War­schau bleibt stur

Streit mit EU-Kom­mis­si­on geht wei­ter / Greift Brüs­sel jetzt hart durch?

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Na­ta­lie Skrzyp­cz­ak

War­schau. Po­len lenkt im Streit mit der EU-Kom­mis­si­on über die Un­ab­hän­gig­keit sei­nes Ver­fas­sungs­ge­richts nicht ein. Es ge­be kei­ne Grund­la­ge für die Be­haup­tung, in Po­len sei die Rechts­staat­lich­keit be­droht, teil­te das Au­ßen­mi­nis­te­ri­um ges­tern in War­schau mit. Aus pol­ni­scher Sicht sei das Pro­blem mit der Wahl der neu­en Ge­richts­vor­sit­zen­den so­wie Nach­bes­se­run­gen der Jus­tiz­re­form im De­zem­ber ge­löst wor­den. Die de­mo­kra­ti­sche Ord­nung auf­recht­zu­er­hal­ten sei War­schaus obers­tes Ziel, wehr­te sich die na­tio­nal­kon­ser­va­ti­ve Re­gie­rung ge­gen Vor­wür­fe Brüs­sels.

Die EU-Kom­mis­si­on woll­te die Äu­ße­run­gen aus War­schau auf An­fra­ge zu­nächst nicht kom­men­tie­ren. Sie hat­te vor gut ei­nem Jahr ein Prüf­ver­fah­ren ge­gen Po­len ein­ge­lei­tet, weil sie die Rechts­staat­lich­keit in dem Mit­glieds­land in Ge­fahr sieht. Re­for­men der Re­gie­rungs­par­tei PiS hät­ten das Ver­fas­sungs­ge­richt als Kon­troll­or­gan ein­ge­schränkt, ar­gu­men­tier­te die Brüs­se­ler Be­hör­de und for­der­te Kor­rek­tu­ren. Sie setz­te im De­zem­ber er­neut ei­ne Frist, die heu­te ab­läuft. Ein ers­tes Ul­ti­ma­tum war im Ok­to­ber er­folg­los ver­stri­chen. Da­mals wies War­schau For­de­run­gen Brüs­sels als „un­ge­recht­fer­tigt“zu­rück.

Auch jetzt sah sich Po­len ins­be­son­de­re durch Kri­tik von Kom­mis­si­ons­vi­ze­prä­si­dent Frans Tim­mer­m­ans, der Sor­ge um Po­lens De­mo­kra­tie ge­äu­ßert hat­te, zu un­recht at­ta­ckiert. Mit sei­nen po­li­tisch mo­ti­vier­ten Äu­ße­run­gen ha­be er Po­len an­ge­pran­gert, warf das Au­ßen­mi­nis­te­ri­um ihm vor. Dies sei ein ein­deu­ti­ger Ver­stoß ge­gen Prin­zi­pi­en von Ob­jek­ti­vi­tät, Sub­si­dia­ri­tät und Re­spekt vor der Sou­ve­rä­ni­tät.

Um den Kon­flikt zu ent­schär­fen, hat­te die Par­tei Recht und Ge­rech­tig­keit PiS das um­strit­te­ne Ge­setz zwar mehr­fach nach­ge­bes­sert, war bei ent­schei­den­den For­de­run­gen Brüs­sels aber un­ein­sich­tig ge­blie­ben. So wol­len die Na­tio­nal­kon­ser­va­ti­ven nicht von der nach­träg­li­chen Wahl drei­er Ver­fas­sungs­rich­ter ab­rü­cken, mit de­nen sie Kan­di­da­ten der Vor­gän­ger­re­gie­rung er­setz­ten. In ei­nem Ur­teil in ei­ge­ner Sa­che hat­te das Tri­bu­nal die Wahl der Ju­ris­ten für ver­fas­sungs­wid­rig er­klärt. Die PiS will die­se Ent­schei­dung aber nicht an­er­ken­nen – ein wei­te­rer Kri­tik­punkt Brüs­sels. Da die PiS sich wei­ter un­ein­sich­tig zeigt, könn­te Brüs­sel nun die An­wen­dung von Ar­ti­kel 7 der EU-Ver­trä­ge vor­schla­gen. Die­ser sieht vor, dass bei ei­ner „schwer­wie­gen­den und an­hal­ten­den Ver­let­zung“der im EU-Ver­trag ver­an­ker­ten Wer­te ei­nem Mit­glieds­land in letz­ter Kon­se­quenz auch die Stimm­rech­te ent­zo­gen wer­den kön­nen.

DAS POLNISCHE VER­FAS­SUNGS­GE­RICHT steht im Zen­trum des Streits zwi­schen War­schau und der EU. Fo­to: dpa

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