Mu­ti­ger Ge­ne­ral

Chan­ce für McMas­ter

Pforzheimer Kurier - - POLITIK -

Wa­shing­ton. Es kommt nicht oft vor, dass sich ein Ge­ne­ral auf ei­nen Rom­an­schrift­stel­ler be­ruft, um ei­ne Aus­sa­ge auf den Punkt zu brin­gen. Her­bert Ray­mond „H.R.“McMas­ter hat es ge­tan, vor vier Jah­ren, als er ver­such­te, Leh­ren aus den um­strit­te­nen Feld­zü­gen in Af­gha­nis­tan und im Irak zu zie­hen. „Viel In­tel­li­genz kann in Igno­ranz in­ves­tiert wer­den, wenn der Be­darf an Il­lu­sio­nen groß ist“, zi­tier­te er den no­bel­preis­ge­krön­ten Saul Bel­low in ei­nem Es­say, der da­von han­del­te, dass es ein from­mer Wunsch ist, an so et­was wie leich­te, ein­fa­che Krie­ge zu glau­ben. Krie­ge wie die in Af­gha­nis­tan und im Irak könn­ten nicht fern­ge­steu­ert ge­führt wer­den, mit mi­ni­ma­lem Trup­pen­ein­satz, schrieb McMas­ter. Ei­ne „an­hal­ten­de Fas­zi­na­ti­on“für mo­der­ne Tech­nik ha­be Schreib­tisch­stra­te­gen da­zu ge­bracht, das Zeit­al­ter der „Krie­ge, wie wir sie ken­nen“, für be­en­det zu er­klä­ren, was na­tür­lich Un­sinn sei.

Für man­che ist es be­ru­hi­gend, dass Do­nald Trump ei­nen Mann zum Na­tio­na­len Si­cher­heits­be­ra­ter kürt, der Schlach­ten nicht nur aus Sand­kas­ten­spie­len kennt, son­dern selbst im Dreck lag und da­her im Zwei­fels­fall von mi­li­tä­ri­schen Aben­teu­ern ab­ra­ten dürf­te. Trump hat be­kannt­lich ein Fai­b­le für Ge­ne­rä­le, ob­wohl er selbst nie ge­dient hat. Mit Ja­mes Mat­tis hat er ei­nen zum Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter be­för­dert, mit John Kel­ly ei­nem zwei­ten das Res­sort für Hei­mat­schutz an­ver­traut. McMas­ter, der drit­te auf ei­nem Schlüs­sel­pos­ten, trägt drei Ster­ne auf den Schul­ter­klap­pen. Auch des­halb be­kam er den Vor­zug vor John Bol­ton, dem neo­kon­ser­va­ti­ven UNBot­schaf­ter Ge­or­ge W. Bushs.

Dass dem 54-jäh­ri­gen Ge­ne­ral­leut­nant jeg­li­che po­li­ti­sche Er­fah­rung fehlt, könn­te sich in der Schalt­zen­tra­le der Po­li­tik al­ler­dings noch als sei­ne Achil­les­fer­se er­wei­sen. Zu­dem ist er nur der Er­satz­mann des Er­satz­manns, nach­dem Micha­el Flynn, Trumps ers­ter Si­cher­heits­be­ra­ter, ge­feu­ert wur­de und der dar­auf­hin no­mi­nier­te Ro­bert Har­ward, ein ehe­ma­li­ger Vi­ze­ad­mi­ral, dan­kend ab­lehn­te. Ihn po­li­tisch ir­gend­wo an­zu­sie­deln fällt schwer, auch wenn sei­ne bis­he­ri­ge Be­rufs­bio­gra­fie auf ei­ne nüch­ter­ne Welt­sicht schlie­ßen lässt. Re­al­po­li­ti­ker je­den­falls hof­fen, dass McMas­ter mit Au­ßen­mi­nis­ter Rex Til­ler­son und Pen­ta­gon­chef Mat­tis ei­ne Art Drei­eck der Prag­ma­ti­ker bil­det, das dem Prä­si­den­ten in kri­ti­schen Si­tua­tio­nen zu Au­gen­maß rät.

Be­reits im Golf­krieg des Jah­res 1991 kom­man­dier­te er ein Pan­zer­re­gi­ment, das ei­ne zah­len­mä­ßig über­le­ge­ne Ein­heit der Re­pu­bli­ka­ni­schen Gar­de Sad­dam Hus­seins be­sieg­te. 2005 dann, in­zwi­schen Be­fehls­ha­ber ei­ner in der nord­ira­ki­schen Stadt Tell Afar sta­tio­nier­ten Bri­ga­de, igno­rier­te er Vor­ga­ben aus Wa­shing­ton, die er für falsch hielt. Auch als Mi­li­tär­his­to­ri­ker hat McMas­ter ge­gen den Strich ge­bürs­tet. An der Uni­ver­si­ty of North Ca­ro­li­na, wo er ei­nen Dok­tor­ti­tel in Ge­schich­te er­warb, zer­pflück­te er ei­ne be­que­me The­se, mit der die ame­ri­ka­ni­sche Ar­mee­füh­rung das De­ba­kel des Viet­nam­kriegs zu ver­ar­bei­ten ver­such­te. Die Le­gen­de, nach der al­lein die Po­li­tik schuld ge­we­sen sei an dem De­sas­ter. Die Ge­ne­rä­le, ar­gu­men­tier­te McMas­ter, hät­ten po­li­ti­schem Druck viel zu leicht nach­ge­ge­ben, ob­wohl sie schnell be­grif­fen hät­ten, dass man in Viet­nam nicht ge­win­nen kön­ne. Aus der Dis­ser­ta­ti­on ent­stand das Buch „Pflicht­ver­let­zung“. Frank Herr­mann

TRUMPS NEU­ER MANN: Her­bert Ray­mond „H.R.“McMas­ter. Fo­to: AFP

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