Zärt­li­chen Jazz in­ten­siv er­ar­bei­tet

Lu­kas Dil­ler Quar­tett über­zeugt im Do­mi­ci­le

Pforzheimer Kurier - - KULTUR IN PFORZHEIM -

Wenn im Do­mi­ci­le in Bröt­zin­gen zum Jaz­zabend ge­la­den wird, ste­hen die Zu­hö­rer in der Re­gel Schlan­ge und nicht sel­ten so­gar noch in den Gän­gen, um der Mu­sik lau­schen zu kön­nen. Am Sonn­tag­abend muss­te nie­mand ste­hen. Wer aber auf den Stüh­len und Bän­ken saß, be­reu­te nicht, ge­kom­men zu sein. Das Lu­kas Dil­ler Quar­tett über­zeugt.

Wenn man die Na­men der Mu­si­ker liest könn­te man fast den­ken, es wä­re für die Auf­nah­me in die Band er­for­der­lich ge­we­sen, Lu­kas zu hei­ßen. Gleich drei der vier Mu­si­ker tra­gen die­sen Vor­na­men. Alt­sa­xo­fo­nist Lu­kas Dil­ler selbst na­tür­lich, Lu­kas Gross­mann am Pia­no und Lu­kas Kel­ler am Kon­tra­bass. Le­dig­lich Jo­han­nes Koch am Schlag­zeug durch­bricht die­ses Mus­ter, wur­de von sei­nen Band­kol­le­gen je­doch lie­be­voll in Lu­kas-Jo­han­nes um­ge­tauft.

Nach dem ge­mein­sa­men Stu­di­um an der Mu­sik­hoch­schu­le Nürn­berg, hat­ten sich die vier Freun­de ent­schlos­sen das Lu­kas Dil­ler Quar­tett zu grün­den, um Men­schen jun­gen und dy­na­mi­schen Mo­dern Jazz nä­her zu brin­gen. Dass die Zu­hö­rer im Do­mi­ci­le die­sen Ent­schluss be­grüß­ten, zeig­te sich in sehr viel Ap­plaus und rhyth­mi­schen Be­we­gun­gen, die meis­tens bei den Bei­nen be­gan­nen und sich dann in den ge­sam­ten Kör­per aus­brei­te­ten.

An­ge­nehm loun­chi­ge Klän­ge wech­sel­ten sich mit en­er­ge­ti­schem und kraft­vol­len Jazz ab. Die meis­ten der Lie­der bei dem Auf­tritt wur­den von Lu­kas Dil­ler selbst oder in Zu­sam­men­ar­beit mit ei­nem sei­ner Band­kol­le­gen kom­po­niert.

Be­ob­ach­te­te man die Kör­per­spra­che und die Mi­mik der Mu­si­ker, war klar zu er­ken­nen, dass sie voll und ganz in ih­rer Mu­sik auf­gin­gen. Lei­den­schaft­lich und ge­fühl­voll ver­lo­ren sie sich förm­lich in ih­ren In­stru­men­ten und schie­nen mit ih­nen zu ei­ner Ein­heit zu ver­schmel­zen. Be­son­ders Lu­kas Kel­ler be­kam stel­len­wei­se ei­nen fast lie­be­vol­len Ge­sichts­aus­druck wenn er sei­nen Kon­tra­bass mehr strei­chel­te als zupf­te.

Die Zärt­lich­kei­ten am Schlag­zeug drück­ten sich durch das kon­ti­nu­ier­li­che mas­sie­ren der Schlag­flä­chen mit zwei Jazz­be­sen aus. Das lang­sa­me und sach­te, fast spie­le­ri­sche Tas­ten­spiel von Lu­kas Gross­mann am Kla­vier füg­te sich da­bei naht­los ein.

Le­dig­lich das Alt­sa­xo­fon von Lu­kas Dil­ler schien es zu mö­gen, et­was här­ter an­ge­packt zu wer­den. Mit fes­tem Griff und ent­schlos­se­nem Blick, starr­te der Mu­si­ker teil­wei­se bei­na­he ver­bis­sen auf die No­ten­blät­ter.

Im nächs­ten Mo­ment schloss er die Au­gen und spiel­te Klän­ge in ei­ner In­ten­si­tät, die die Zu­hö­rer be­geis­ter­te und ihn da­nach teil­wei­se schwer at­mend zu­rück­lie­ßen. Lu­kas Dil­ler spiel­te nicht nur Jazz, er ar­bei­te­te ihn. Ron Tee­ger

Mo­dern Jazz hat ei­nen Na­men: Lu­kas

MIT VIEL GE­FÜHL zeig­ten sich Alt­sa­xo­fo­nist Lu­kas Dil­ler (Mit­te) und Band beim Auf­tritt im Pforz­hei­mer Do­mi­ci­le. Fo­to: Tee­ger

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