Mo­bi­li­täts-Scouts im Ein­satz

Roll­stuhl­fah­rer tes­ten Pforz­heims Bus­bahn­hö­fe mit durch­wach­se­nem Er­geb­nis

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Jür­gen Pe­che

„Ka­ta­stro­phal“lau­tet das Ur­teil von Ma­ik Noth­na­gel zum Pforz­hei­mer Fern­bus­bahn­hof und des­sen Bar­rie­re­frei­heit. Er bie­te nichts, was be­hin­der­ten Men­schen den Zu­gang und die Nut­zung zu dem ge­ra­de für die­se Per­so­nen­grup­pe wich­ti­gen Trans­port­mit­tel, so der Spre­cher des „Bun­des­ver­band Selbst­hil­fe Kör­per­be­hin­der­ter“(BSK). Kein Bord, der ei­nen ni­ve­auglei­chen Zu­gang vom Bus­steig in die Bus­se er­mög­lich­ten, kei­ne Ab­sen­kung der Bord­stei­ne auf dem Weg, we­der vi­su­el­le noch akus­ti­sche Hin­wei­se auf Ab­fahrts­zei­ten.

Im Ver­gleich da­zu schnitt bei der BSKFüh­rung für zehn künf­ti­ge „Mo­bi­li­tätsS­couts“der neue ZOB bes­ser ab, wenn auch nicht man­gel­frei: So feh­len oben Hin­weis­schil­der auf die Be­hin­der­ten­toi­let­te in der Un­ter­füh­rung. Noch ist die­se hilf­reich: Van­da­len ha­ben sie un­brauch­bar ge­macht.

Seit dem 1. Ja­nu­ar 2016 müs­sen al­le neu an­ge­schaff­ten Fern­li­ni­en­bus­se mit zwei Roll­stuhl­stell­plät­zen aus­ge­stat­tet sein. Ab dem 1. Ja­nu­ar 2020 gilt dies für al­le Fern­li­ni­en­bus­se. Zur Über­prü­fung der Bar­rie­re­frei­heit hat der BSK in­zwi­schen rund 45 Mo­bi­li­täts-Scouts im Ein­satz, wel­che die Fern­li­ni­en­bus-An­bie­ter und -Stre­cken tes­ten. Bei ei­nem Work­shop in Pforz­heim wur­den zehn sol­cher Scouts ge­schult. Die Teil­neh­mer stamm­ten aus Heil­bronn, Stutt­gart und Pforz­heim. Bei der Be­sich­ti­gung der Bus­bahn­hö­fe konn­ten sie üben, die Test­be­rich­te aus­zu­fül­len, die als Check­lis­te auf die Home­page des BSK ein­ge­stellt wer­den. Was bar­rie­re­frei be­deu­tet und wel­che recht­li­chen Fra­gen im Be­reich des Be­hin­der­ten­ge­set­zes oder des Per­so­nen­be­för­de­rungs­ge­set­zes da­bei ei­ne Rol­le spiel­ten, stand bei ei­nem Tref­fen noch auf dem Pro­gramm.

Es war ein bun­ter Hau­fen, der sich durch den Ver­kehrs­dschun­gel am Bahn­hofs schlug, Roll­stuhl­fah­rer, teils mit Hund und in Be­glei­tung ei­ner Dol­met­sche­rin für Ge­bär­den­spra­che. Beim Über­gang vom Bahn­hof zum ZOB wur­de gleich die man­geln­de Bord­stein­ab­sen­kung kri­ti­siert – ein Pla­nungs­feh­ler. Ge­lobt wur­de von Noth­na­gel das En­ga­ge­ment der Stadt bei dem Tref­fen, das die In­klu­si­ons­be­auf­trag­te Bir­git Küh­ner-Hor­nyai mit vor­be­rei­te­te. Bür­ger­meis­te­rin Mo­ni­ka Mül­ler setz­te po­li­ti­sche Duft­mar­ken mit dem Hin­weis, dass sie an­stre­be, die In­klu­si­ons­be­auf­trag­te ab 2019 haupt­amt­lich zu eta­blie­ren.

Fo­to: Pe­che

Roll­stuhl­fah­rer, teils mit Blin­den­hund und in Be­glei­tung ei­ner Dol­met­sche­rin für Ge­bär­den­spra­che schlu­gen sich durch den Ver­kehrs­dschun­gel am Bahn­hofs­vor­platz.

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