Miss­ach­te­te Freun­din bringt Po­li­zei ins Spiel

An­kla­ge we­gen 30 Ki­lo Ha­schisch am Amts­ge­richt

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Chris­tia­ne Vieh­weg

„Es war die größ­te Dumm­heit mei­nes Le­bens“, be­kann­te ges­tern der 62-jäh­ri­ge An­ge­klag­te vor der Gro­ßen Straf­kam­mer un­ter Vor­sit­zen­dem Rich­ter Andre­as Heid­rich. Staats­an­wäl­tin Chris­ti­ne Ro­sch­in­ski wirft ihm ban­den­mä­ßi­gen Han­del mit Be­täu­bungs­mit­teln in nicht ge­rin­ger Men­ge vor. Er ha­be im Mai und Ju­li je­weils zehn Ki­lo­gramm Ha­schi­scher­zeug­nis­se von Mit­tä­tern über­nom­men und ge­winn­brin­gend wei­ter ver­kauft. Die drit­te Lie­fe­rung, eben­falls zehn Ki­lo ge­press­ten Ha­schischs, ha­be ihn nicht mehr er­reicht, da die Po­li­zei den Ku­ri­er an der hol­län­di­schen Gren­ze fest­nahm. Die­ser nann­te bei der Ver­neh­mung gleich Lie­fe­ran­ten und Ab­neh­mer. Ab­neh­mer war der An­ge­klag­te.

„Ich ha­be ge­wusst, dass es schief ge­hen wird. Aber ich war dumm ge­nug, mich breit­schla­gen zu las­sen“, seufz­te der seh­ni­ge Mann auf der An­kla­ge­bank, der au­ßer ei­nem ge­le­gent­li­chen Jo­int ge­sund lebt. Er hat, wie er be­rich­te­te, Abitur ge­macht, stu­diert, und dann in ver­schie­de­nen Be­ru­fen ge­ar­bei­tet.

Wie er es schil­der­te, kam es zu dem ge­fähr­li­chen letz­ten Job so: Ein al­ter Freund, lan­ge nicht ge­se­hen, be­fand sich nach der Tren­nung von sei­ner Part­ne­rin in be­dräng­ten fi­nan­zi­el­len Ver­hält­nis­sen. Er bat den An­ge­klag­ten dring­lich um Hil­fe, näm­lich um Ab­nah­me von zehn Ki­lo Hasch für 50 000 Eu­ro.

„Ich kann nicht fas­sen, dass ich es tat­säch­lich ge­tan ha­be. Ich be­reue das zu­tiefst“, gab der An­ge­klag­te zu. Er lieh sich Geld, nahm den Stoff am 7. Mai an und ver­kauf­te ihn im Gan­zen an ei­nen Be­kann­ten wei­ter, den er nicht nann­te. 5 000 Eu­ro ver­dien­te er dar­an.

Am 25. Ju­li wie­der­hol­te sich das Gan­ze. Der Ku­ri­er schlug ihm vor, die­ses Ge­schäft doch mo­nat­lich von­stat­ten ge­hen zu las­sen. Was aber der An­ge­klag­te nicht woll­te. „Ei­gent­lich hat man mich zum Ja­gen tra­gen müs­sen“, mein­te er. Im No­vem­ber wur­de er noch­mals „zum Ja­gen ge­tra­gen“; er be­schaff­te die üb­li­chen 50 000 Eu­ro, zahl­te, aber die Emp­fän­ger der hei­ßen Wa­ren wa­ren dies­mal Po­li­zei­be­am­te.

War­um war das Ge­schäft nun auf­ge­flo­gen? „Cher­chez la femme“, sa­gen die Fran­zo­sen. Wohl wahr, denn: Der Ku­ri­er hat­te die Fahr­ten zu­sam­men mit sei­ner Freun­din un­ter­nom­men. Die­se be­kam in Den Haag die Wa­re in ihr Au­to ge­packt, wäh­rend er in Mut­tis Wa­gen es­kor­tier­te. Wo­her er was hol­te, wuss­te sie nicht. Bei der zwei­ten Lie­fe­rung frag­te sie aber, was ei­gent­lich in der gro­ßen Tü­te sei, die in ihr Fahr­zeug ge­wuch­tet und beim Re­ser­ve­rad un­ter­ge­bracht wur­de. „Du blö­de Zie­ge“, mein­te der Freund, „merkst du nicht, dass du Ku­rier­fahr­ten für mich machst?“Und au­ßer­dem woll­te er ei­ne „Aus­zeit“von ihr ha­ben.

Sie woll­te dann, wie sie ges­tern als Zeu­gin sag­te, gar kei­ne Zeit mehr mit ihm ha­ben. Und auch kei­ne Ku­rier­fahr­ten mehr ma­chen. Sie zeig­te ihn an. Da­her wur­de das Te­le­fon des Ku­ri­ers über­wacht und am 1. No­vem­ber stand nicht der er­wa­re­te Ku­ri­er mit sei­ner kost­ba­ren Fracht vor der Tür des An­ge­klag­ten, son­dern die Po­li­zei.

Die Ver­hand­lung wird mor­gen um 9 Uhr im Amts­ge­richt fort­ge­setzt.

An­ge­kla­ger be­schreibt sich als Dea­ler wi­der Wil­len

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