ka spä­ter zur Sze­ne in der 38. Spiel­mi­nu­te be­kla­gen, als der nach ei­nem Qu­er­pass von Hed­lund im Fün­fer vor Pol­ter zur Klä­rung be­rei­te Kin­som­bi den Ball ins ei­ge­ne Tor bug­sier­te.

0:2 zur Pau­se ge­gen kör­per­lich ro­bus­te Ber­li­ner, die es cle­ver an­ge­stellt hat­ten – das war auch men­tal ei­ne Hy­po­thek für die Heim­elf. Wenn es hin­ter­her für sie et­was Po­si­ti­ves mit­zu­neh­men gab, dann war das der Ein­druck, nicht zer­bro­chen zu sein am zwei­ten Dämp­fer. Nach dem Sei­ten­wech­sel war der KSC sei­nen Gäs­ten je­den­falls mehr als nur eben­bür­tig. Die Her­ein­nah­me von Di­mi­tris Dia­man­ta­kos für Er­win Hof­fer hat­te die Of­fen­si­ve be­lebt, aber eben auch nicht ent­schei­dend mehr Prä­zi­si­on ge­bracht. Zu är­gern hat­ten sich die KSC-Pro­fis vor al­lem wie­der über sich selbst, näm­lich, aber­mals in un­schö­ner Re­gel­mä­ßig­keit fal­sche Ent­schei­dun­gen ge­trof­fen zu ha­ben. Und klar: Be­klagt wur­de auch, dass es mit Glück im Ab­stiegs­kampf so ei­ne Sa­che ist. Stop­pel­kamp traf in der 52. Mi­nu­te aus 19 Me­tern das Lat­ten­kreuz, was in je­ner Se­kun­de der zwei­te Alu­mi­ni­um­klat­scher war. An­de­rer­seits hat­te der KSC doch auch Glück, als Sie­wer in der 66. Mi­nu­te nicht noch mal auf Straf­stoß für Uni­on ent­schied. Fi­gueras war nach Eroll Ze­jnul­la­hus Flan­ke ge­gen den ein­schuss­be­rei­ten Ste­ven Skrzyb­ski zur Stel­le. Ob der Ein­satz des Spa­ni­ers re­gel­kon­form war oder nicht, dar­über gin­gen die Mei­nun­gen hin­ter­her aus­ein­an­der. Un­strit­tig war die Fehl­leis­tung des Ber­li­ner Rechts­ver­tei­di­gers To­ni Leist­ner auf der an­de­ren Sei­te, als er Mu­go­sa im Straf­raum leg­te – was Stop­pel­kamp vom Punkt zum 1:2 nutz­te.

Die Ge­gen­ge­ra­de peitsch­te die Heim­elf nach vor­ne. Die Schluss­pha­se ver­lief da­nach tur­bu­lent, aber eben auch er­trag­los. „Al­le ha­ben ge­merkt, dass wir uns nicht auf­ge­ge­ben ha­ben. Das war in der Hin­run­de nicht so“, sag­te Den­nis Kem­pe. Der war nach sei­ner Gelb-Sper­re als ei­ner von fünf Neu­en da­bei, die Slom­ka nach den Sper­ren von Hi­ro­ki Ya­ma­da und Gri­scha Prö­mel be­rück­sich­tigt hat­te. Für Kem­pe hät­te es das per­fek­te Wo­che­n­en­de wer­den kön­nen. Sein Tref­fer zum 2:1 beim 3:2-Er­folg ge­gen Bie­le­feld hat­ten die Zu­schau­er der ARD-Sport­schau zum „Tor des Mo­nats“ge­kürt. Da­mit schlug er Ro­bert Le­wan­dow­ski, Da­vid Ala­ba und Bastian Schwein­stei­ger aus dem Feld. „Über­wäl­tigt“ha­be ihn die­se Aus­zeich­nung, das gest­ri­ge 1:2 er­ziel­te die­se Wir­kung frei­lich nicht.

Sta­tis­tik

Karls­ru­her SC: Or­lis­hau­sen, Ba­der, Kin­som­bi, Fi­gueras, Kem­pe, Kom, Mef­fert (84. Ree­se), Va­len­ti­ni (39. Meh­lem), Stop­pel­kamp, Mu­go­sa, Hof­fer (46. Dia­man­ta­kos).

Uni­on Ber­lin: Busk, Trim­mel, Leist­ner, Puncec, Pe­der­sen, Ze­jnul­la­hu (71. Pa­r­ensen), Fürst­ner, Krei­lach, Skrzyb­ski (74. Re­don­do), Pol­ter, Hed­lund (88. Kes­sel).

Schieds­rich­ter: Sie­wer (Ol­pe), Zu­schau­er: 13 531, To­re: 0:1 Hed­lund (6., Foul­elf­me­ter), 0:2 Kin­som­bi (37., Ei­gen­tor), 1:2 Stop­pel­kamp (77., Foul­elf­me­ter).

Gel­be Kar­ten: Fi­gueras (5), Kem­pe (6), Mef­fert (2), Dia­man­ta­kos (4) – Fürst­ner (6), Pe­der­sen, Pa­r­ensen (2).

Gelb-Ro­te Kar­te: Kom we­gen wie­der­hol­ten Foul­spiels (90.+1).

NICHTS ZU MA­CHEN war für den KSC-Tor­wart Dirk Or­lis­hau­sen nach sei­nem Aus­flug vor das Ber­li­ner Tor bei der letz­ten Ak­ti­on des Spiels, dass sein Team mit 1:2 ver­lor. Fo­to: GES

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.