Patri­cia Kaas an der Oos

Patri­cia Kaas mit gro­ßer Stim­me und klei­ner Band im Fest­spiel­haus Baden-Baden

Pforzheimer Kurier - - ERSTE SEITE -

Ein fran­zö­si­scher Welt­star mach­te Sta­ti­on im Fest­spiel­haus: Patri­cia Kaas be­geis­ter­te ih­re Fans mit star­ker Stim­me und ei­nem Re­per­toire vol­ler Hits.

Vom Lieb­ha­ber, den sie satt hat, singt sie, von der Tris­tesse, die sie stän­dig be­glei­tet, und träumt den­noch von ei­nem Haus am Meer. Patri­cia Kaas hat sich mit ih­rem neu­en Al­bum ge­wis­ser­ma­ßen selbst neu er­fun­den. Al­te und neue Ge­füh­le, klang­voll in­sze­niert, hat „Ma­dame tout le mon­de“bei ih­rer Welt­tour­nee im Rei­se­ge­päck.

Al­ler­welts­frau? Be­schreibt der Song „Ma­dame tout le mon­de“tat­säch­lich die­se quir­li­ge Frau mit der ero­ti­schen Stim­me, die hüft­wie­gend in im­mer wie­der wech­seln­der se­xy Gar­de­ro­be und atem­be­rau­bend hoch­ha­cki­gen Schu­hen über die Büh­ne wir­belt? Zwei­fel­los. Denn sie be­singt in die­sem neu­en Song ei­ne Ama­zo­ne, ei­ne Hu­re und Göt­tin mit Tau­sen­den von Fa­cet­ten, frech, auf­säs­sig, lie­bens­wert, scharf, ab­ge­schminkt und zugleich auch Kämp­fe­rin, ver­liebt – und vor al­lem mu­tig.

Ih­re Stim­me, die schon mit we­ni­gen Tö­nen al­le In­stru­men­te in Grund und Bo­den zu sin­gen ver­mag, wur­de jetzt von ei­ner sehr ver­sier­ten, aber ver­gleichs­wei­se re­du­zier­ten mu­si­ka­li­schen En­tou­ra­ge be­glei­tet. Viel Pia­no, sanft sti­mu­lie­ren­der Rhyth­mus und Sai­ten­klän­ge von E-Gi­tar­re bis Bass, len­ken kei­nen Mo­ment ab vom Kön­nen des fran­zö­si­schen Welt­stars. Patri­cia Kaas braucht die or­ches­tra­len Klän­ge nicht wirk­lich. Ih­re au­ßer­ge­wöhn­li­chen Chan­sons, an­ge­rei­chert mit Jazz- und Pop-Ele­men­ten, ge­hen auch oh­ne viel Klang-Ins­ze­nie­rung zu Her­zen und vor al­lem un­ter die Haut.

Im­mer wie­der bran­det Ap­plaus auf, kaum hat sie die ers­ten Tö­ne ih­rer gro­ßen Hits an­ge­stimmt. Denn oh­ne die geht es im voll be­setz­ten Kon­zert­saal nicht. „Ma­de­moi­sel­le chan­te le blues“und „Mon mec à moi“rei­sen mit auf der Welt­tour­nee, ge­nau­so wie „Auf wie­der­se­hen Li­li Mar­le­ne“. Songs, mit de­nen die trotz mäch­tig viel Reib­ei­sen-Fak­tor den­noch sehr fe­mi­ni­ne Stim­me ih­re Fans re­gel­recht von den Stüh­len holt. Im­mer wie­der gibt es „stan­ding ova­tions“und Sze­nen­ap­plaus, geht das Pu­bli­kum bei al­len Auf­for­de­run­gen von der Büh­ne mit. Schon auf den ge­rings­ten Im­puls hin wird im Takt mit den Fin­gern ge­schnipst oder mit­ge­klatscht. Wil­lig las­sen sich die Be­su­cher von der sich char­mant in erst­klas­si­gem Deutsch selbst an­mo­de­rie­ren­den Blon­di­ne in ei­nen Chor ver­wan­deln und fei­ern ih­ren Star, der im­mer wie­der mit sich selbst ha­dert, mit der Lie­be, dem Äl­ter­wer­den, und all das in den Songs wie­der­gibt, die auch auf dem neu­en Al­bum den et­was düs­te­ren Kaas-Fak­tor nicht los­ge­wor­den sind. Im Baden-Baden gab es frei­lich kei­nen Grund für Tris­tesse. Das Pu­bli­kum fei­er­te Kaas und ver­lang­te nach­drück­lich um Zu­ga­ben, die sie zwei­fach ge­währ­te. Chris­tia­ne Krau­se-Dim­mock

STAR MIT VIE­LEN FA­CET­TEN: Patri­cia Kaas be­geis­ter­te ihr Pu­bli­kum im Fest­spiel­haus, wo sie auf ih­rer Welt­tour­nee Sta­ti­on mach­te. Fo­to: Krau­se-Dim­mock

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