Ener­gie­ge­la­den und ein­fühl­sam

Rus­si­scher Tan­go: Das Jou­rist-Quar­tett gab mit Gäs­ten ein Bruch­sa­ler Schloss­kon­zert

Pforzheimer Kurier - - KULTUR -

Was As­tor Piaz­zol­la für den ar­gen­ti­ni­schen Tan­go und vor al­lem für des­sen Er­neue­rung im Sti­le des Tan­go nue­vo war, das war der 2007 im Al­ter von 60 Jah­ren ver­stor­be­ne ukrai­ni­sche Ak­kor­deo­nist und Kom­po­nist Efim Jou­rist für den rus­si­schen Tan­go. Ob­wohl die­ser Stil hier­zu­lan­de we­ni­ger be­kannt ist, kommt er dem mit­tel­eu­ro­päi­schen Hö­rer durch ei­ne ge­wis­se Nä­he zur ost­eu­ro­päi­schen Zi­geu­ner­mu­sik so­wie Ent­leh­nun­gen aus dem ar­gen­ti­ni­schen Tan­go recht ver­traut vor. Das von Efim Jou­rist vor ei­ni­gen Jahr­zehn­ten ge­grün­de­te Tan­go­quar­tett be­steht nach wie vor: Jo­han­nes Huth (Kon­tra­bass), Edouard Ta­cha­low (Vio­li­ne), Ja­kob Neu­bau­er (Knopf­grif­fak­kor­de­on und Ban­do­ne­on) und Andre­as Dopp (Gi­tar­re) pfle­gen die Tan­go­mu­sik mit Kon­zer­ten, Tour­ne­en und Ton­trä­gern wei­ter und ga­ben jetzt mit der Sän­ge­rin Ju­lia Schi­lin­ski und der Pia­nis­tin Ro­sa Kleb­niko­va als Gäs­te ein Bruch­sa­ler Schloss­kon­zert.

Zu Be­ginn er­klan­gen von Efim Jou­rist ei­ne me­lan­cho­li­sche Ele­gie und das Stück „Am Gr­a­be von As­tor Piaz­zol­la“, in dem Ju­lia Schi­lin­ski ih­ren ers­ten Auf­tritt hat­te und mit ih­rer pas­send dun­kel tim­brier­ten und wo nö­tig auch kraft­voll-lei­den­schaft­li­chen Stim­me gleich ei­nen mar­kan­ten Ak­zent setz­te. Im An­schluss er­klan­gen vier Stü­cke Piaz­zol­las: „La mu­er­te del an­gel“ge­riet ex­trem ener­gie­ge­la­den und war in sei­ner Ein­dring­lich­keit äu­ßerst mit­rei­ßend, wäh­rend Ja­kob Neu­bau­er der ru­hi­gen „Mi­lon­ga del an­gel“mit sei­nem ein­fühl­sa­men, kon­zen­trier­ten Ban­do­ne­on­spiel die not­wen­di­ge Por­ti­on „sü­ßer Trau­rig­keit“ver­lieh.

Sehr an­rüh­rend wa­ren auch die zwei fol­gen­den Ge­s­angs­stü­cke mit Ju­lia Schi­lin­ski, zum Teil nur mit Kla­vier be­glei­tet. Ein Aus­flug in den sti­lis­tisch ähn­li­chen por­tu­gie­si­schen Fa­do wur­de mit dem von Schi­lin­ski selbst kom­po­nier­ten Lied „A Be­le­za“(An die Schön­heit) un­ter­nom­men. Ziem­lich fet­zig und en­ga­giert wur­de nach der Pau­se dann Efim Jou­rists von ei­nem be­kann­ten Tan­go­the­ma in­spi­rier­te „Er­schöpf­te Son­ne“prä­sen­tiert, ge­folgt von ei­ner um­so mehr von Tris­tesse und Düs­ter­nis ge­präg­ten Mi­lon­ga „So­le­dad“As­tor Piaz­zol­las.

Durch­aus laut­ma­le­risch nach­ge­zeich­net wa­ren zwei wei­te­re Jou­rist-Stü­cke, „Rus­si­sches Rou­let­te“und „Dia­log zwei­er Trin­ker“. Das von Ju­lia Schi­lin­ski ge­schrie­be­ne Lied „Les oi­seaux“auf ei­ne Er­zäh­lung Vic­tor Hu­gos woll­te al­ler­dings durch sei­nen Cha­rak­ter ei­ner Pop-Bal­la­de nicht so recht ins Pro­gramm­pro­fil pas­sen, war je­doch auf sei­ne Wei­se an­spre­chend. Mit zwei wei­te­ren Piaz­zol­la-Ti­teln und ei­ner Pa­ra­phra­se Efim Jou­rists über Piaz­zol­las un­ver­ges­se­nen „Li­bertan­go“klang das mit rei­chem Ap­plaus und Bra­vo­ru­fen be­dach­te Kon­zert aus. -hd.

Mar­kan­te Ak­zen­te durch Sän­ge­rin Ju­lia Schi­lin­ski

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