Fe­lix, der Glück­li­che

Neu­reu­ther nach Sla­lom-Bron­ze bei sei­nem letz­ten WM-Start von den Ge­füh­len über­mannt / „Echt sehr spe­zi­ell“

Pforzheimer Kurier - - SPORT -

St. Mo­ritz (sid). Fe­lix Neu­reu­ther konn­te sein Glück kaum fas­sen. Als er in sei­nem wohl letz­ten Ren­nen bei Welt­meis­ter­schaf­ten fast sen­sa­tio­nell Bron­ze si­cher hat­te, wuss­te er gar nicht, wo­hin mit all sei­nen Ge­füh­len. Er wein­te oh­ne Hem­mun­gen, er stam­mel­te, weil er nicht wuss­te, wie er sei­ne Emo­tio­nen in Wor­te fas­sen soll­te, er wirk­te bei­na­he wie in Tran­ce. Und ei­nes war ihm ganz be­son­ders wich­tig. „Die­se Me­dail­le“, sag­te er un­ter Trä­nen, „ge­hört der Mi­ri“, sei­ner nicht für die Bi­ath­lon-WM no­mi­nier­ten Freun­din Mi­ri­am Göss­ner. „Der geht es zu Hau­se nicht so gut.“

Es war ei­ne Me­dail­le, mit der Neu­reu­ther wohl nicht mehr ge­rech­net hat­te. Im Ziel­raum um­arm­te der über­glück­li­che Fe­lix erst den Ös­ter­rei­cher Ma­nu­el Fel­ler, der Sil­ber ge­won­nen hat­te, und warf sich dann halb auf den noch am Bo­den lie­gen­den neu­en Welt­meis­ter Mar­cel Hir­scher. Der war baff er­staunt, wen er da über sich sah: „Was machst Du denn hier?“, rief er Neu­reu­ther ver­dutzt zu.

Der er­staun­te Aus­ruf von Hir­scher, der sich nach Sil­ber in der Kom­bi­na­ti­on und Gold im Rie­sen­sla­lom zum Kö­nig von St. Mo­ritz krön­te, be­schrieb völ­lig un­zu­rei­chend, was Neu­reu­ther durch den Kopf schoss. Ein ka­put­ter Rü­cken seit dem Team-Wett­be­werb am Di­ens­tag, Rang 16 im Rie­sen­sla­lom, Rang 10 nach dem ers­ten Lauf im Sla­lom – und dann das: „Es ist al­les sehr emo­tio­nal für mich“, stam­mel­te Neu­reu­ther, „das ist echt sehr spe­zi­ell mit den Pro­ble­men, die ich die letz­ten Ta­ge hat­te.“

Wie viel Neu­reu­ther die drit­te Ein­zel­me­dail­le nach Sil­ber 2013 und Bron­ze 2015 be­deu­tet, war nicht zu über­hö­ren und nicht zu über­se­hen. Der 32-Jäh­ri­ge ist erst der zwei­te Renn­läu­fer nach dem Lu­xem­bur­ger Marc Gi­rar­del­li (1989, 91, 93), der bei drei auf­ein­an­der­fol­gen­den Welt­meis­ter­schaf­ten im Sla­lom das Sie­ger­po­dest er­klomm. „Ich den­ke, es sind doch mei­ne letz­ten Welt­meis­ter­schaf­ten, schö­ner kann’s nicht wer­den als hier in St. Mo­ritz“, sag­te Neu­reu­ther. 14 Jah­re zu­vor hat­te er sei­ne ers­te WM be­strit­ten – eben­falls in St. Mo­ritz. Er war da­mals mit Lauf­best­zeit im zwei­ten Durch­gang 15. ge­wor­den im Sla­lom.

All die Jah­re seit­dem, sag­te er, sei­en nun wie ein Film vor sei­nem geis­ti­gen Au­ge ab­ge­lau­fen, als er die­se Bron­ze­me­dail­le hat­te. „Es ist Wahn­sinn“, sag­te er, schwer schlu­ckend, „da kommt al­les hoch, die letz­ten 14 Jah­re, der gan­ze Weg.“Es ist an­zu­neh­men, das Neu­reu­thers Weg noch bis Olym­pia 2018 wei­ter­geht – es dürf­te der Ab­schluss ei­ner ganz be­son­de­ren Kar­rie­re wer­den.

DSV-Al­pin­di­rek­tor Wolf­gang Mai­er lag sich mit Chef­trai­ner Ma­thi­as Bert­hold in den Ar­men und be­ton­te, „au­ßer den zwei Gold­me­dail­len von Mar­kus Was­mei­er“(bei Olym­pia 1994) rei­che bei deut­schen Al­pin-Män­nern nichts an Neu­reu­thers Le­bens­leis­tung her­an. Mai­er moch­te aber auch nicht über die er­nüch­tern­de deut­sche Bi­lanz in St. Mo­ritz hin­weg­ge­hen. „Der Fe­lix hat uns den Arsch ge­ret­tet“, sag­te er. Drei Me­dail­len hat­te sich der DSV er­hofft.

AUF ZUG ZUM TOR: Mit ei­nem schnei­di­gen zwei­ten Lauf si­chert sich Fe­lix Neu­reu­ther noch die Bron­ze­me­dail­le in St. Mo­ritz. Fo­to: dpa

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