Zu­gang zu Mu­se­en

Eck­art Köh­ne, Di­rek­tor des Ba­di­schen Lan­des­mu­se­ums, über die Op­ti­on des frei­en Mu­se­um­s­ein­tritts

Pforzheimer Kurier - - ERSTE SEITE -

Der­zeit wird dis­ku­tiert, die Mu­se­en des Lan­des kos­ten­frei zu­gäng­lich zu ma­chen. Eck­art Köh­ne, Di­rek­tor des Ba­di­schen Lan­des­mu­se­ums, sieht da­rin Vor­tei­le.

Seit 2014 ist Eck­art Köh­ne Di­rek­tor des Ba­di­schen Lan­des­mu­se­ums, ei­nes der gro­ßen „Flagg­schif­fe“der Staat­li­chen Mu­se­en im Land. Köh­ne, der als Prä­si­dent des Deut­schen Mu­se­ums­bunds zu­dem Ein­bli­cke in die Tä­tig­keit vie­ler Mu­se­en in ganz Deutsch­land hat, äu­ßer­te sich im Ge­spräch mit un­se­rem Mit­ar­bei­ter Stefan Jeh­le zur ak­tu­el­len Dis­kus­si­on um den mög­li­chen frei­en Ein­tritt in die Mu­se­en im Land. Köh­ne ist für „den Ab­bau mög­lichst vie­ler Bar­rie­ren“, und gibt auch Ein­blick in die seit 1999 be­ste­hen­de Ko­ope­ra­ti­on beim Mu­se­ums­pass am Ober­rhein.

Wa­ren Sie schon ein­mal an ei­nem Mu­se­um tä­tig, das kei­nen Ein­tritt ver­lang­te?

Köh­ne: Nein, noch nicht. Aber ich ken­ne das von vie­len eh­ren­amt­lich be­trie­be­nen Mu­se­en. Ich war aber im­mer an Mu­se­en tä­tig, wo zu­min­dest an ei­nem Nach­mit­tag, oder an ei­nem Tag pro Mo­nat, der Ein­tritt frei war.

Gibt es das auch in Karls­ru­he am Lan­des­mu­se­um?

Köh­ne: Am Lan­des­mu­se­um ha­ben wir den so­ge­nann­ten „Hap­py Fri­day“, mit frei­em Ein­tritt ab 14 Uhr. Wir ha­ben an die­sen Ta­gen meist dop­pelt so vie­le Be­su­cher wie sonst.

Sie sind seit Mai 2014 Prä­si­dent des Deut­schen Mu­se­ums­bunds, und ha­ben da­mit Ein­bli­cke in an­de­re Bun­des­län­der. Wie läuft es an­ders­wo?

Köh­ne: Wir ha­ben ei­nen ge­wis­sen Über­blick dar­über, wenn es neue Ak­tio­nen gibt. Vor et­wa ei­nem Jahr hat das Folk­wang Mu­se­um Es­sen frei­en Ein­tritt in die Samm­lun­gen er­mög­licht. Mit Kom­pen­sa­ti­on der aus­fal­len­den Mit­tel durch die Al­fried Krupp von Boh­len und Hal­bach-Stif­tung. Das The­ma frei­er Ein­tritt wird im­mer wie­der dis­ku­tiert.

Vor 1994 gab es frei­en Ein­tritt in die Mu­se­en des Lan­des Ba­denWürt­tem­berg. Wel­che Er­in­ne­run­gen ha­ben Sie dar­an, auch selbst als ge­bür­ti­ger Karls­ru­her?

Köh­ne: Ich fand das im­mer toll, und ha­be mir schon als Schü­ler die Zeit in den Frei­stun­den im Ba­di­schen Lan­des­mu­se­um ver­trie­ben. Da kam es vor, dass ich auch nur mal für ei­ne hal­be St­un­de in die Aus­stel­lun­gen ging, um et­was Be­stimm­tes zu se­hen – et­wa wenn ich auf dem Weg in den Schloss­gar­ten war…

Wie se­hen Sie als Mu­se­ums­ma­cher das Pu­bli­kum?

Köh­ne: Mu­se­en ar­bei­ten im­mer für ein Pu­bli­kum, und je mehr wir da­von ha­ben, des­to mehr freu­en wir uns. Dem manch­mal im­mer noch auf­kom­men­den Ein­druck, Mu­se­en sei­en ab­ge­ho­be­ne Bil­dungs­tem­pel, wür­de ich sehr ent­ge­gen tre­ten. Die­se Zeit ha­ben wir doch min­des­tens schon seit zwei Ge­ne­ra­tio­nen hin­ter uns ge­las­sen. Al­les an­de­re wä­re doch Post-68er-Folk­lo­re.

