Ein Abend vol­ler Le­bens­freu­de und Zu­ver­sicht

Tanz- und Ge­s­angs­wett­be­werb Je­w­ro­vi­si­on wird zur rie­si­gen Par­ty / Gast­ge­ber lan­det auf Platz zwei

Pforzheimer Kurier - - KARLSRUHE - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Ti­na Kampf

Im­mer wie­der schwenkt die Ka­me­ra auf das Pu­bli­kum: Sprech­chö­re sind zu hö­ren, eben­so Ju­bel- und An­feue­rungs­ru­fe. Fah­nen wer­den ge­schwenkt und bun­te Leucht­stä­be in die Hö­he ge­hal­ten. Schon be­vor in der Schwarz­wald­hal­le am Sams­tag­abend der größ­te Tanz- und Ge­s­angs­wett­be­werb Eu­ro­pas für Ju­gend­li­che – die Je­w­ro­vi­si­on – of­fi­zi­ell be­ginnt, fei­ern die rund 2 000 Zu­schau­er ei­ne Par­ty. Zen­tral­rats­prä­si­dent Josef Schus­ter strahlt. „Es gibt kei­ne an­de­re jü­di­sche Ver­an­stal­tung, die so viel gu­te Lau­ne macht.“Er sei viel un­ter­wegs. Und oft ge­he es bei den Zu­sam­men­künf­ten um Be­den­ken. Si­cher, auch die Ju­gend­li­chen wür­den in ih­ren Lie­dern Sor­gen be­schrei­ben. „Aber im­mer strahlt ihr Le­bens­freu­de und Zu­ver­sicht aus. Das brau­chen wir“, ruft Schus­ter den Ju­gend­li­chen zu.

„Ge­gen Hass und Igno­ranz ste­hen wir mit uns­rem Tanz.“„Die Welt ist groß, lass uns ge­hen, lass uns ge­hen und die Kul­tur der an­de­ren Leu­te le­ben se­hen.“Mit sol­chen Bot­schaf­ten ge­hen die Teil­neh­mer ins Ren­nen. Sie sin­gen Deutsch und Eng­lisch, manch­mal auch He­brä­isch. Die Tex­te stam­men von den Ju­gend­li­chen, von de­nen vie­le auf Rap und Hip-Hop set­zen. Aber auch Songs von Sa­rah Con­nor oder Sha­ki­ras „Wa­ka Wa­ka“die­nen als mu­si­ka­li­sche Ba­sis. „Uni­ted Cul­tu­res of Ju­da­ism“– un­ter die­sem Mot­to steht der Abend. Es geht um ver­schie­de­ne Strö­mun­gen im Ju­den­tum. Und um mehr: Um das Mensch­sein un­ab­hän­gig von Re­li­gi­on, Her­kunft und Haut­far­be. Der Zen­tral­rat über­trägt die Ver­an­stal­tung live auf Face­book und YouTube. Aus 60 jü­di­schen Ge­mein­den bun­des­weit sind 1 200 Kin­der und Ju­gend­li­che im Al­ter zwi­schen zehn und 19 Jah­ren nach Karls­ru­he ge­reist. In 18 Grup­pen auf­ge­teilt ste­hen 400 von ih­nen auf der Büh­ne. Gast­ge­ber Karls­ru­he geht nicht al­lei­ne ins Ren­nen. Die Ge­mein­de schloss sich eben­so wie es Pforz­heim, Kon­stanz und Rott­weil ta­ten dem von Mann­heim ge­führ­ten Ver­bund „Or Cha­da­sh („Das neue Licht“) Mann­heim feat. JuJuBa“– die­se Ab­kür­zung steht für „Jü­di­sche Ju­gend Ba­den“– an. Ei­ne Er­folgs­trup­pe: Zu­letzt ge­wann man zwei­mal in Fol­ge, wes­halb der Wett­be­werb nach Mann­heim im Jahr 2016 nun erst­mals in Karls­ru­he statt­fand. „Ja, lasst uns mal was Neu­es er­schaf­fen. Ge­mein­sam kön­nen wir die Welt fried­li­cher ma­chen.“Mit Zei­len wie die­sen kämpft das Team um den Hattrick – und schei­tert nur knapp. Mit 97 Punk­ten lan­det „Or Cha­da­sh“auf Platz zwei. Das zwei­te ba­di­sche Team „Fan­tas­tic4 JuJuBa“, das aus Ju­gend­li­chen der Ge­mein­den Ba­den-Ba­den, Em­men­din­gen, Frei­burg und Hei­del­berg be­steht, schafft es auf Rang sie­ben. 104 Zäh­ler er­zielt das Ham­bur­ger Ju­gend­zen­trum „Cha­sak“(He­brä­isch für „stark“), das da­mit erst­mals die 2002 ins Le­ben ge­ru­fe­ne Je­w­ro­vi­si­on ge­winnt. Auch das Vor­stel­lungs­vi­deo der Han­se­städ­ter siegt: Mit viel Witz fra­gen in die­sem Bei­trag die Ju­gend­li­chen, wo es denn noch Ju­den gibt. „Wo liegt die­se Dia­spo­ra? Ich war be­stimmt noch nicht da“, heißt es in dem Film, in dem Bo­rat aus dem gleich­na­mi­gen Sa­ti­re­film eben­so auf­taucht wie Zen­tral­rats­prä­si­dent Schus­ter.

