Ver­wal­tung will po­li­ti­sche Ent­schei­dun­gen

The­ma Eu­ro­pa­hal­le: Ge­mein­de­rat muss Wei­chen für die fa­vo­ri­sier­te Sa­nie­rungs­va­ri­an­te stel­len

Pforzheimer Kurier - - KARLSRUHE - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Theo Wes­ter­mann

Seit ei­nem Jahr müh­ten sich die städ­ti­schen Fachäm­ter und die ent­spre­chen­den De­zer­na­te um ver­stärk­ten Er­kennt­nis­ge­winn in Sa­chen Zu­kunft Eu­ro­pa­hal­le und der wei­te­ren Hal­len­si­tua­ti­on in der Stadt. Nun leg­ten die Bür­ger­meis­ter Ga­b­rie­le Lucz­ak-Schwarz (Fi­nan­zen) und Mar­tin Lenz (Sport) ges­tern die de­tail­lier­ten Er­geb­nis­se die­ser Be­mü­hun­gen vor. Quint­es­senz der „Ana­ly­se der Karls­ru­her Ver­an­stal­tungs­stät­ten und Kon­zept zur Nut­zung der Eu­ro­pa­hal­le“ist der Ruf der Ver­wal­tung nach Ent­schei­dun­gen des Ge­mein­de­rats. Die Stadt­ver­wal­tung schlägt für die Eu­ro­pa­hal­le vor, ei­ne ex­ak­te „kos­ten­kon­trol­lier­te Prü­fung“für die so­ge­nann­te Va­ri­an­te A+A1+A2 zu be­auf­tra­gen. Nach bis­he­ri­gen Be­rech­nun­gen wür­de die­se Va­ri­an­te 21,1 Mil­lio­nen Eu­ro kos­ten. Soll­ten sich die Stadt­rä­te bei der Haupt­aus­schuss- und der fol­gen­den Ge­mein­de­rats­sit­zung im März für die­se Va­ri­an­te und die kos­ten­kon­trol­lier­te Prü­fung ent­schei­den, ist da­mit noch nichts über den tat­säch­li­chen Um­bau der Hal­le ge­sagt. Denn Fi­nanz­bür­ger­meis­te­rin Ga­b­rie­le Lucz­ak-Schwarz mach­te un­miss­ver­ständ­lich klar, dass ei­ne Er­tüch­ti­gung der Eu­ro­pa­hal­le – egal für wel­chen Be­trag – sich in die all­ge­mei­ne In­ves­ti­ti­ons­lis­te ein­rei­hen muss. Und die­se um­fasst be­kannt­lich Pro­jek­te für die kom­men­den Jah­re von ins­ge­samt zwei Mil­li­ar­den Eu­ro.

Die Vor­ge­schich­te

Seit Ju­ni 2014 ist die Hal­le aus Brand­schutz­grün­den nur noch ein­ge­schränkt nutz­bar. Für den Schul- und Ver­eins­sport mit ma­xi­mal 200 Nut­zern ist sie nach wie vor un­er­läss­lich. Sechs Schu­len und 23 Ver­ei­ne nut­zen die Hal­le. „Sie ist jetzt voll aus­ge­las­tet“, so die Bür­ger­meis­te­rin. Im März 2016 hat der Ge­mein­de­rat es ab­ge­lehnt, mit ei­ner (er­rech­ne­ten) Sum­me von knapp 30 Mil­lio­nen Eu­ro die Eu­ro­pa­hal­le wie­der zu ei­ner mul­ti­funk­tio­na­len Ver­an­stal­tungs­hal­le zu ma­chen, weil man es selbst mit die­sem Be­trag nicht schafft, den al­ten Zu­stand mit bis zu 9 000 Plät­zen wie­der her­zu­stel­len. Klar war auch, dass selbst die wei­te­re Nut­zung der Hal­le nur für den Schul- und Ver­eins­sport ei­nen Sa­nie­rungs­auf­wand von min­des­tens neun Mil­lio­nen Eu­ro not­wen­dig macht. Da­mals ver­gab der Ge­mein­de­rat al­ler­dings Prüf­auf­trä­ge, um den Auf­wand für ei­ne wei­te­re Nut­zung zu eru­ie­ren.

