Stra­fe hält sich nicht an Gren­zen

Pforzheimer Kurier - - RECHT IM ALLTAG -

Lu­xem­burg (AFP). Der Eu­ro­päi­sche Ge­richts­hof (EuGH) hat die Vor­aus­set­zun­gen für das so­ge­nann­te Dop­pel­be­stra­fungs­ver­bot in­ner­halb der EU prä­zi­siert. Nach die­sem Grund­satz darf ei­ne Per­son we­gen der­sel­ben Straf­tat zwar nicht zwei­mal ver­folgt oder be­straft wer­den. Dem in Lu­xem­burg ver­kün­de­ten Ur­teil zu­fol­ge kann ein Ver­däch­ti­ger aber er­neut ver­folgt wer­den, wenn die frü­he­re Straf­ver­fol­gung in ei­nem an­de­ren Schen­genStaat oh­ne ein­ge­hen­de Er­mitt­lun­gen ein­ge­stellt wur­de.

Im Aus­gangs­fall wirft die Staats­an­walt­schaft Ham­burg ei­nem Po­len vor, in Ham­burg ei­ne schwe­re räu­be­ri­sche Er­pres­sung be­gan­gen zu ha­ben. Das dor­ti­ge Land­ge­richt lehn­te die Er­öff­nung des Haupt­ver­fah­rens je­doch mit der Be­grün­dung ab, dass ge­gen den Mann be­reits in Po­len er­mit­telt wur­de, das Ver­fah­ren aber ein­ge­stellt wor­den sei. Die Be­hör­den dort hat­ten aber we­der das Op­fer noch mög­li­che Zeu­gen der Tat ver­nom­men.

Der EuGH ent­schied nun, dass das Dop­pel­be­stra­fungs­ver­bot Ver­däch­ti­ge nicht da­vor schützt, dass ge­gen sie we­gen der­sel­ben Tat in meh­re­ren Mit­glieds­staa­ten er­mit­telt wird. Dies gilt vor al­lem dann, wen die frü­he­re Straf­ver­fol­gung „oh­ne ein­ge­hen­de Er­mitt­lun­gen“ein­ge­stellt wor­den ist. Wer­den wie im vor­lie­gen­den Fall Op­fer und mög­li­che Zeu­gen nicht ver­nom­men, sei dies ein „In­diz für das Feh­len sol­cher Er­mitt­lun­gen“.

Zu den Schen­gen-Staa­ten zäh­len na­he­zu al­le EU-Mit­glie­der mit Aus­nah­me von Groß­bri­tan­ni­en, Ir­land und Zy­pern. Dem Ab­kom­men zum Grenz­über­tritt oh­ne Kon­trol­len sind auch die nicht EU-Staa­ten Is­land, Nor­we­gen, Schweiz und Liech­ten­stein bei­ge­tre­ten.

HIN­TER GITTERN darf man pro De­likt nur ein­mal lan­den. Doch wenn ein Fall oh­ne ein­ge­hen­de Er­mitt­lun­gen in ei­nem Mit­glieds­staat des Schen­gen-Rau­mes ein­ge­stellt wur­de, kann der Tä­ter in ei­nem an­de­ren Land be­straft wer­den. Fo­to: Da­ni­el Nau­pold

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