Ab­schie­bun­gen nach Af­gha­nis­tan ge­hen wei­ter

Grün-schwar­ze Lan­des­re­gie­rung hält trotz Kri­tik am Kurs fest / Kret­sch­mann: Bund hat die Ver­ant­wor­tung

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO -

Stutt­gart (dpa/lsw). Für die grün­schwar­ze Lan­des­re­gie­rung ist ei­ne Aus­set­zung von Ab­schie­bun­gen nach Af­gha­nis­tan nach wie vor kein The­ma. Mi­nis­ter­prä­si­dent Win­fried Kret­sch­mann (Grü­ne) be­kräf­tig­te in Stutt­gart, dass der Bund für die Ein­schät­zung der Si­cher­heits­la­ge in Af­gha­nis­tan zu­stän­dig sei. „Ob in ein Land ab­ge­scho­ben wird oder nicht, be­stimmt er. Er hat die In­stru­men­te, die Kom­pe­tenz und die Ver­ant­wor­tung und nicht die Bun­des­län­der.“Was an­de­re Bun­des­län­der mach­ten, müss­ten die­se selbst ver­ant­wor­ten, mein­te Kret­sch­mann mit Blick dar­auf, dass zum Bei­spiel Schles­wig-Hol­stein die Ab­schie­bun­gen nach Af­gha­nis­tan aus­setzt. „Wir hal­ten uns an die recht­li­chen Vor­ga­ben und Zu­stän­dig­kei­ten.“

Flücht­lings­or­ga­ni­sa­tio­nen ge­hen da­von aus, dass am heu­ti­gen Mitt­woch die drit­te vom Bund ge­lei­te­te Sam­mel­ab­schie­bung nach Af­gha­nis­tan an­steht. In zwei Ab­schie­bun­gen im De­zem­ber und Ja­nu­ar wur­den nach An­ga­ben des In­nen­mi­nis­te­ri­ums auch acht ab­ge­lehn­te Asyl­be­wer­ber aus Baden-Würt­tem­berg un­ter Zwang in das Land am Hin­du­kusch ge­bracht. Der Flücht­lings­rat, die Lin­ke und die Grü­ne Ju­gend ha­ben die grün-schwar­ze Lan­des­re­gie­rung auf­ge­for­dert, Ab­schie­bun­gen nach Af­gha­nis­tan we­gen der dor­ti­gen Si­cher­heits­la­ge zu­min­dest aus­zu­set­zen. Kret­sch­mann sag­te, die Bun­des­län­der hät­ten bei Ab­schie­bun­gen Spiel­räu­me, was die kon­kre­ten Per­so­nen an­ge­he – nicht beim Zi­el­land.

FDP-Frak­ti­ons­chef Han­sUl­rich Rül­ke kri­ti­sier­te den un­ter­schied­li­chen Um­gang der Bun­des­län­der mit dem The­ma. „Es wä­re wün­schens­wert, dass er (Kret­sch­mann), sei­ner Über­zeu­gung ge­mäß, end­lich auch den Ab­schie­be­stopp ein­zel­ner Bun­des­län­der kri­ti­siert“, sag­te Rül­ke. Grü­nen-Lan­des­che­fin San­dra Det­zer sag­te der Deut­schen Pres­se-Agen­tur, mehr als zehn Jah­re ha­be es aus gu­tem Grund ei­nen Ab­schie­be­stopp nach Af­gha­nis­tan ge­ge­ben. „Es wä­re kla­re grü­ne Po­si­ti­on, den wie­der in Kraft zu set­zen. Aber es gibt da­für im Bund der­zeit kei­ne Mehr­hei­ten.“Die Bun­des­län­der hät­ten die Mög­lich­keit, ei­nen Ab­schie­be­stopp von bis zu drei Mo­na­ten zu ver­hän­gen, räum­te Det­zer ein. Das sei aber kei­ne lang­fris­ti­ge Lö­sung. „Ich fürch­te, dass die Be­wer­tung der Si­cher­heits­la­ge in Af­gha­nis­tan auch po­li­tisch mo­ti­viert ist durch ei­ne CDU, die ho­he Ab­schie­be­zah­len vor­wei­sen möch­te“, sag­te Det­zer mit Blick auf Schwarz-Rot im Bund.

Dass die Ab­schie­be­zah­len auch in Baden-Würt­tem­berg stei­gen, ist für sie ein na­tür­li­cher Vor­gang, weil in den bei­den ver­gan­ge­nen Jah­ren mehr neue Flücht­lin­ge an­ge­kom­men sei­en. „Da steckt ein­fach auch ein Stück weit po­li­ti­sche Show da­hin­ter“, mein­te sie zu CDU-Po­li­ti­kern, die die stei­gen­den Zah­len für ein Er­geb­nis ih­rer Po­li­tik hal­ten.

Mi­nis­ter­prä­si­dent Kret­sch­mann will sich auf Bun­des­ebe­ne wei­ter für ei­ne Stich­tags­re­gel ein­set­zen, nach der gut in­te­grier­te Asyl­be­wer­ber in Deutsch­land blei­ben dür­fen. Da aber mit der Union ei­ne Ei­ni­gung hin­zu­be­kom­men, sei im auf­zie­hen­den Bun­des­tags­wahl­kampf schwie­rig, räum­te er ein.

„Wir hal­ten uns an die recht­li­chen Vor­ga­ben“

Fo­to: dpa (Ar­chiv)

EIN ABSCHIEBEFLUG – wie hier vom Baden-Air­port in Rhein­müns­ter-Söl­lin­gen – soll heu­te ge­plant sein.

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