Malt auch noch mit 103

Ein Haupt­ver­tre­ter der Nach­kriegs­kunst: K. O. Götz

Pforzheimer Kurier - - KULTUR -

Es gibt Ta­ge, an de­nen Karl Ot­to Götz noch Gou­achen in sei­nem Ate­lier im Wes­ter­wald malt. Und das ist durch­aus er­wäh­nens­wert. Denn K.O. Götz, wie ihn al­le nen­nen, wird heu­te 103 Jah­re alt. Der „Ma­ler mit dem Ra­kel“, ei­ner der Haupt­ver­tre­ter der deut­schen abs­trak­ten Kunst der Nach­kriegs­jah­re, ist da­mit der äl­tes­te noch le­ben­de be­deu­ten­de deut­sche Künst­ler. In Frank­reich lebt mit dem 97-jäh­ri­gen Pier­re Sou­la­ges üb­ri­gens noch ein Zeit­ge­nos­se. Sou­la­ges ge­hör­te wie Götz zu den wich­ti­gen Re­prä­sen­tan­ten der eu­ro­päi­schen abs­trak­ten Kunst nach dem Zwei­ten Welt­krieg. Ge­bo­ren wur­de K. O. Götz am 22. Fe­bru­ar 1914 in Aa­chen, noch vor dem Aus­bruch des Ers­ten Welt­kriegs. Un­ter den Na­zis hat­te er we­gen sei­ner Vor­lie­be für Abs­trak­tes Mal­ver­bot. Er war be­freun­det mit Hans Arp und dem tanz­wü­ti­gen Ot­to Dix, dem er mal Jaz­zSchall­plat­ten ins Ate­lier brach­te.

Götz’ Ge­sund­heits­zu­stand sei „un­ver­än­dert sta­bil“, sagt Joa­chim Liss­mann, Vor­stand der K. O. Götz und Ris­sa-Stif­tung. Na­tür­lich ge­he er jetzt im­mer sel­te­ner in sein Ate­lier. Be­glei­tet und un­ter­stützt wer­de Götz da­bei von sei­ner Frau Ris­sa (78). Götz ha­be ge­le­gent­lich auch noch Bild-Ide­en im Kopf, die er aus­pro­bie­re, wenn er sich gut füh­le. Seit vie­len Jah­ren lebt Götz mit der Künst­le­rin Ris­sa in Nie­der­breit­bach-Wol­fe­na­cker im Wes­ter­wald. Sein Au­gen­licht hat ihn lan­ge ver­las­sen, doch mit Hil­fe von Ris­sa kann er wei­ter­ma­len.

2014 wur­de K. O. Götz zu sei­nem 100. Ge­burts­tag mit gro­ßen Aus­stel­lun­gen, un­ter an­de­rem in der Ber­li­ner Neu­en Na­tio­nal­ga­le­rie, ge­ehrt. Das In­ter­es­se an dem Ma­ler, der ei­ner der kraft­volls­ten abs­trak­ten Künst­ler ist, be­steht wei­ter. Mit sei­ner an­dau­ern­den Prä­senz auf dem Kunst­markt nimmt Götz ei­ne Aus­nah­me­stel­lung in der Grup­pe der längst ge­stor­be­nen abs­trak­ten Nach­kriegs­künst­ler wie Ber­nard Schult­ze oder Fred Thie­ler ein. Bis ins Spät­werk wir­ken sei­ne Bil­der, in de­nen die Far­ben zu ex­plo­die­ren schei­nen, ul­tra­mo­dern und avant­gar­dis­tisch. Die groß­for­ma­ti­gen Lein­wand­ar­bei­ten von Götz wer­den heu­te im sechs­stel­li­gen Be­reich ge­han­delt – wenn sie denn über­haupt auf den Markt kom­men. Grund­prin­zi­pi­en der Tech­nik von K. O. Götz sind das schnel­le Ma­len und die Ra­kel­tech­nik. 20 Jah­re lang, von 1959 bis 1979, lehr­te Götz als Pro­fes­sor an der Kunst­aka­de­mie Düs­sel­dorf. Zu sei­nen Schü­lern ge­hör­ten Ger­hard Rich­ter und Sig­mar Pol­ke. dpa

Fo­to: dpa

BE­FREUN­DET MIT DIX war K. O. Götz, der heu­te 103 Jah­re alt wird.

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