Sie wol­len mög­lichst vie­le Bar­rie­ren ab­bau­en. Was heißt das?

Köh­ne: Die mu­sea­le Gr­und­ver­sor­gung, wenn man das so aus­drü­cken möch­te, be­steht für mich im mög­lichst un­kom­pli­zier­ten Zu­gang zu den Schau­samm­lun­gen. Die Mu­se­en ha­ben ja pri­mär die Auf­ga­be, das be­weg­li­che kul­tu­rel­le Er­be zu be­wah­ren und öf­fent­lich zu­gäng­lich zu ma­chen. Der Ti­cket­kauf ist grund­sätz­lich ei­ne Bar­rie­re, selbst wenn es ein nied­ri­ger Ein­tritts­preis ist. Wenn man ei­ne Kar­te löst, muss es sich auch loh­nen. Dann will man min­des­tens ein oder zwei St­un­den im Mu­se­um ver­wei­len.

Wenn der Ein­tritt weg­fällt, ent­fal­len na­tür­lich Ein­nah­men für die Trä­ger der Mu­se­en?

Köh­ne: Die Ein­nah­men sind bis­lang fest in den Haus­hal­ten der Mu­se­en ver­plant. Hier müss­te ei­ne Kom­pen­sa­ti­on er­fol­gen, und dies tat­säch­lich in vol­ler Hö­he. Letzt­lich geht es um ei­ne po­li­ti­sche Ent­schei­dung. Son­der­ak­tio­nen, be­son­ders die Son­der­aus­stel­lun­gen oder Ver­an­stal­tun­gen soll­ten, aus mei­ner Sicht, wei­ter­hin kos­ten­pflich­tig sein mit Ein­trittsti­ckets, denn sie for­dern ei­nen er­höh­ten Auf­wand im Ver­gleich mit Schau­samm­lun­gen.

Ent­lang des Ober­rheins, zwi­schen Mann­heim und Ba­sel, gibt es seit 1999 den Mu­se­ums­pass. Wel­che Er­fah­run­gen ha­ben Sie da­mit?

Köh­ne: Sehr gu­te. Das ist ein Mo­dell, das sich sel­ber trägt und oh­ne Zu­schüs­se aus­kommt. Der Pass sel­ber ist nicht ganz bil­lig, ak­tu­ell kos­tet er für ei­nen Er­wach­se­nen 98 Eu­ro im Jahr. Man kann da­mit ein Jahr lang in die Mu­se­en, in die Schau­samm­lun­gen und in die Son­der­aus­stel­lun­gen der be­tei­lig­ten Part­ner kos­ten­frei rein. Auch un­ser Mu­se­um be­kommt für je­des Ti­cket, das über den Pass ge­löst wird, ei­ne fi­nan­zi­el­le Kom­pen­sa­ti­on aus den Er­lö­sen. Bei den Son­der­aus­stel­lun­gen kom­men et­wa fünf bis sechs Pro­zent der Be­su­cher mit dem Pass ins Mu­se­um. Da­mit wird ja auch der an­ge­spro­che­ne Mehr­fach­be­such deut­lich er­leich­tert…?

Wem ei­ne Aus­stel­lung ge­fal­len hat, der kommt dann wo­mög­lich auch zwei- oder drei­mal. Al­so ein ähn­li­cher Ef­fekt, wie wenn der Ein­tritt kos­ten­los wä­re.

2016 lag die Zahl der ver­kauf­ten Mu­se­ums­päs­se am Ober­rhein bei 44 500. Ist das aus Ih­rer Sicht viel für die­ses Ge­biet?

Köh­ne: Das ist schon ei­ne gro­ße Men­ge. Vor al­lem wenn man die Zahl mit den ein­ge­lös­ten Ein­trit­ten pro Jahr, die laut der Ge­schäfts­stel­le in Ba­sel bei 449 000 liegt, ver­gleicht. Das sind zehn Mu­se­um­s­ein­trit­te pro Jahr, das ist durch­aus be­acht­lich. Wenn man die 44 500 Passin­ha­ber mit fünf Pro­zent gleich­setzt und das Gan­ze mal 20 nimmt, hat man doch ei­nen ganz re­prä­sen­ta­ti­ven An­teil der Be­völ­ke­rung.

Fo­to: Deck

KARLS­RU­HER „SCHLOSSHERR“: Eck­art Köh­ne lei­tet seit 2014 das Ba­di­sche Lan­des­mu­se­um und ist zu­dem Prä­si­dent des Deut­schen Mu­se­ums­bun­des.

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