Sym­bol­fi­gur ei­ner Ju­gend­be­we­gung

Warm­her­zi­ger Do­ku­men­tar­film über den Mu­si­ker und Bür­ger­schreck Frank Zap­pa im Kom­mu­na­len Ki­no

Pforzheimer Kurier - - KULTUR IN PFORZHEIM -

Zu Leb­zei­ten be­reits ei­ne Le­gen­de, doch al­les an­de­re als un­um­strit­ten, gilt Frank Zap­pa als ei­ner der ein­fluss­reichs­ten Rock­mu­si­ker al­ler Zei­ten. Fil­me­ma­cher Tho­mas Schüt­te hat­te ge­plant sei­nem Ju­gen­d­idol ei­nen Do­ku­men­tar­film zu wid­men, der aus­schließ­lich aus Ar­chiv­auf­nah­men zu­sam­men­ge­stellt wer­den soll­te. „Von der Idee bis zum fer­ti­gen Film war es je­doch ei­ne ech­te Odys­see“, be­rich­te­te der Re­gis­seur von „Eat that ques­ti­on – Frank Zap­pa in his own words“bei der Vor­füh­rung im Kom­mu­na­len Ki­no in Pforz­heim vor rund 70 Zu­schau­ern. Die Familie des 1993 ver­stor­be­nen Künst­lers, al­len vor­an sei­ne mitt­ler­wei­le eben­falls ver­stor­be­ne Wit­we Gail, hät­ten sich näm­lich zu­nächst über­aus un­ko­ope­ra­tiv ge­zeigt.

„Gail ging es im­mer dar­um, die mu­si­ka­li­sche Schöp­fung ih­res Man­nes an­ge­mes­sen zu wür­di­gen“, er­zähl­te Schüt­te. Dies hät­te sie da­zu ver­an­lasst „al­les und je­den mit Kla­gen zu über­zie­hen“, der es wag­te, das Le­bens­werk ih­res Man­nes zu the­ma­ti­sie­ren. Ein Jah­re vor dem Schüt­te-Film ent­stan­de­ner Do­ku­men­tar­film ei­nes fran­zö­si­schen Teams sei kurz vor der Ver­öf­fent­li­chung noch durch ei­ne Ur­he­ber­rechts­kla­ge von Gail Zap­pa ver­hin­dert wor­den. Schließ­lich ha­be er die Frau je­doch per­sön­lich ge­trof­fen und sei­ne Ab­sich­ten er­läu­tert, wor­auf­hin er ih­re Zu­sa­ge er­hal­ten ha­be.

„Es hat dann noch wei­te­re vier Jah­re ge­dau­ert, bis ich sie da­zu be­we­gen konn­te, ei­nen Ver­trag mit uns auf­zu­set­zen“, er­zähl­te der Stutt­gar­ter Fil­me­ma­cher wei­ter.

Die fer­ti­ge Do­ku­men­ta­ti­on ha­be Gail Zap­pa – der Schüt­te den Film wid­me­te – we­ni­ge Wo­chen vor ih­rem Tod noch zu­sam­men mit ih­ren Kin­dern ge­se­hen und für gut be­fun­den. Der Do­ku­men­tar­film zeigt an­nä­hernd chro­no­lo­gisch an­ge­ord­net In­ter­view-Aus­schnit­te und Auf­nah­men von Kon­zer­ten so­wie frü­he und spä­te­re Fern­seh­auf­trit­te in Talk­shows und Nach­rich­ten­sen­dun­gen. Frank Zap­pa spricht über Mu­sik und die Me­dien­bran­che, kri­ti­siert die Ge­sell­schaft und steht Jour­na­lis­ten und Po­li­ti­kern wort­ge­wandt Re­de und Ant­wort.

Über des­sen be­stän­di­gen Kämp­fe ge­gen Zen­sur bis hin zur An­er­ken­nung als Kom­po­nist und zu ei­nem sei­ner letz­ten In­ter­views, be­reits im An­ge­sicht des To­des – Schüt­te legt ein be­we­gen­des Do­ku­ment vor. Da­bei lernt der Zu­schau­er den Mu­si­ker, sei­ne An­sich­ten und Über­zeu­gun­gen ken­nen und er­hält ei­ne Ah­nung von der Per­son hin­ter der schnurr­bär­ti­gen Sym­bol­fi­gur ei­ner gan­zen Ju­gend­be­we­gung.

Als Bür­ger­schreck und Kul­tur­ver­nich­ter wird der Mu­si­ker be­zeich­net, sieht sich Spott, Ver­ach­tung und halt­lo­sen Be­schul­di­gun­gen aus­ge­lie­fert. Trotz­dem bleibt er stets sou­ve­rän und in­te­ger.

Zap­pas Hu­mor und Scharf­sinn tra­gen den Film, auch weil sei­ne Ge­sell­schafts­kri­tik nichts von ih­rer Ak­tua­li­tät ein­ge­büßt hat. Und wenn­gleich we­ni­ger schö­ne Sei­ten sei­ner Un­kor­rekt­heit nicht aus­ge­spart wer­den, et­wa sein un­ver­hoh­le­ner Se­xis­mus, ent­steht ein warm­her­zi­ges Bild. Nicht nur dem Künst­ler, auch dem Men­schen Zap­pa ist man am En­de nä­her­ge­kom­men. Phil­ipp Rohn

Re­gis­seur Schüt­te wid­met Por­trait Gail Zap­pa

Fo­to: PK

THO­MAS SCHÜT­TE spricht in Pforz­heim über sei­nen Do­ku­men­tar­film „Eat that ques­ti­on“, der den Men­schen Frank Zap­pa in all sei­nen Fa­cet­ten dar­stellt.

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