Debatte nimmt an Fahrt auf

SPD mit neu­em Vor­stoß zur Be­gren­zung von Ma­na­ger­ge­häl­tern

Pforzheimer Kurier - - WIRTSCHAFT -

Berlin. Ei­ne „gol­de­ne Be­triebs­ren­te“für Ex-VW-Vor­stands­chef Mar­tin Win­ter­korn oder ei­ne zwei­stel­li­ge Mil­lio­nen­ab­fin­dung für ei­ne Vor­stands­frau mit SPD-Par­tei­buch – die Debatte über die Be­zah­lung von Top­ma­na­gern hat im Wahl­jahr wie­der Fahrt auf­ge­nom­men. Kri­ti­ker mo­nie­ren, dass die Wirt­schaft ver­säumt hat, selbst et­was zu tun. Dar­auf will die SPD mit ei­nem Ge­setz re­agie­ren. Un­se­re Mit­ar­bei­ter An­dré Stahl und Tim Brau­ne ge­ben Antworten auf Fragen zum The­ma Ma­na­ger­ge­häl­ter.

Was schlägt die SPD jetzt vor?

Ak­ti­en­ge­sell­schaf­ten sol­len von den Ge­samt­be­zü­gen für ih­re Vor­stän­de nur noch höchs­tens 500 000 Eu­ro pro Jahr und Ma­na­ger von der Steu­er ab­set­zen dür­fen. Auch sol­len die Ei­gen­tü­mer bei der Haupt­ver­samm­lung ein Ma­xi­mal­ver­hält­nis fest­le­gen, um wel­chen Fak­tor ein Ma­na­ger mehr ver­die­nen darf als das Durch­schnitts­ge­halt im Kon­zern. Geht es dem Un­ter­neh­men schlecht und ha­ben Vor­stän­de Feh­ler ge­macht, soll der Auf­sichts­rat von ih­nen Geld zu­rück­for­dern kön­nen. Hier dürf­te es mit der Ab­gren­zung noch sehr schwie­rig wer­den. Und ob die Uni­on die Plä­ne über­haupt mit­trägt, ist noch of­fen.

War­um kön­nen Fir­men Ge­häl­ter über­haupt von der Steu­er ab­set­zen?

In Deutsch­land gilt das so­ge­nann­te Net­to­prin­zip. Be­steu­ert wird das ver­blei­ben­de Net­to­ein­kom­men. Kos­ten, um Ein­nah­men zu er­zie­len, kön­nen ab­ge­setzt wer­den. Fir­men be­zah­len Steu­ern al­so auf ih­re Ein­nah­men – ab­züg­lich der Be­triebs­aus­ga­ben. Be­mes­sungs­grund­la­ge ist der Ge­winn. Das Fi­nanz­amt stuft Be­triebs­aus­ga­ben als durch den Be­trieb ver­an­lass­te Auf­wen­dun­gen ein – et­wa Kos­ten für Roh­stof­fe, Auf­wen­dun­gen für Mar­ke­ting – und Per­so­nal­kos­ten. Wird ei­ne Schwel­le bei den Bo­ni ge­setzt, steigt da­mit der ge­gen­über dem Fis­kus aus­ge­wie­se­ne Ge­winn und so die Steu­er­last des Un­ter­neh­mens.

Fi­nan­ziert die All­ge­mein­heit über­höh­te Ge­häl­ter mit?

Nein. Ge­häl­ter sind vom Lohn­emp­fän­ger mit sei­nem per­sön­li­chen Steu­er­satz zu ver­steu­ern. Ei­ne Be­gren­zung des steu­er­li­chen Be­triebs­aus­ga­ben­ab­zugs wür­de zu ei­ner Dop­pel­be­steue­rung bei Ar­beit­neh­mer und Ar­beit­ge­ber füh­ren – zu­nächst auf Un­ter­neh­mens­ebe­ne und dann er­neut beim Ein­kom­mens­be­zie­her.

Kann man vom „Net­to­prin­zip“ab­wei­chen?

Durch­aus. Ei­ne Be­schrän­kung der Ab­zugs­fä­hig­keit von Ma­na­ger­ge­häl­tern sei aber nicht tri­vi­al, heißt es im Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um. SPD-Frak­ti­ons­chef Tho­mas Op­per­mann sagt da­ge­gen, er wür­de fast sei­ne Hand da­für ins Feu­er le­gen, dass das Kon­zept sei­ner Par­tei vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt be­ste­hen kön­ne. Kri­ti­ker ver­wei­sen auf das Grund­ge­setz und den dort ver­an­ker­ten Gleich­heits­grund­satz. Karls­ru­he lässt Ab­wei­chun­gen vom Net­to­prin­zip in be­grenz­tem Um­fang zu.

Wie ha­ben sich die Ma­na­ger­ge­häl­ter denn ent­wi­ckelt?

Nach ei­ner Stu­die der Hans-Böck­lerStif­tung ha­ben 2014 Vor­stän­de von Dax-Un­ter­neh­men im Mit­tel 57-mal so viel wie im Schnitt ein Be­schäf­tig­ter ih­rer Fir­ma er­hal­ten. 2005 war es 42-mal so viel, im Jahr 2011 war es das 62-fa­che.

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