Er­fin­dung des Streich­hol­zes birgt Zünd­stoff

Thea­ter Daus­eck er­zählt im Kul­tur­haus Os­ter­feld aus dem Le­ben Ja­kob Fried­rich Kam­me­rers

Pforzheimer Kurier - - KULTUR IN PFORZHEIM - Ha­rald Bott

Die Ge­schich­te ist ei­gent­lich lan­ge ver­ges­sen: Die Er­fin­dung des Streich­hol­zes. Doch über mehr als ein Jahr­hun­dert hin­weg durf­te das klei­ne, leicht ent­flamm­ba­re Hölz­chen, in kei­nem Haus­halt feh­len. Jetzt hat sich das Thea­ter Daus­eck aus Ober­ri­ex­in­gen an der Enz, ba­sie­rend auf ei­nem Buch von Bar­ba­ra Schüß­ler aus Lud­wigs­burg, des Stof­fes an­ge­nom­men. Das Stück mit dem Ti­tel „Zünd­stoff“, das am Frei­tag­abend, prä­sen­tiert vom Pforz­hei­mer Ku­ri­er im Os­ter­feld-Stu­dio auf­ge­führt wur­de, er­zählt die Ge­schich­te von Ja­kob Fried­rich Kam­me­rer, ge­bo­ren am 24. Mai 1796 in Eh­nin­gen.

Kam­me­rer war ge­lern­ter Sieb­ma­cher und Hut­ma­cher, be­tä­tig­te sich aber auch als Er­fin­der und Kon­struk­teur. 1832 er­fand er das Phos­phor­rei­be-Streich­holz. Kam­me­rer war aber auch po­li­tisch ak­tiv, kämpf­te für die Frei­heits­rech­te der Bür­ger und ge­gen die Mon­ar­chie, was ihm ei­ne Fe­s­tungs­haft auf dem Ho­hen­as­perg bei Lud­wigs­burg ein­brach­te. Ei­ner wei­te­ren Ver­haf­tung ent­zog sich Kam­me­rer durch Flucht in die Schweiz. 1847 kehr­te er nach Lud­wigs­burg zu­rück. Ei­ne Rol­le in der Re­vo­lu­ti­on von 1848 spielt er, zu­min­dest wäh­rend des Büh­nen­stücks, nicht. Kam­me­rer litt zu­neh­mend an ei­ner Ner­ven­krank­heit und starb am 23. Ok­to­ber 1857 in Lud­wigs­burg.

Die drei Ak­teu­re vom Thea­ter Daus­eck brach­ten un­ter der Re­gie von Wal­ter Menz­law die ein­zel­nen Sta­tio­nen des Er­fin­ders leb­haft, mit­un­ter laut­stark und dra­ma­tur­gisch zu­ge­spitzt auf die Büh­ne. Auch den Punkt, wie schwie­rig es war, in ei­ner Zeit vor dem Zünd­holz Feu­er zu ent­fa­chen. Die Ku­lis­se: ei­ne Steck­scha­le mit über­gro­ßen Streich­höl­zern, ein paar Kis­ten, ein Tisch und ei­ne Wand aus Sieb­ma­te­ri­al und Pa­pier. Kam­me­rer selbst wur­de ge­spielt vom Ama­teur­schau­spie­ler Bernd Schle­gel aus Lud­wigs­burg, des­sen Leit­spruch es ist: „Wer nur ar­bei­tet, ver­blö­det. Wer nur Kunst macht, ver­blö­det auch.“Lau­ra Kai­ser aus Lan­dau spiel­te die bei­den Frau­en von Kam­me­rer. Die ge­lern­te Schau­spie­le­rin be­en­de­te im Mai 2015 ih­re Schau­spiel­aus­bil­dung an der Thea­ter­aka­de­mie Mann­heim und ar­bei­tet seit­her als frei­be­ruf­li­che Schau­spie­le­rin. Die drit­te im Bun­de ist Bar­ba­ra Sche­y­da aus Freu­den­tal, die seit 2009 beim Thea­ter Daus­eck ist. Sie schlüpf­te im­mer wie­der mit ih­rer va­ri­an­ten­rei­chen Ges­tik in ver­schie­de­ne Rol­len, sei es die ei­nes Schank­wirts oder ei­nes miss­güns­ti­gen Nach­barn der Kam­me­rers. Das Thea­ter un­ter der Daus­eck (einst ei­ne Burg) wie es mit vol­lem Na­men heißt, ent­stand 1992 und über­zeug- te im­mer wie­der mit ge­konn­ten Ins­ze­nie­run­gen. Für sei­ne Ar­beit wur­de es mehr­fach aus­ge­zeich­net, un­ter an­de­rem 2015 mit dem Lan­desa­ma­teur­thea­ter­preis Ba­den-Würt­tem­berg. Vi­el­leicht ist es auch der en­ga­gier­ten Ar­beit des Thea­ters zu ver­dan­ken, dass künf­tig in der Ge­mein­de Eh­nin­gen ei­ne Aus­stel­lung an den Er­fin­der und po­li­ti­schen Ak­ti­vis­ten Ja­kob Fried­rich Kam­me­rer er­in­nern soll.

Fo­to: Wa­cker

DIE DREI AK­TEU­RE des Thea­ter Daus­eck brach­ten die Ge­schich­te des Zünd­holz-Er­fin­ders Ja­kob Fried­rich Kam­me­rer dra­ma­tur­gisch zu­ge­spitzt – und bis­wei­len laut­stark auf die Büh­ne.

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