In der Ju­ry sit­zen un­ter an­de­rem der Rap­per Ben Sa­lo­mo, die Sän­ger Cos­mo Klein und Gil Ofa­rim, Schau­spie­le­rin Re­bec­ca Sie­mo­n­eit-Bar­um und Mo­de­ra­to­rin Andrea Kie­wel. Auch Ja­mie-Lee Krie­witz ist da­bei. Sie ver­trat Deutsch­land im ver­gan­ge­nen Jahr beim Eu­ro­vi­si­on Song Con­test. Der un­ter­schei­de sich durch­aus von der Je­w­ro­vi­si­on, sagt die 18-Jäh­ri­ge: „Hier ver­bin­det die Teil­neh­mer nicht nur die Mu­sik, son­dern auch der Glau­be. Au­ßer­dem feu­ern al­le al­le an.“

In der Tat fei­ern am En­de al­le die Sie­ger, den Abend, die Je­w­ro­vi­si­on. Im­mer wie­der wird ge­tanzt. Selbst als we­ni­ge Mi­nu­ten vor Mit­ter­nacht kurz­zei­tig das Misch­pult aus­fällt, stört das nie­mand. Im Ge­gen­teil: Der un­ter an­de­rem als Blog­ger be­kannt ge­wor­de­ne Mo­de­ra­tor Shai Hoff­man lässt Mu­sik lau­fen – und al­le fei­ern, ha­ben Spaß. „Ein wun­der­ba­rer Abend“, sagt am En­de der Vor­sit­zen­de der Karls­ru­her Ge­mein­de, Petr Ku­persh­midt. Ober­bür­ger­meis­ter Frank Men­trup sieht sich gar an eins­ti­ge Bam­bi-Ver­lei­hun­gen er­in­nert: „Ei­nen sol­chen Abend hat die Schwarz­wald­hal­le seit vie­len Jahr­zehn­ten nicht mehr ge­se­hen“, so der Ver­wal­tungs­chef.

„Gran­di­os“, ur­teilt der Vor­sit­zen­de der Is­rae­li­ti­schen Re­li­gi­ons­ge­mein­schaft Ba­den, Ra­mi Suli­man, den das ge­sam­te Wo­che­n­en­de be­ein­druckt. Im­mer­hin fei­er­ten be­reits am Frei­tag die Teil­neh­mer ge­mein­sam Shab­bat in Karls­ru­he. „Wenn man sonst frei­tags oder sams­tags in die Sy­nago­ge geht, trifft man dort 60-, 70- und 80-Jäh­ri­ge. Was al­so ist in 15, 20 Jah­ren? Als ich sah, wie hier 1 200 Ju­gend­li­che ge­mein­sam san­gen und be­te­ten, da be­kam ich wirk­lich Gän­se­haut. Wir ha­ben ei­ne Zu­kunft.“

1 200 Ju­gend­li­che fei­er­ten zu­sam­men Shab­bat

Fo­tos: jo­do

AUS­GE­LAS­SEN GE­FEI­ERT wur­de in der Nacht zum Sonn­tag bei der Je­w­ro­vi­si­on in der Schwarz­wald­hal­le. Erst­mals fand der größ­te Tanz- und Ge­s­angs­wett­be­werb Eu­ro­pas für jü­di­sche Ju­gend­li­che in Karls­ru­he statt.

SO SE­HEN SIE­GER AUS: Das Ju­gend­zen­trum der jü­di­schen Ge­mein­de Ham­burg lan­de­te bei der Je­w­ro­vi­si­on auf Platz eins.

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