Schmidts Rück­zie­her

Pforzheimer Kurier - - POLITIK -

WOLFGANG VOIGT

Wie ge­won­nen, so zer­ron­nen: Ha­rald Schmidt stiehlt sich un­er­war­tet vom Schwarz­wald-Tat­ort, noch ehe die Dreh­ar­bei­ten be­gon­nen ha­ben. Der Rück­zie­her ist eben­so über­ra­schend wie er­klä­rungs­be­dürf­tig. Doch über die Hin­ter­grün­de ist beim SWR nichts zu er­fah­ren, und auch Schmidts Agen­tin hüllt sich in be­red­tes Schwei­gen: „Rein per­sön­li­che Grün­de“hät­ten den 59-Jäh­ri­gen be­wo­gen, die Darstel­lung des Kri­mi­nal­ober­rats Ger­not Schöl­ham­mer ab­zu­bla­sen.

Al­lent­hal­ben ist Rat­lo­sig­keit zu spü­ren. Hat man es da mit der Un­be­re­chen­bar­keit ei­ner Show­biz-Di­va zu tun, ei­nes „Pri­va­tiers mit ab­ge­schlos­se­ner Ver­mö­gens­bil­dung“, wie Schmidt sich einst selbst be­schrieb? Wie sind die Ver­trä­ge zwi­schen ihm und dem SWR ge­strickt, wenn sie nicht ver­hin­dern kön­nen, dass das Zug­pferd aus dem Ge­schirr springt? Oder ist das kra­chen­de En­de des Tat­or­tCoups Teil der Schmidt­schen Ei­gen­ver­mark­tung. Im­mer­hin hat der ge­bür­ti­ge Nür­tin­ger schon im­mer Er­war­tun­gen be­frie­digt,

in­dem er sie gleich­zei­tig un­ter­lau­fen hat. Er hat das Kunst­stück fer­tig­ge­bracht, auch dann noch Dar­ling der Feuille­tons zu blei­ben, wenn er Gast­auf­trit­te in den Flach­ge­wäs­sern des ZDFT­raum­schiffs ze­le­brier­te.

Was bleibt? Reich­lich Ar­beit für die Tat­ort-Re­dak­ti­on, die Dreh­bü­cher um­mo­deln und vie­les neu or­ga­ni­sie­ren muss. Bei der Tat­ort-Ge­mein­de bleibt Ent­täu­schung über mut­maß­lich ent­gan­ge­nes Fei­xen und face­book-taug­li­che Schen­kel­klop­fer. Und bei den Wer­be­stra­te­gen des Lan­des bleibt Freud­lo­sig­keit we­gen des in die Bin­sen ge­gan­ge­nen Süd­west­Mar­ke­tings durch die Fern­seh­le­gen­de.

Al­len möch­te man zu­ru­fen, dass es Schlim­me­res gibt als der Sin­nes­wan­del ei­nes Ha­rald Schmidt. Wenn sein Rück­zie­her An­lass ist, über die hei­li­ge Kuh „Tat­ort“nach­zu­den­ken und die Sinn­haf­tig­keit in­fla­tio­nä­rer Ver­pflich­tun­gen von Grö­ßen wie Til Schwei­ger und Ha­rald Schmidt zu hin­ter­fra­gen, kann sich der Scha­den in Gren­zen hal­ten.

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