Viel mehr als nur ein Kos­ten­ma­na­ger

In­ge­nieu­re der FC-Grup­pe sind gut im Ge­schäft

Pforzheimer Kurier - - WIRTSCHAFT - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Dirk Neu­bau­er M. Hoff­mann Ul­rich Kraus

Ett­lin­gen. „Die Kos­ten­ex­plo­sio­nen beim Flug­ha­fen Ber­lin-Bran­den­burg oder bei der Elb­phil­har­mo­nie wä­ren ver­meid­bar ge­we­sen“, meint Micha­el Hoff­mann (45). Wer den In­ge­nieur und Chef der Ett­lin­ger FC-Grup­pe nur ein biss­chen kennt, der weiß: Das sagt ei­ner, der mit sei­nem Un­ter­neh­men in der Öf­fent­lich­keit eher zu­rück­hal­tend auf­tritt – und dem es um die Sa­che geht. Und die heißt: (Bau-)Groß­pro­jek­te so zu pla­nen, zu steu­ern und da­bei zu be­ra­ten, dass es für den Steu­er­zah­len oder Kun­den aus der frei­en Wirt­schaft nicht zu ei­ner bö­sen Über­ra­schung kommt.

1999 als ZweiMann-Fir­ma mit sei­nem Kol­le­gen Ul­rich Kraus (47) als fa­ci­li­ty­con­tol Gm­bH ge- star­tet, ist die FCG­rup­pe längst bun­des­weit zu ei­ner Bran­chen­grö­ße ge­wor­den: Mitt­ler­wei­le gibt es von Ham­burg bis Frei­burg 13 Nie­der­las­sun­gen. Auch durch Zu­käu­fe ging der Ho­no­rar­um­satz (brut­to) der FC-Mann­schaft mit ih­ren 234 Mit­ar­bei­tern deut­lich nach oben: von 24,8 Mil­lio­nen Eu­ro in 2015 auf 28,1 Mil­lio­nen Eu­ro im ver­gan­ge­nen Jahr. Zum Ge­winn deu­tet Kraus nur an, dass es die bran­chen­üb­li­che Mar­ge sei. Die liegt nach BNN-In­fos zwi­schen fünf und zwölf Pro­zent.

In all den Jah­ren ha­ben sich die In­ge­nieu­re ei­nen Na­men ge­macht. Die Kun­den­lis­te ist lang: Das KIT, Städ­ti­sches Kli­ni­kum Karls­ru­he, Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Staats­thea­ter und dmdro­ge­rie markt mit frü­he­ren be­zie­hungs­wei­se an­ste­hen­den Pro­jek­ten in der Re­gi­on. Bun­des­weit zäh­len Por­sche, Bosch, Daim­ler, Hei­del­ber­ger Druck oder Fraun­ho­fer-In­sti­tu­te da­zu. Und dann wä­ren da noch Be­hör­den und In­sti­tu­tio­nen für die FC ar­bei­tet, de­ren Si­cher­heits-Re­gle­ment je­de Nen­nung in ei­nem Zei­tungs­be­richt ver­bie­tet.

Jetzt strebt die FC-Grup­pe ei­ne Nie­der­las­sung in Mün­chen und in der Schweiz an, sa­gen Hoff­mann und Kraus. Stra­te­gi­sches Ziel sei es au­ßer­dem, an je­der Nie­der­las­sung das kom­plet­te Port­fo­lio an­zu­bie­ten. Die FC-Grup­pe plant Tech­nik, In­fra­struk­tur und Ge­bäu­de. Sie steu­ert Pro­jek­te und Bau­maß­nah­men und be­rät Un­ter­neh­men so­wie die öf­fent­li­che Hand.

