Nach Be­trug we­ni­ger Geld

Job­cen­ter darf Hartz-IV-Leis­tun­gen deut­lich kür­zen

Pforzheimer Kurier - - RECHT IM ALLTAG -

Kas­sel (AFP). Nach ei­nem Leis­tungs­be­trug durch Hartz-IV-Emp­fän­ger dür­fen die Job­cen­ter die Re­gel­leis­tung um 30 Pro­zent kür­zen. Das Grund­recht auf ein men­schen­wür­di­ges Exis­tenz­mi­ni­mum blei­be da­bei ge­wahrt, wie das Bun­des­so­zi­al­ge­richt (BSG) in Kas­sel ent­schied. (Az. B 14 AS 20/15 R.) Für not­wen­di­ge An­schaf­fun­gen könn­ten die Ar­beits­lo­sen ge­ge­be­nen­falls zu­sätz­li­ches Geld be­an­tra­gen.

Da­mit wies das BSG ei­nen Ar­beits­lo­sen aus Os­na­brück ab. Er er­hält seit 2005 Hartz-IV-Leis­tun­gen, hat­te dem Job­cen­ter aber Ein­künf­te ver­schwie­gen. Das Amts­ge­richt Os­na­brück ver­ur­teil­te den Mann we­gen Be­tru­ges, das Job­cen­ter for­der­te ins­ge­samt 8 350 Eu­ro zu­rück.

Weil der Ar­beits­lo­se dies nicht be­zah­len konn­te, er­klär­te das Job­cen­ter die Auf­rech­nung mit den lau­fen­den Leis­tun­gen. Das Ge­setz er­laubt Kür­zun­gen um bis zu 30 Pro­zent für höchs­tens drei Jah­re. Das Job­cen­ter ent­schied auf den Höchst­satz und be­hielt von der Re­gel­leis­tung 30 Pro­zent ein, der­zeit 121,20 von 404 Eu­ro.

Der Ar­beits­lo­se räum­te sei­nen Be­trug zwar ein, hielt die Kür­zung aber den­noch für un­zu­läs­sig. Sein Exis­tenz­mi­ni­mum sei nicht mehr ge­si­chert.

Wie schon die Vor­in­stan­zen wi­der­sprach dem nun auch das BSG. Die ge­setz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für die Leis­tungs­kür­zung lä­gen vor. Es spre­che auch nichts da­ge­gen, dass sich das Job­cen­ter hier nach ei­nem Leis­tungs­be­trug für die höchs­te zu­läs­si­ge Auf­rech­nung ent­schie­den ha­be. Letzt­lich ha­be der Ar­beits­lo­se die Kür­zung selbst zu ver­ant­wor­ten.

Das Grund­recht auf ein men­schen­wür­di­ges Exis­tenz­mi­ni­mum blei­be den­noch ge­wahrt, er­klär­ten die Kas­se­ler Rich­ter wei­ter. Zwar blei­be für An­spa­run­gen für grö­ße­re An­schaf­fun­gen nun kein Geld mehr üb­rig. Bei Be­darf kön­ne der Ar­beits­lo­se aber zu­sätz­li­ches Geld bei sei­nem Job­cen­ter be­an­tra­gen.

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