„Kei­ne Reue“bei An­ge­klag­tem

Staats­an­wäl­tin be­an­tragt dras­ti­sche Haft­stra­fe im Ha­schisch­pro­zess

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM -

vie. Ge­lin­des Ent­set­zen im Zu­schau­er­raum und bei der Ver­tei­di­gung lös­te ges­tern der Straf­an­trag von Staats­an­wäl­tin Chris­ti­ne Ro­sch­in­ski aus: Sie be­an­trag­te sie­ben Jah­re und neun Mo­na­te Haft we­gen ban­den­mä­ßi­gen Han­del­trei­bens mit Be­täu­bungs­mit­teln in nicht ge­rin­ger Men­ge für den 62-jäh­ri­gen An­ge­klag­ten, der, wie be­rich­tet, im Vor­jahr 30 Ki­lo­gramm Ha­schisch­pro­duk­te von ei­nem Freund in Hol­land an­ge­nom­men und hier ver­kauft hat­te. Da­bei hat­te er pro Lie­fe­rung zu je zehn Ki­lo­gramm 5 000 Eu­ro ver­dient. Die letz­te Lie­fe­rung hat­te er zwar be­zahlt (wie im­mer 50 000 Eu­ro Vor­kas­se), aber die­se wur­de von der Po­li­zei in Emp­fang ge­nom­men.

Staats­an­wäl­tin Ro­sch­in­ski konn­te in dem „ent­spannt da­sit­zen­den“An­ge­klag­ten „kei­ne Reue“ent­de­cken. Sie sah, im Ge­gen­satz zu Ver­tei­di­ge­rin Andrea Kö­nig-Bie­bel­hei­mer, ban­den­mä­ßi­ges Vor­ge­hen. Man ha­be den An­ge­klag­ten nicht, wie er selbst ge­sagt hat­te, „zum Ja­gen tra­gen“müs­sen, son­dern er sei vom Lie­fe­ran­ten nach sei­nem Be­darf ge­fragt wor­den. Der hol­län­di­sche Lie­fe­rant, der Ku­ri­er und der An­ge­klag­te hät­ten sich al­so zu­sam­men­ge­schlos­sen, um ein auf die Zu­kunft ge­rich­te­tes Ge­schäft auf­zu­bau­en. Wo­für auch das in der letz­ten Lie­fe­rung ent­hal­te­ne Pro­be­tüt­chen Ma­ri­hua­na spre­che. Zu­dem be­an­trag­te die Staats­an­wäl­tin das Ver­mö­gen des An­ge­klag­ten in Hö­he von 13 000 Eu­ro ein­zu­zie­hen, so­wie ei­nen Wert­er­satz in Hö­he von 110’000 Eu­ro an­zu­set­zen. Was sei­ner Ei­gen­tums­woh­nung zu ver­rech­nen sei.

Die be­an­trag­te Stra­fe, wie Ver­tei­di­ge­rin Kö­nig-Bie­bel­hei­mer kon­sta­tier­te, sei vor­stell­bar bei Tä­tern, die jah­re­lang ban­den­mä­ßig Ge­schäf­te ge­tä­tigt hät­ten. Nicht aber bei ei­nem Mann, der in­ner­halb ei­nes hal­ben Jah­res drei­mal ge­fäl­lig­keits­hal­ber wei­che Dro­gen von ei­nem in Fi­nanz­not ge­ra­te­nen Freund ab­ge­nom­men ha­be. Und noch nie ha­be sie ge­hört, dass ei­ne Kör­per­hal­tung („ent­spannt“, laut Staats­an­wäl­tin) für man­geln­de Reue spre­che. Von ei­ner Ban­de kön­ne kei­ne Re­de sein, ihr Man­dant sei le­dig­lich Ab­neh­mer ge­we­sen. Dass er nicht mehr mit­ma­chen woll­te, ha­be die Te­le­fon­über­wa­chung be­wie­sen. Die Ver­tei­di­ge­rin woll­te kei­nen kon­kre­ten An­trag stel­len, sie „hof­fe aber auf ei­ne an­ge­mes­se­ne Stra­fe“. Au­ßer­dem gab sie zu be­den­ken, dass die Ei­gen­tums­woh­nung des An­ge­klag­ten nicht mit Hil­fe der an­ge­klag­ten Ta­ten er­wor­ben wur­de. Mit ih­rem Ein­zug rui­nie­re man sein Le­bens­werk. Vor den Plä­doy­ers hat­te der Ku­ri­er als Zeu­ge aus­ge­sagt. Wie er es dar­stell­te, war er das rei­ne Un­schulds­lamm, hat­te kaum et­was ge­wusst, we­nig ver­dient, aber drei Jah­re Haft kas­siert. Dem ent­ge­gen stan­den zwar Te­le­fo­na­te mit Schwes­ter und Mut­ter, in de­nen er da­von sprach, mo­nat­lich et­wa „sechs Mil­le“mit Ku­rier­diens­ten ein­ste­cken zu kön­nen, auch ohne den An­ge­klag­ten, der „ei­nen Nach­fol­ger sucht“. „Ist Ih­re Mut­ter auch drauf?“er­kun­dig­te sich Vor­sit­zen­der Rich­ter An­dre­as Heid­rich. Weil die al­te Da­me wohl­wol­lend in­ter­es­siert den Plä­nen des Soh­nes ge­lauscht hat­te. „Na­tür­lich nicht“, ver­si­cher­te die­ser.

Das Ur­teil soll am 6. März, 10 Uhr, ver­kün­det wer­den. Chris­tia­ne Vieh­weg

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