Ver­ar­bei­ten

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM -

Mit der ärzt­li­chen Emp­feh­lung, ich sol­le mich in den nächs­ten Ta­gen et­was scho­nen, wur­de ich ver­gan­ge­ne Wo­che aus dem Kran­ken­haus ent­las­sen. Selbst­ver­ständ­lich hal­te ich mich an die­se Emp­feh­lung, es ist schön, mal in­ten­siv nichts zu tun.

Wenn ich an die Ta­ge im Kran­ken­haus zu­rück­den­ke, stel­le ich al­ler­dings fest, dass ich sprach­lich man­ches noch nicht ganz ver­ar­bei­tet ha­be. Da ist zum Bei­spiel der Plu­ra­lis em­pa­thiae, der mit­füh­len­de Plu­ral: Mor­gens wa­ren da die Fragen: „Ha­ben wir gut ge­schla­fen?“oder: „Wie geht es uns heu­te Mor­gen?“, und abends wur­de ge­fragt: „Ha­ben wir noch ei­nen Wunsch für die Nacht?“Ich ha­be mich schnell die­sen Fragen an­ge­passt und ge­ant­wor­tet: „Wir ha­ben gut ge­schla­fen“, „Uns geht es heu­te Mor­gen gut“, „Wir ha­ben für die Nacht kei­nen Wunsch.“

Ei­ni­ge Men­schen, die von mei­nem Kran­ken­haus­auf­ent­halt wuss­ten, rie­fen mich dort an und frag­ten gleich­sam zur Er­öff­nung des Ge­sprächs: „Sag’ mal, was machst du denn für Sa­chen?“Was soll man auf die­se Fra­ge ant­wor­ten, wenn man gar kei­ne Sa­chen ge­macht hat?

Im­mer wie­der wur­de in je­nen Ta­gen bei mir Blut ab­ge­nom­men, je­des Mal wur­de kurz vor dem Zus­te­chen ge­sagt: „Ach­tung, gleich piekt’s.“Mein Ein­druck: Je hüb­scher die Schwes­ter, des­to piek­ser der Piek. Ge­lernt ha­be ich auch, dass das Wort „gleich“nicht im­mer „so­fort“be­deu­tet. Wenn ge­sagt wur­de: „Der Herr Dok­tor kommt gleich“, konn­ten schon mal zwei St­un­den ver­ge­hen.

Tief ge­trof­fen hat mich ein Wort mei­ner Toch­ter. Sie be­such­te mich, ich war kurz zu­vor vom EEG zu­rück­ge­kom­men. Da rief sie ih­ren Bru­der an und sag­te: „Im Kopf hat der Pa­pa nix.“Ot­mar Schnurr

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