Das Ver­mö­gen ist ir­re­le­vant

Beim Grün­dungs­zu­schuss darf Ar­beits­amt nur for­ma­le Kri­te­ri­en prü­fen

Pforzheimer Kurier - - RECHT IM ALLTAG -

Darm­stadt/Ber­lin (dpa/tmn). Der Grün­dungs­zu­schuss kann Ar­beits­lo­sen den Weg in die Selbst­stän­dig­keit er­leich­tern. Lie­gen die for­ma­len Vor­aus­set­zun­gen da­für vor, kann das Amt den An­trag nicht we­gen der Ver­mö­gens­la­ge des An­trag­stel­lers ab­wei­sen. Die Be­hör­de darf nicht prü­fen, wie viel ei­ge­nes Ver­mö­gen der Ar­beits­lo­se hat, ent­schied das Hes­si­sche Lan­des­so­zi­al­ge­richt. Über die Ent­schei­dung be­rich­tet die Ar­beits­ge­mein­schaft So­zi­al­recht des Deut­schen An­walt­ver­eins (DAV).

Der Fall: Ein IT-Con­sul­tant hat­te nach­ein­an­der bei meh­re­ren Fir­men ge­ar­bei­tet. Sein Ein­kom­men lag zu­letzt bei 5 500 Eu­ro brut­to im Mo­nat. Der Mann mel­de­te sich im Fe­bru­ar 2012 ar­beits­los. Er be­an­trag­te di­rekt Ar­beits­lo­sen­geld und kurz da­nach den Grün­dungs­zu­schuss, denn er woll­te sich als Un­ter­neh­mens­be­ra­ter selbst­stän­dig ma­chen. Der Mann gab an, dass er aus ei­ge­nen Mit­teln Ka­pi­tal für die Grün­dung bei­steu­ern könn­te. Das Amt ge­währ­te ihm das Ar­beits­lo­sen­geld. Den An­trag auf Grün­dungs­zu­schuss lehn­te es aber ab. Der Zu­schuss sei in die­sem Fall nicht not­wen­dig: Der Mann brau­che ihn nicht, um den Le­bens­un­ter­halt für die Zeit der Exis­tenz­grün­dung ab­zu­si­chern. Die Be­hör­de be­grün­de­te dies aus­drück­lich mit der Ver­mö­gens­si­tua­ti­on des Man­nes. Ge­gen den Be­scheid klag­te der Ar­beits­lo­se. Das Ur­teil: Die Rich­ter ga­ben dem Klä­ger Recht. Beim Grün­dungs­zu­schuss han­de­le es sich über­wie­gend um ei­ne Ver­si­che­rungs­leis­tung, die der so­zia­len Ab­si­che­rung dient. Die Be­hör­de dür­fe le­dig­lich prü­fen, ob die for­ma­len Kri­te­ri­en für den Zu­schuss vor­lie­gen – al­so ein An­spruch auf Ar­beits­lo­sen­geld I von min­des­tens 150 Ta­gen be­steht. Das sei hier der Fall ge­we­sen.

Die Ver­mö­gens­ver­hält­nis­se dür­fe das Amt al­len­falls prü­fen, wenn es um die zwei­te För­der­pha­se geht – al­so die Ver­län­ge­rung des Zu­schus­ses.

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