Mehr Trans­pa­renz?

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - BERN­HARD JUNGINGER

Ob Geld schmut­zig ist, kann ei­ne zu­tiefst phi­lo­so­phi­sche Fra­ge sein, schlicht ei­ne hy­gie­ni­sche – oder ei­ne rechtliche. Für den Ge­setz­ge­ber gilt Geld dann als be­schmutzt, wenn es aus ei­ner Straf­tat stammt. Die Beu­te ei­nes Rau­bes, der Er­lös aus Dro­gen­ge­schäf­ten oder Schmier­gel­der ma­chen den Be­sit­zern aber we­nig Freu­de, wenn sie in klei­nen Schei­nen und in Plas­tik ver­packt im WCSpül­kas­ten ver­ste­cken müs­sen. Sie trach­ten da­nach, das Geld zu „wa­schen“, al­so in le­ga­le An­la­gen oder Gü­ter zu ver­wan­deln. Geld­wä­sche ist ein welt­um­span­nen­des Mil­li­ar­den­ge­schäft, von dem ein Heer von Be­ra­tern, Ban­kern, Treu­hän­dern und An­wäl­ten pro­fi­tiert. Wie fan­ta­sie­voll et­wa die Net­ze von Brief­kas­ten­fir­men in ver­schwie­ge­nen Steu­er­pa­ra­die­sen ge­webt sind, zeig­ten die Ent­hül­lun­gen der „Pa­na­ma-Pa­pers“.

Auch Deutsch­land gilt üb­ri­gens als Geld­wä­sche­pa­ra­dies, in dem oft nicht all­zu ge­nau nach der Her­kunft gro­ßer In­ves­ti­tio­nen ge­fragt wird. Die Bun­des­re­gie­rung will jetzt zwar die Ge­set­ze ge­gen Geld­wä­sche, de­ren Mecha­nis­men ja

auch der Ter­ror­fi­nan­zie­rung die­nen, ver­schär­fen. Doch sie bleibt da­bei un­ter ih­ren Mög­lich­kei­ten. So sieht das Ge­setz et­wa die Ein­rich­tung ei­ner Da­ten­bank vor, in der sich et­wa klä­ren lässt, wel­che Per­so­nen tat­säch­lich hin­ter ei­ner Fir­ma ste­hen. Die Re­de ist vom „Trans­pa­renz­re­gis­ter“– schon der Be­griff führt in die Ir­re. Re­gis­ter, das klingt nach Nach­schla­ge­werk oder öf­fent­lich ein­seh­ba­rer Lis­te. Trans­pa­renz be­deu­tet Durch­sich­tig­keit. Das Trans­pa­renz­re­gis­ter soll aber für die Öf­fent­lich­keit gar nicht ein­seh­bar sein.

Bei der Neu­fas­sung des Geld­wä­sche­ge­set­zes hat sich die Bun­des­re­gie­rung viel Zeit ge­las­sen, seit Jah­ren mahnt die Eu­ro­päi­sche Uni­on die Um­set­zung ei­ner ge­mein­sa­men Richt­li­nie an. An­de­re EULän­der wa­ren deut­lich schnel­ler und ha­ben vor al­lem die Spiel­räu­me kon­se­quen­ter aus­ge­schöpft. Selbst in Groß­bri­tan­ni­en, wo die In­ter­es­sen der mäch­ti­gen Fi­nanz­in­dus­trie tra­di­tio­nell ei­nen ho­hen Stel­len­wert ge­nie­ßen, wur­de ein Trans­pa­renz­re­gis­ter ein­ge­führt, das je­der Bür­ger ein­se­hen kann.

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