Ver­kehrs­po­li­tik in Karls­ru­he vor­bild­lich

Lob für Fä­cher­stadt / Fahr­ver­bo­te in Stutt­gart

Pforzheimer Kurier - - SÜD­WEST­ECHO - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Wolf­gang Voigt

Karls­ru­he/Stutt­gart. Wenn Ver­kehrs­mi­nis­ter Win­fried Her­mann über die Fe­in­staub­be­las­tung von Stutt­gart rä­so­niert und sei­nen Zu­hö­rern ver­mit­teln will, dass es auch an­ders geht als ge­sund­heits­ge­fähr­dend, wen­det sich der Blick des Grü­nen gern nach Karls­ru­he. En­de der 1990er Jah­re, sagt Her­mann, hät­ten in der Lan­des­haupt­stadt und der Fä­cher­stadt bei den Teil­nah­me­ge­wohn­hei­ten der Men­schen am Ver­kehr noch die glei­chen Ver­hält­nis­se ge­herrscht: Ein Groß­teil be­vor­zug­te für den Weg zur Ar­beit hier wie dort das Au­to, ein ähn­li­cher An­teil der Stutt­gar­ter und Karls­ru­her griff auf Bus­se und Bah­nen so­wie das Fahr­rad zu­rück. Zwi­schen­zeit­lich aber herrscht in Stutt­gart häu­fig Fe­in­stau­balarm, in Karls­ru­he je­doch nicht.

„Karls­ru­he ist heu­te die ers­te deut­sche Groß­stadt, die bei den Stick­oxi­den die Grenz­wer­te ein­hält, beim Fe­in­staub schon lan­ge“, so der Mi­nis­ter. Nach Her­manns Über­zeu­gung liegt das nicht al­lein an der Kes­sel­la­ge der Lan­des­haupt­stadt. Ei­ne ge­wich­ti­ge Rol­le für den Er­folg spiel­ten frü­he Wei­chen­stel­lun­gen im Karls­ru­her Rat­haus. Er er­in­nert an die Ein­füh­rung des Schie­nen­kon­zepts „Karls­ru­her Mo­dell“, das die Stadt­bah­nen in die Re­gi­on und die Men­schen aus dem Groß­raum ins Zen­trum der Stadt ge­bracht ha­be. Zu­dem ha­be die Fä­cher­stadt ein lang­fris­tig aus­ge­rich­te­tes Kon­zept zur För­de­rung des Rad­ver­kehrs und be­reits früh auf Car­sha­ring ge­setzt. „Heu­te hat Karls­ru­he deut­lich we­ni­ger An­tei­le am In­di­vi­du­al­ver­kehr, mehr ÖPNV und mehr Rad­ver­kehr“, zeigt sich der Mi­nis­ter an­ge­tan. Den Weg schla­ge Stutt­gart jetzt ein – „ei­ni­ge Jah­re zu spät.“

An­ge­sichts der pre­kä­ren Fe­in­stau­bla­ge mit be­reits in die­sem Jahr mehr als 30 Fe­in­stau­balar­men greift die grün-schwar­ze Lan­des­re­gie­rung zu teils dras­ti­schen Maß­nah­men. Die be­deu­tends­te: Fah­rer von Die­sel­au­tos, die nicht der Ab­gas­norm Eu­ro 6 ent­spre­chen, müs­sen vom kom­men­den Jahr an mit Fahr­ver­bo­ten rech­nen. In der Lan­des­haupt­stadt sind dies der­zeit 73 000 der ins­ge­samt 107 000 zu­ge­las­se­nen Die­sel­fahr­zeu­ge. Ent­spann­ter ist die La­ge bei den Ben­zi­nern: Wer hier min­des­tens die Ab­gas­norm Eu­ro 3 er­füllt, hat freie Fahrt.

Blaue Pla­ket­te ist für Kret­sch­mann Kö­nigs­weg

Am liebs­ten hät­ten Mi­nis­ter­prä­si­dent Kret­sch­mann (Grü­ne) und sein Ver­kehrs­mi­nis­ter Her­mann bun­des­weit die Ein­füh­rung der blau­en Pla­ket­te, um un­be­denk­li­che Fahr­zeu­ge kennt­lich zu ma­chen und die Au­to­bau­er zu ra­sche­ren In­no­va­tio­nen zu be­we­gen. Die Bun­des­re­gie­rung ist je­doch da­ge­gen. Der Lan­des­re­gie­rung schwebt die Ein­füh­rung ei­ner dau­er­haf­ten blau­en Um­welt­zo­ne in Stutt­gart vor, so­bald 80 Pro­zent der in der Lan­des­haupt­stadt zu­ge­las­se­nen Per­so­nen­wa­gen und leich­ten Nutz­fahr­zeu­ge die An­for­de­run­gen an die neue Pla­ket­te er­fül­len. Dies wird nach Ein­schät­zung von Ver­kehrs­mi­nis­ter Her­mann ab 2020 der Fall sein.

Da die blaue Pla­ket­te als Fort­schrei­bung der der­zei­ti­gen grü­nen ab­seh­bar nicht recht­zei­tig zur Ver­fü­gung steht, wird es auf Vor­schlag von Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­ter Do­brindt (CSU) die jetzt ver­ein­bar­ten tem­po­rä­ren Ver­kehrs­be­schrän­kun­gen ab 2018 an Ta­gen mit Fe­in­stau­balarm ge­ben. Das Land rech­net mit ei­ner 20-pro­zen­ti­gen Aus­nah­me­quo­te.

Fo­to: dpa

DIE FE­IN­STAUB­BE­LAS­TUNG IN STUTT­GART ist er­heb­lich. Des­halb hat sich die grün-schwar­ze Lan­des­re­gie­rung auf Fahr­ver­bo­te für Die­sel­au­tos ge­ei­nigt, die nicht der neu­es­ten Ab­gas­norm ent­spre­chen.

ALS VOR­BILD be­trach­tet Ver­kehrs­mi­nis­ter Win­fried Her­mann Karls­ru­he. Fo­to: Mu­rat

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