Fast ein Drit­tel hat Mi­gra­ti­ons­ge­schich­te

Das Land wer­tet Zu­wan­de­rung und Bil­dung aus / Schutz- und Asyl­su­chen­de tra­gen Ar­muts­ri­si­ko

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Wolfgang Voigt

Stutt­gart. 2015 leb­ten in Ba­den-Würt­tem­berg rund drei Mil­lio­nen Men­schen mit Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund. Das ent­sprach 28 Pro­zent der Ge­samt­be­völ­ke­rung des Lan­des. 1,4 Mil­lio­nen von ih­nen hat­ten ei­ne aus­län­di­sche, 1,6 Mil­lio­nen die deut­sche Staats­an­ge­hö­rig­keit. Nur elf Pro­zent der Men­schen mit aus­län­di­schen Wur­zeln sind 65 Jah­re und äl­ter, da­ge­gen ist mehr als ein Drit­tel (34 Pro­zent) un­ter 25 Jah­re alt. Be­son­ders groß ist der An­teil von Mi­gran­ten­kin­dern im Süd­wes­ten: An der Kin­der­ta­ges­ein­rich­tun­gen liegt er bei durch­schnitt­lich 37 Pro­zent; mit Wer­ten von 62 und 61 Pro­zent ist ihr An­teil in Heil­bronn und Pforz­heim be­son­ders hoch. All das geht aus dem The­men­band „Mi­gra­ti­on und Bil­dung in Ba­den-Würt­tem­berg 2017“her­vor, den das Lan­des­in­sti­tut für Schul­ent­wick­lung und das Sta­tis­ti­sche Lan­des­amt vor­ge­stellt ha­ben.

Dem­zu­fol­ge ist Ba­den-Würt­tem­berg ne­ben Hes­sen das Flä­chen­land mit dem höchs­ten Be­völ­ke­rungs­an­teil mit Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund. Doch die Be­völ­ke­rung mit Ein­wan­de­rungs­ge­schich­te ist na­tur­ge­mäß kei­ne ein­heit­li­che Grup­pe. Die Ex­per­ten un­ter­schei­den fünf Wan­de­rungs­be­we­gun­gen. Die ers­te er­folg­te zwi­schen 1955 und 1973, als der Wirt­schafts­auf­schwung die An­wer­bung von Ar­beits­kräf­ten meist in Ita­li­en, Spa­ni­en, der Tür­kei und Grie­chen­land er­for­der­lich mach­te. Nach 1989 bis En­de der 1990er-Jah­re ver­zeich­net die Sta­tis­tik die Zu­wan­de­rung von Spät­aus­sied­lern, wäh­rend eben­falls in den 1990er-Jah­ren die Wan­de­rungs­be­we­gung von Schutz­su­chen­den in­fol­ge der Bür­ger­krie­ge im frü­he­ren Ju­go­sla­wi­en ein­setz­te. Die ab 2005 be­gin­nen­de EUBin­nen­wan­de­rung spielt in der Zu­wan­de­rungs­ge­schich­te nach Ba­den-Würt­tem­berg ei­ne eher un­ter­ge­ord­ne­te Rol­le. Die­se Per­so­nen­grup­pe hat oft ein über­durch­schnitt­li­ches Bil­dungs­ni­veau und ent­zieht sich da­mit in der Re­gel dem Ar­muts­ri­si­ko, das die üb­ri­gen Mi­gran­ten­grup­pen tra­gen. Die­ses Ri­si­ko trägt auch die fünf­te Grup­pe in der Mi­gra­ti­ons­ge­schich­te des Lan­des, die der Schutz- und Asyl­su­chen­den, die seit Mit­te des ak­tu­el­len Jahr­zehnts aus Län­dern wie Sy­ri­en, Irak und Af­gha­nis­tan nach Ba­den-Würt­tem­berg ge­kom­men sind: 18 Pro­zent der Kin­der, bei de­nen bei­de El­tern zu­ge­wan­dert sind, le­ben im Süd­wes­ten sta­tis­tisch in Ar­mut. Bei Kin­dern mit ein­sei­ti­gem Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund sind es acht, bei Kin­dern oh­ne Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund fünf Pro­zent.

Vor al­lem beim Über­gang von der Grund- auf ei­ne wei­ter­füh­ren­de Schu­le un­ter­schei­det sich das Wahl­ver­hal­ten zwi­schen Kin­dern mit deut­schen und aus­län­di­schen Wur­zeln deut­lich. Auf ei­ne Haupt- oder Werk­re­al­schu­le wech­sel­ten 2015/16 elf Pro­zent der Mi­gran­ten­kin­der, wäh­rend es bei den Kin­dern oh­ne Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund nur sechs Pro­zent wa­ren.

Die Über­gangs­quo­te auf das Gym­na­si­um lag bei Mi­gran­ten­kin­dern bei 34 Pro­zent, wäh­rend 46 Pro­zent der Kin­der mit deut­schen El­tern und Groß­el­tern dort­hin wech­sel­ten.

Gro­ßer An­teil an Kin­dern mit aus­län­di­schen Wur­zeln

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