Thea­ter er­in­nert an Ju­li­us Fi­scher

„Jul­ler“ba­siert auf Le­ben des in Au­schwitz er­mor­de­ten Karls­ru­her Fuß­bal­lers

Pforzheimer Kurier - - KULTUR -

Zwei­ma­li­ger deut­scher Fuß­ball-Meis­ter, sie­ben­mal in der deut­schen Na­tio­nal­mann­schaft ein­ge­setzt, in Au­schwitz von den Na­zis er­mor­det: Die Le­bens­ge­schich­te des Karls­ru­her Fuß­bal­lers Ju­li­us „Jul­ler“Hirsch bil­det das Grund­ge­rüst für das Stück „Jul­ler“von Jörg Men­ke-Peitz­mey­er, das im April im Thea­ter der jun­gen Welt in Leip­zig Pre­mie­re hat.

Das Schick­sal Hirschs steht stell­ver­tre­tend für die Aus­gren­zung und Dis­kri­mi­nie­rung jü­di­scher Fuß­ball­spie­ler und an­de­rer Sport­ler im Deutsch­land der NS-Zeit. Zugleich zei­gen ak­tu­el­le Be­zü­ge, dass An­ti­se­mi­tis­mus, Aus­gren­zung und Ge­walt auch heu­te noch in deut­schen Fuß­ball­sta­di­en an­zu­tref­fen sind. „Jul­ler“soll von Ok­to­ber an auf Tour­nee ge­hen, der Auf­takt ist in Dort­mund vor­ge­se­hen.

Ge­för­dert wird das Pro­jekt von der Kul­tur­stif­tung des Deut­schen Fuß­ball-Bun­des. „Wir sind froh, dass mit dem Thea­ter­stück nun noch mehr, vor al­lem jun­ge Men­schen, die Chan­ce ha­ben, über die Bio­gra­fie von Ju­li­us Hirsch aus der Ge­schich­te zu ler­nen“, so Stif­tungs­ge­schäfts­füh­rer Ol­li­ver Tietz. Andre­as Hirsch, En­kel des Fuß­bal­lers, be­glei­tet die Pro­duk­ti­on den An­ga­ben zu­fol­ge mit Sym­pa­thie. „Bei al­ler Iro­nie wird nichts be­schö­nigt und die kla­re Hal­tung ist stets spür­bar, um in der Ge­gen­wart ein­deu­tig Stel­lung ge­gen Ras­sis­mus zu be­zie­hen“, wur­de er in ei­ner Mit­tei­lung des Thea­ters zi­tiert.

In ei­nem Gruß­wort schrieb der Vor­sit­zen­de des Zen­tral­ra­tes der Ju­den, Jo­sef Schus­ter, das Stück för­de­re das Ein­füh­lungs­ver­mö­gen in die Per­son von Ju­li­us Hirsch. „Und ge­nau die­se Em­pa­thie bringt uns da­zu, auch heu­te ge­nau hin­zu­schau­en und Dis­kri­mi­nie­rung nicht ein­fach still­schwei­gend hin­zu­neh­men oder gar mit­zu­ma­chen, son­dern da­ge­gen auf­zu­ste­hen und sich ein­zu­set­zen für je­ne, die un­se­re Hil­fe brau­chen.“Hirsch wur­de 1892 ge­bo­ren und ver­mut­lich 1943 in Au­schwitz er­mor­det. Mit dem Karls­ru­her Fuß­ball­ver­ein wur­de er 1910 und mit der Spiel­ver­ei­ni­gung Fürth 1914 deut­scher Meis­ter. dpa

ERS­TE PRÄSENTATION: In­den­dant Jür­gen Zie­lin­ski und Au­tor Jörg Men­ke-Peitz­mey­er am Thea­ter der jun­gen Welt. Fo­to: dpa

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