Trotz der Er­folgs­ge­schich­te und der Am­bi­tio­nen steht für Kraus fest: „Wir wol­len mit un­se­ren Kun­den wach­sen. Wir lau­fen Ma­ra­thon und kei­nen Sprint.“Lang­jäh­ri­ge Ge­schäfts­be­zie­hun­gen sei­en enorm wich­tig in die­ser Bran­che, in der es bei Bau­pro­jek­ten so oft zu Kos­ten­ex­plo­sio­nen und Ver­zö­ge­run­gen bei der Fer­tig­stel­lung kommt. Hoff­mann und Kraus sa­gen, bei Groß­pro­jek­ten sei die ty­pi­sche Tren­nung nach Ge­wer­ken nicht sinn­voll. „Sie wird dort auch mehr und mehr auf­bre­chen“, ist Hoff­mann über­zeugt. Bö­se Über­ra­schun­gen auf dem Bau lie­ßen sich auch ver­mei­den, wenn Fach­leu­te wie die der FC-Grup­pe das kom­plet­te Pro­jekt be­glei­ten: Das fängt bei der Be­ra­tung der Ent­schei­der – al­so Po­li­ti­ker oder Fir­men­chefs – an und en­det bei der Ein­wei­sung des Per­so­nals, wenn zum Bei­spiel das Ge­bäu­de fer­tig ist.

Noch ein Aspekt kommt für die FCChefs da­zu: die per­ma­nen­te Prä­senz auf den Bau­stel­len. „Es macht sich in ei­nem Pro­jekt be­merk­bar, wenn die Leu­te vor Ort sind“, sagt Hoff­mann. „Bei Por­sche sind bei­spiels­wei­se im­mer min­des­tens 25 Leu­te von uns.“Pri­va­te Häus­le­bau­er ken­nen das: Wenn sie re­gel­mä­ßig auf ih­rer Bau­stel­le nach dem Rech­ten schau­en, kann ih­nen das nur nüt­zen.

Hoff­mann sagt, FC be­schrän­ke sich auf sehr kom­ple­xe Auf­ga­ben. Von der Kun­den­struk­tur ist das Un­ter­neh­men nach sei­nen Wor­ten breit auf­ge­stellt: Rund 40 Pro­zent des Um­sat­zes wird mit der Ge­sund­heits­bran­che er­wirt­schaf­tet, 20 Pro­zent kom­men aus dem Phar­ma­be­reich und 30 Pro­zent aus der Au­to­mo­bil­in­dus­trie.

Ein Aus­blick: Im­mer span­nen­der wer­de das The­ma „Kran­ken­haus 4.0“. Fah­rer­lo­se Trans­port­sys­te­me brin­gen Wä­sche und Es­sen an ih­ren Ein­satz­ort, ent­las­ten die Pfle­ge­kräf­te, die so mehr Zeit für die Pa­ti­en­ten ha­ben. Der Arzt kann bei der Vi­si­te auf dem Ta­blet das Rönt­gen­bild an­schau­en, nennt Hoff­mann nur zwei Bei­spie­le. Es ge­he um mehr Zeit für den Pa­ti­en­ten, um Qua­li­täts­si­che­rung und Wirt­schaft­lich­keit. Un­ge­wöhn­lich für ei­ne In­ge­nieurs­ge­sell­schaft ist: Bei FC sind al­le Mit­ar­bei­ter – von der Rei­ni­gungs­kraft bis zum Chef – mit­ein­an­der per Du. Bunt wie bei ei­nem IT-Start-up ist die Mö­blie­rung. Et­li­che Ma­na­ger sind als Part­ner auch an FC-Toch­ter­fir­men fi­nan­zi­ell be­tei­ligt.

Der­zeit plant das FC-Team üb­ri­gens auch in ei­ge­ner Sa­che: In Karls­ru­heHags­feld – al­so in Au­to­bahn­nä­he – wur­de ein Bau­platz für die neue 13 Mil­lio­nen Eu­ro teu­re Fir­men­zen­tra­le ge­kauft. Auch dort wol­len die FC’ler be­wei­sen, dass sie im Kos­ten- und Zeit­rah­men bau­en kön­nen – und ein Hin­gu­cker darf die Zen­tra­le, bei al­ler bis­lang ge­pfleg­ten öf­fent­li­chen Zu­rück­hal­tung, auch wer­den.

NEUE HEI­MAT FÜR DEN MARKTFÜHRER: Die Si­mu­la­ti­on zeigt die künf­ti­ge Zen­tra­le von dm-dro­ge­rie markt. Die In­ge­nieu­re der Ett­lin­ger FC-Grup­pe sind als Pro­jekt­steue­rer für das kom­plet­te Bau­vor­ha­ben an Bord. Fo­tos (2): Fa­b­ry, Si­mu­la­ti­on: pr

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