Toll nur an den tol­len Ta­gen

Kölsch und Alt flie­ßen nur noch wäh­rend des Kar­ne­vals in Strö­men / Bran­che kämpft mit Pro­ble­men

Pforzheimer Kurier - - WIRTSCHAFT - Von Da­ni­el Dre­sen und Rolf Schraa Fo­to: dpa

Düs­sel­dorf/Köln. Alaaf und He­lau: Im Köl­ner und Düs­sel­dor­fer Kar­ne­valstrei­ben flie­ßen die Re­gio­nal­bie­re Kölsch und Alt je­des Jahr in Strö­men. Al­lein 50 Mil­lio­nen Glas Kölsch ge­hen an den we­ni­gen Kar­ne­vals­ta­gen über die The­ke, schätzt Chris­ti­an Ker­ner, Ge­schäfts­füh­rer des Köl­ner Braue­rei-Ver­bands – ein kräf­ti­ger Aus­schlag nach oben in der Ab­satz­kur­ve. An den ge­ne­rel­len Pro­ble­men der Bran­che än­dert das aber nichts: Die Kölsch- und Alt­brau­er ver­zeich­nen ins­ge­samt seit Jah­ren deut­li­che Rück­gän­ge – al­lein von 2015 bis 2016 laut dem Markt­for­schungs­un­ter­neh­men Niel­sen um 3,4 Pro­zent beim Kölsch und 6,1 Pro­zent beim Alt.

Die Grün­de für den Rück­gang se­hen Ex­per­ten teils in den Rah­men­be­din­gun­gen, die seit Jah­ren auch den Bier­ab­satz ins­ge­samt drü­cken: Mehr Ge­sund­heits­be­wusst­sein und da­mit Zu­rück­hal­tung beim Al­ko­hol so­wie stren­ge­re Vor­ga­ben am Ar­beits­platz und im Stra­ßen­ver­kehr. Beim Kölsch und Alt ver­läuft die Ent­wick­lung aber un­ter­schied­lich: Das Alt schrumpft deut­lich stär­ker. So brach der Ab­satz beim Markt­füh­rer Die­bels Alt nach Angaben des Fach­ma­ga­zins In­si­de Ge­trän­ke in­ner­halb von 15 Jah­ren von 1,6 Mil­lio­nen auf knapp 350 000 Hek­to­li­ter (2016) ein. Über­re­gio­na­le Alt­bier­braue­rei­en wie Han­nen Alt, die einst über ei­ne Mil­li­on Hek­to­li­ter pro Jahr aus­stie­ßen, schrumpf­ten fast auf Haus­brau­er­ei­ni­veau: Zu­sam­men mit Gatz­wei­ler setz­te Han­nen 2015 nach Angaben des Fach­ma­ga­zins „Brau­welt“nur noch rund 40 000 Hek­to­li­ter ab. Längst ge­hö­ren bei­de Braue­rei­en zum in­ter­na­tio­na­len Carls­berg-Kon­zern.

Sehr viel ro­bus­ter hält sich da­ge­gen Kölsch: Die hei­mat­ver­lieb­ten Köl­ner hal­ten auch beim Trin­ken ih­rem Bier die Treue: „Mir drin­ke Kölsch und schwaa­de Kölsch“(„Wir trin­ken und re­den Kölsch“), fasst es „Haus Köl­scher Brau­tra­di­ti­on“zu­sam­men. Vier von fünf Glä­sern Bier, die in Köln an der The­ke ge­trun­ken wer­den, ent­hiel­ten Kölsch. Auch ein­schließ­lich des Kas­ten­ver­kaufs im Han­del kom­me Kölsch noch auf über 60 Pro­zent. Im „Haus Köl­scher Brau­tra­di­ti­on“, das zum Ra­de­ber­ger-Kon­zern zählt, sind die fünf Braue­rei­en Si­on, Ses­ter, Pe­ters, Dom und Gil­den zu­sam­men­ge­fasst. Ins­ge­samt be­le­gen sie Platz zwei im Ab­satz mit rund 530 000 Hek­to­li­tern 2015. Markt­füh­rer mit über 600 000 Hek­to­li­tern ist die Reiss­dor­fP­ri­vat­braue­rei, die sich als ei­ne der we­ni­gen gro­ßen Braue­rei­en auch ih­re Un­ab­hän­gig­keit be­wah­ren konn­te.

Ins­ge­samt ka­men die Kölsch-Braue­rei­en 2015 auf über zwei Mil­lio­nen Hek­to­li­ter Aus­stoß – gut dop­pelt so viel wie beim Alt. „Es scheint, dass der Lo­kal­be­zug bei Alt­bier-Braue­rei­en nicht so aus­ge­prägt ist“, sagt Bran­chen-Ana­lys­tin Ina Verstl. Die Alt-Brau­er sei­en ei­ne he­te­ro­ge­ne Grup­pe mit Stand­or­ten in Is­sum, Krefeld, Mön­chen­glad­bach und Düs­sel­dorf. Als Er­folgs­re­zept der Köl­ner Brau­er sieht sie da­ge­gen, dass sie sich „nach au­ßen ein­heit­lich prä­sen­tie­ren und Lo­kal­pa­trio­tis­mus ver­mit­teln“. Kölsch muss schließ­lich in Köln und ei­ni­gen Vo­r­or­ten ge­braut wer­den – sonst darf es den Na­men nicht tra­gen. Für das Alt wä­re die Grün­dung ei­nes Düs­sel­dor­fer Alt­bierVer­bands ein Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung, um sich als ei­ne ein­heit­li­che Mar­ke zu prä­sen­tie­ren, so Verstl.

KÖLSCH UND ALT kämp­fen mit Ab­satz­rück­gän­gen – ei­ne Aus­nah­me bleibt die Kar­ne­vals­zeit.

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