Die Va­ri­an­te A+A1+A2

Bei der Gr­und­va­ri­an­te A mit ih­ren un­ter­schied­li­chen Op­tio­nen sind aus­schließ­lich Sport­ver­an­stal­tun­gen mit Pu­bli­kum zu­läs­sig. Nicht rea­li­sier­bar sind je­doch das In­door-Mee­ting, das Fi­na­le der Deut­schen Turn­li­ga oder die Deut­schen Hal­len leicht­ath­le­tik meis­ter­schaf­ten. Mög­lich wä­re ei­ne Ka­pa­zi­tät von bis zu 4 800 Zu­schau­ern. Bei der Va­ri­an­te A+A1-A2 für 21 Mil­lio­nen, die ei­ne zu­sätz­li­che mo­bi­le Tri­bü­ne be­inhal­tet, wer­den ne­ben Leicht­ath­le­tik auch Li­ga­spie­le in den ers­ten drei Li­gen von Bas­ket­ball, Vol­ley­ball oder Hand­ball mög­lich, dann wä­ren bis zu 3 500 Be­su­cher mög­lich. Ob es auch für die BTB-Ga­la rei­chen wür­de, müss­te noch ge­prüft wer­den. Die Sport­ver­bän­de und Ver­ei­ne ha­ben sich für die­se (teu­ers­te) Va­ri­an­te aus­ge­spro­chen. Die an­de­ren A-Va­ri­an­ten wä­ren bil­li­ger, bie­ten aber weit we­ni­ger Mög­lich­kei­ten. Lucz­akSchwarz be­tont: „Es geht um ei­ne tech­ni­sche Sa­nie­rung, das hat kei­ne Neu­bau­qua­li­tät“. Für Mar­tin Lenz ist die Sa­nie­rung der Eu­ro­pa­hal­le al­ter­na­tiv­los: „Die sport­be­geis­ter­te Stadt hat ein Sym­bol und das ist die Eu­ro­pa­hal­le.“

Prü­fen und Nach­den­ken

Doch dies ist nicht al­les: „Nach­den­ken“will die Stadt au­ßer­dem wei­ter über den Bau ei­ner rei­nen Ball­sport­hal­le mit ei­ner Ka­pa­zi­tät von bis zu 3 000 Be­su­chern für bis zu 18 Mil­lio­nen Eu­ro. Au­ßer­dem soll der Ge­mein­de­rat im März grü­nes Licht für ei­ne Mach­bar­keits­ana­ly­se für ei­ne mul­ti­funk­tio­na­le Groß­ver­an­stal­tungs­hal­le ge­ben. Ein Gut­ach­ten im Auf­trag der Ver­wal­tung hat näm­lich er­ge­ben, dass nach dem Weg­fall der Eu­ro­pa­hal­le da­für Be­darf be­steht und die dm-Are­na kei­ne ad­äqua­te Al­ter­na­ti­ve ist. Al­ler­dings ist dies noch mehr als die Sa­nie­rungs­plä­ne der Eu­ro­pa­hal­le ei­ne ganz weit in die Zu­kunft ge­rich­te­te Ide­en­skiz­ze.

WEI­TER UNGEWISS ist die Zu­kunft der Eu­ro­pa­hal­le. Doch nun hat die Stadt­ver­wal­tung sich in­halt­lich auf ein mög­li­ches Sa­nie­rungs­mo­dell fest­ge­legt, das bei ent­spre­chen­den po­li­ti­schen Mehr­hei­ten ei­ne ge­wis­se Band­brei­te an sport­li­chen Nut­zun­gen er­mög­licht. Fo­to: jo­do

ENG ging es her am Wo­che­n­en­de beim Spiel der BG ge­gen die PSK Li­ons in der Lis­tHal­le. Dies zeigt die Not­wen­dig­keit ei­ner Hal­le für hoch­ka­rä­ti­gen Ball­sport. Fo­to: GES

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