Wer­te-Grund­la­ge

Pforzheimer Kurier - - POLITIK -

BERNHARD JUNGINGER

In ei­ner Welt, die im­mer un­si­che­rer und kom­pli­zier­ter er­scheint, ha­ben ver­meint­lich ein­fa­che Er­klä­run­gen Konjunktur. Über­all fei­ern Po­li­ti­ker Er­fol­ge, die für al­le nur denk­ba­ren Pro­ble­me den pas­sen­den Schul­di­gen und die schein­bar ein­zi­ge Lö­sung prä­sen­tie­ren. Schuld sind da­bei im­mer die an­de­ren und der Weg aus der Mi­se­re ist de­ren un­barm­her­zi­ge Be­kämp­fung. Wo Po­li­tik auf ein „Wir ge­gen die“re­du­ziert wird, ist der nächs­te Schritt oft, „de­nen“ih­re Men­schen­rech­te ab­zu­spre­chen, et­wa mit dem Ar­gu­ment, dies die­ne der Si­cher­heit. Die Gleich­heit der Men­schen an Wür­de und Rech­ten, die Mei­nungs­frei­heit oder das Ver­bot von Fol­ter wer­den in man­chen Län­dern schon seit Jahr­zehn­ten mit Fü­ßen ge­tre­ten.

Lei­der wird die Lis­te der Un­rechts­staa­ten im­mer län­ger und um­fasst zu­neh­mend Län­der, die vor kur­zem noch zu ge­gen­tei­li­gen Hoff­nun­gen An­lass ga­ben. Die Tür­kei ist so ein Fall, mit ho­hem Tem­po steu­ert der Nato-Part­ner in Rich­tung

Dik­ta­tur. Auch in­ner­halb der EU ge­ra­ten Men­schen­rech­te un­ter Druck. Po­len und Un­garn et­wa gän­geln Me­di­en und Ge­rich­te. Und in vie­len Staa­ten, auch in Deutsch­land, wird über das rich­ti­ge Ver­hält­nis von Si­cher­heit und Frei­heit dis­ku­tiert, seit is­la­mis­ti­scher Ter­ror zur stän­di­gen Be­dro­hung ge­wor­den ist. Ge­ra­de im Hin­blick auf den Um­gang mit Asyl­be­wer­bern hat Deutsch­land ei­ne Kehrt­wen­de voll­zo­gen von ei­ner Eu­pho­rie der „Will­kom­mens­kul­tur“zur „na­tio­na­len Kraft­an­stren­gung bei der Ab­schie­bung“.

Men­schen, de­ren Asyl­an­trag ab­ge­lehnt wur­de, dür­fen nicht in Län­der ab­ge­scho­ben wer­den, in de­nen ih­nen Fol­ter und Er­mor­dung droht. Ei­ne Po­li­tik, bei der mit Un­rechts­staa­ten pak­tiert wird, ver­bie­tet sich. Die Men­schen­rech­te sind nicht ver­han­del­bar. Sie sind die wich­tigs­te Grund­la­ge west­li­cher Wer­te. Ge­ra­de jetzt, wo die west­li­che Wer­te­ge­mein­schaft von so vie­len Sei­ten un­ter Druck ge­rät, darf sie sich nicht selbst den ethi­schen Bo­den ent­zie­hen.

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