Graue Haa­re und durch­ge­ar­bei­te­te Wo­che­n­en­den

Mat­thi­as Stripf forscht und lehrt zur Ener­gie­ef­fi­zi­enz / 1,75 Mil­lio­nen Eu­ro für Pro­jek­te ein­ge­wor­ben

Pforzheimer Kurier - - WISSENSCHAFT - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Ekart Kin­kel Mat­thi­as Stripf

Karls­ru­he. An sei­ne ers­ten Wo­chen als Hoch­schul­pro­fes­sor für Ener­gie­ef­fi­zi­enz am In­sti­tut für Käl­te,-Kli­ma,- und Um­welt­tech­nik kann sich Mat­thi­as Stripf noch ganz ge­nau er­in­nern. Weil zeit­gleich mit Stripfs Di­enst­an­tritt ein neu­er Mas­ter­stu­di­en­gang ins Se­mes­ter­pro­gramm auf­ge­nom­men wur­de, muss­te er näm­lich gleich fünf Vor­le­sun­gen gleich­zei­tig vor­be­rei­ten. „Das hat mich vie­le Wo­che­n­en­den ge­kos­tet“, so Stripf, „denn der Stoff war auch für mich kom­plett neu und meis­tens war ich den Stu­den­ten nur um we­ni­ge St­un­den vor­aus.“Im Ok­to­ber 2012 kam der pro­mo­vier­te Ma­schi­nen­bau­in­ge­nieur mit ei­ner von der St­ein­beis-Stif­tung und dem Ver­bund der Stif­ter an der Hoch­schu­le Karls­ru­he fi­nan­zier­ten Stif­tungs­pro­fes­sur an die Fa­kul­tät für Ma­schi­nen­bau und Mecha­tro­nik. Mitt­ler­wei­le hat Stripf an der Hoch­schu­le Karls­ru­he – Tech­nik und Wirt­schaft neun neue Vor­le­sun­gen er­ar­bei­tet so­wie ein acht­köp­fi­ges For­schungs­team mit vier Dok­to­ran­den auf­ge­baut. Zur Fi­nan­zie­rung sei­ner Pro­jek­te hat der um­trie­bi­ge Wis­sen­schaft­ler in gut vier Jah­ren ins­ge­samt 1,75 Mil­lio­nen Eu­ro für die an­ge­wand­te For­schung ein­ge­wor­ben und gro­ße Fir­men wie Sie­mens oder MTU ge­hö­ren eben­so zum Pool der Geld­ge­ber wie klei­ne­re und mitt­le­re Un­ter­neh­men (KMU).

„Die Mi­schung ist wich­tig, denn so ist ei­ne gu­te Ver­net­zung mit der Wirt­schaft ga­ran­tiert“, be­tont Stripf. Au­ßer­dem könn­ten dank der Zu­sam­men­ar­beit mit den In­dus­trie­part­nern auch in­no­va­ti­ve Ide­en in die Tat um­ge­setzt wer­den. „Nur wenn wir per­spek­ti­visch güns­ti­ge Lö­sun­gen ent­wi­ckeln, kann das auch po­si­ti­ve Aus­wir­kun­gen auf den welt­wei­ten Ener­gie­ver­brauch ha­ben“, gibt Stripf die Mar­sch­rich­tung für die kom­men­den Jah­re vor.

Weil in Deutsch­land über 30 Pro­zent der ver­brauch­ten Ener­gie für die Wär­me­er­zeu­gung be­nö­tigt wer­den, wid­me­te sich ein For­schungs­team bei ei­nem der ers­ten Pro­jek­te auch der Ef­fi­zi­enz­stei­ge­rung von Ad­sorp­ti­ons­wär­me­pum­pen. Als Ko­ope­ra­ti­ons­part­ner hat Stripf ne­ben klei­ne­ren Un­ter­neh­men auch sei­nen ehe­ma­li­gen Ar­beit­ge­ber, den Au­to­mo­bil­zu­lie­fe­rer Mah­le, mit ins Boot ge­holt. Mit neu­en Ma­te­ria­li­en und Struk­tu­ren wur­den Leis­tungs­dich­te so­wie Wir­kungs­grad er­höht und gleich­zei­tig die Kos­ten zum Bau der Pum­pen hal­biert. In „zwei bis drei Jah­ren“hät­ten die Pum­pen Se­ri­en­rei­fe, schätzt Stripf. Und als „po­si­ti­ver Ne­ben­ef­fekt“ver­fü­ge die Hoch­schu­le nun über ein kom­plett ein­ge­rich­te­tes La­bor.

Für ein For­schungs­pro­jekt zur Stei­ge­rung des Wir­kungs­grads bei Trieb­werks­bau­tei­len wur­de so­gar ein neu­er Ther­mo­wind­ka­nal auf­ge­baut und ein Ma­schi­nen­la­bor ein­ge­rich­tet. „Das hat uns ein, zwei graue Haa­re ge­kos­tet“, er­in­nert sich Stripf, doch nun kön­nen bei kon­stan­ten Tur­bu­len­zen Grö­ße und In­ten­si­tät der Wir­bel ver­än­dert wer­den. „Das hat noch nie­mand in der Welt ge­macht“, so Stripf, „und wenn al­les glatt läuft, kön­nen wir da­durch ge­wis­se Un­ter­schie­de zwi­schen den ein­zel­nen Ma­te­ria­li­en erst er­klä­ren“. Der­zeit lau­fen am In­sti­tut um die 50 Pro­jekt-, Ba­che­lor-, und Mas­ter­ar­bei­ten. „Un­ser Kern­the­ma bleibt aber im­mer noch die Leh­re“, stellt Stripf klar. Der Be­reich Käl­te-, Kli­ma-, und Um­welt­tech­nik ha­be an der Hoch­schu­le näm­lich ei­ne lan­ge Tra­di­ti­on und mit der Ein­rich­tung des Mas­ter­stu­di­en­gangs wur­den auch ver­tie­fen­de Vor­le­sun­gen an­ge­bo­ten. Durch die neu­en Wahl­fä­cher soll­ten die Stu­die­ren­den zu­dem bes­ser an die Hoch­schu­le ge­bun­den wer­den. „Wir wol­len schließ­lich nicht, dass sämt­li­che Wahl­fä­cher nur am KIT ge­hört wer­den“, be­tont Stripf, der sei­ne aka­de­mi­sche Aus­bil­dung an der Uni­ver­si­tät Karls­ru­he ab­sol­vier­te.

„Wenn al­le Pro­fes­so­ren so viel Geld ein­sam­meln wür­den, bräuch­ten wir sehr viel Platz für zu­sätz­li­che For­schungs­la­bo­re“, lobt Wer­ner Vogt vom Ver­bund der Stif­ter die Ar­beit des Stif­tungs­pro­fes­sors. An der Hoch­schu­le wer­ben gut 50 von über 200 Pro­fes­so­ren re­gel­mä­ßig Gel­der für die an­ge­wand­te For­schung ein, im ver­gan­gen Jahr wur­den da­durch 7,35 Mil­lio­nen Eu­ro für wis­sen­schaft­li­che Pro­jek­te ak­qui­riert.

EXPANSIVE FOR­SCHUNG: Wenn al­le Pro­fes­so­ren so viel Geld bei Fir­men ein­wer­ben wür­den wie Mat­thi­as Stripf (links), dann bräuch­ten die Hoch­schu­len sehr viel Platz für zu­sätz­li­che For­schungs­la­bo­re. Fo­tos: HSKA

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