Der Charme der ein­fa­chen Welt­sicht

Ver­an­stal­tung im Ho­hen­wart Fo­rum über Rechts­po­pu­lis­mus, AfD und Re­li­gi­on

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Clau­dia Kraus

Ei­ne be­son­de­re Nä­he zur Kirche kön­ne man AfD-Wäh­lern ei­gent­lich nicht zu­spre­chen, und der Ver­dacht, dass sich Men­schen mit re­li­giö­ser Prä­gung eher die­ser Par­tei zu­ge­hö­rig fühl­ten, las­se sich so nicht er­här­ten. Zu die­ser Ein­schät­zung kom­men drei Re­fe­ren­ten, die sich ges­tern im Ho­hen­wart Fo­rum mit dem The­ma „Rechts­po­pu­lis­mus und ra­di­ka­le Re­li­gio­nen“aus­ein­an­der­setz­ten und dar­über mit den rund 20 Teil­neh­mern dis­ku­tier­ten. Die­se wa­ren größ­ten­teils haupt- und eh­ren­amt­li­che Mit­ar­bei­ter und Funk­ti­ons­trä­ger von ka­tho­li­scher und evan­ge­li­scher Kirche so­wie

„AfD hat die meis­ten Kon­fes­si­ons­lo­sen“

Men­schen, die sich in der Flücht­lings­hil­fe en­ga­gie­ren. Ein­ge­la­den hat­te die Evan­ge­li­sche Lan­des­kir­che. Zwei Ver­tre­ter der AfD, die dem Pforz­hei­mer Kreis an­ge­hö­ren, hat­ten sich laut Or­ga­ni­sa­to­ren auch für die Ver­an­stal­tung in­ter­es­siert, „um zu er­fah­ren, was man von ih­nen denkt“, er­klär­te Pfar­rer Uwe Roß­wag-Hof­mann, Ge­schäfts­füh­rer beim Ho­hen­wart-Fo­rum. Aber man woll­te sie nicht da­bei ha­ben, noch nicht.

„Wir wol­len zu­nächst ge­mein­sam schau­en, wie ein in­ner­kirch­li­cher Dia­log ge­führt wer­den kann, wel­che Maß­nah­men ge­trof­fen wer­den sol­len.“Für Mar­tin Rep­pen­ha­gen et­wa (De­kan im Kir­chen­be­zirk Karls­ru­he Land) stellt sich die Fra­ge, wie man mit AfD-Mit­glie­dern bei Kir­chen­rats­wah­len um­geht. Hier­zu ge­be es kei­ne Be­schlüs­se.

Die AfD und ih­re An­hän­ger sei­en höchst he­te­ro­gen, da­rin sind sich Rep­pen­ha­gen, Heinz­pe­ter Hem­pel­mann (evan­ge­li­scher Ober­kir­chen­rat aus Stutt­gart) und Ger­not Mei­er (evan­ge­li­sche Aka­de­mie Karls­ru­he) ei­nig. In ihr ver­sam­mel­ten sich sehr un­ter­schied­li­che Strö­mun­gen, die zu­dem in den Bun­des­län­dern un­ter­schied­lich sei­en. „Der An­teil an Kon­fes­si­ons­lo­sen ist bei der AfD am größ­ten“, sagt Roß­wag-Hof­mann. Dies wi­der­le­ge ei­ne The­se, wo­nach ein mo­no­k­au­sa­ler Zu­sam­men­hang zwi­schen Re­li­gi­on und AfD-Af­fi­ni­tät be­ste­he. Doch an­de­rer­seits ge­be es et­li­che AfD-Mit­glie­der oder Wäh­ler so­wohl bei Got­tes­dienst­be­su­chern, als auch bei Trä­gern kirch­li­cher Äm­ter. Hem­pel­mann spricht von Men­schen mit kon­ser­va­ti­ver, an Tra­di­tio­nen ori­en­tier­ter Grund­hal­tung, die be­son­ders an­fäl­lig sei­en für die AfD – ver­un­si­chert durch das Frem­de, das al­les in­fra­ge stel­le, was man frü­her als Wahr­heit er­lebt ha­be. „Die AfD re­du­ziert die Kom­ple­xi­tät.“Man wäh­le nicht AfD we­gen ih­res Pro­gramms, son­dern, weil man sei­nen Pro­test ar­ti­ku­lie­ren wol­le, weil man sich dann wahr­ge­nom­men füh­le. Es ge­be ei­nen Ka­ta­log von Kri­te­ri­en, meint Rep­pen­ha­gen. „Ist der er­füllt, kauft man an­de­re Din­ge blind mit.“Et­wa Na­tio­na­lis­mus und An­ti­se­mi­tis­mus.

Mai­er will wis­sen, nach wel­cher Den­klo­gik es funk­tio­niert, dass Men­schen glau­ben, in der AfD ei­ne Lö­sung ih­res Pro­blems zu ha­ben. „War­um er­scheint das Han­deln auf ein­mal sinn­voll, ob­wohl sie Sa­chen ma­chen, die ich nicht gut hei­ße?“Wie al­so um­ge­hen mit der AfD, mit Chris­ten in der AfD? Man wol­le ver­ste­hen, oh­ne Ver­ständ­nis zu ha­ben, be­vor man, viel­leicht in ei­ner Fol­ge­ver­an­stal­tung, ein fun­dier­tes Ge­spräch mit ih­nen füh­ren kön­ne.

An­spruch der Ver­an­stal­tung sei auch, den ei­ge­nen Stand­punkt zu hin­ter­fra­gen. „Wir glau­ben ja auch, un­se­re Auf­fas­sung sei die rich­ti­ge.“Das Ge­spräch al­so su­chen, nicht ein­fach mit dem Fin­ger auf An­ders­den­ken­de zei­gen, „re­den, re­den, re­den.“, wie Ger­not Mei­er sagt.

GIBT ES EI­NEN ZU­SAM­MEN­HANG von Re­li­gi­on und Af­fi­ni­tät zur AfD? Dar­über spra­chen ges­tern im Ho­hen­wart Fo­rum Uwe Roß­wa­gHof­mann, Mar­tin Rep­pen­ha­gen, Heinz­pe­ter Hem­pel­mann und Ger­not Mei­er (von links). Fo­to: Eh­mann

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