Ein kon­se­quen­ter Wi­der­stands­kämp­fer

Aus­stel­lung über Hit­ler-At­ten­tä­ter Ge­org El­ser

Pforzheimer Kurier - - KULTUR IN PFORZHEIM -

Es ist der 8. No­vem­ber 1939, als Adolf Hit­ler zum Jah­res­tag sei­nes ge­schei­ter­ten Put­sches nach Mün­chen kommt, um im Münch­ner Bür­ger­bräu­kel­ler ei­ne Re­de zu hal­ten. Weil sein Rück­flug nach Berlin we­gen Ne­bels aus­fal­len muss und er ge­zwun­gen ist, auf die Bahn aus­zu­wei­chen, ver­lässt er das Lo­kal frü­her als ge­plant. Um 21.07 Uhr. Um 21.20 Uhr er­schüt­tert ei­ne ge­wal­ti­ge Ex­plo­si­on den Saal. Die von Ge­org El­ser in ei­ner Säu­le de­po­nier­te Bom­be mit dem Zeit­zün­der tö­tet acht Men­schen und ver­letzt 63 Be­su­cher.

Mit die­sem ge­wal­ti­gen Bild vor Au­gen er­öff­net Kunst­his­to­ri­ke­rin Chris­ti­na Klit­tich am Di­ens­tag­abend in der Stadt­bi­blio­thek ih­ren Vortrag über den Wi­der­stands­kämp­fer Ge­org El­ser. Die­ser ist fo­to­gra­fisch auch auf zahl­rei­chen Stell­wän­den im Foy­er zu se­hen. Die Wan­der­aus­stel­lung der Lan­des­zen­tra­le für po­li­ti­sche Bil­dung über das Le­ben und Wir­ken des Schrei­ners er­öff­net au­ßer­dem den Blick auf Ver­neh­mungs­pro­to­kol­le, Aus­zü­ge aus Brie­fen und gibt ei­ne um­fas­sen­de Vor­stel­lung von ei­nem der „kon­se­quen­tes­ten Geg­ner der NS-Dik­ta­tur“, wie Bür­ger­meis­te­rin Si­byl­le Schüs­s­ler fin­det, die die Aus­stel­lung er­öff­net.

Wie „ent­schlos­sen und kon­se­quent“Ge­org El­ser die Be­sei­ti­gung von Hit­ler und der NS-Füh­rungs­spit­ze plan­te, zeigt Klit­tich auf. Der Mann ha­be früh die Vor­be­rei­tung ei­nes Kriegs er­kannt. Ge­org El­ser mie­te­te in Mün­chen ein Zim­mer und gab sich als Er­fin­der aus. Dann ließ er sich 30 Näch­te lang im Bür- ger­bräu­kel­ler ein­schlie­ßen, um den Schacht in der Säu­le für die Bom­be vor­zu­be­rei­ten. Als die Bom­be hoch­ging war er be­reits auf der Flucht, wur­de al­ler­dings in Kon­stanz bei dem Ver­such, in die Schweiz zu ge­lan­gen, ge­fasst. Sei­ne Grenz­kar­te war ab­ge­lau­fen und er hat­te Tei­le ei­nes Zün­ders bei sich.

Ab 1941 wur­de Ge­org El­ser als „Son­der­häft­ling des Füh­rers“im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger (KZ) Sach­sen­hau­sen, spä­ter im KZ Dach­au ohne Ge­richts­ver­fah­ren ge­fan­gen­ge­hal­ten. Nach dem „End­sieg“soll­te er in ei­nem Schau­kampf ver­ur­teilt wer­den. Da­zu kam es nicht mehr; am Abend des 9. April 1945 wur­de Ge­org El­ser nach über fünf Jah­ren Haft heim­lich er­mor­det. Sei­ne Familie, die un­ter gro­ßen Re­pres­sa­li­en lei­den muss­te, er­fuhr lan­ge nichts da­von. Als ihn sei­ne Mut­ter ge­fragt ha­be, war­um er das ge­tan ha­be, lau­te­te sei­ne Ant­wort: „Weil ich den Krieg ver­hin­dern woll­te“. Er woll­te, so Chris­ti­na Klit­tich, „noch grö­ße­res Blut­ver­gie­ßen ver­hin­dern“.

Wie zer­brech­lich Frie­den ist, se­he man je­den Tag in den Nach­rich­ten, sag­te Bür­ger­meis­te­rin Schüs­s­ler. Das Au­gen­merk beim Pro­gramm rund um den Pforz­hei­mer Ge­denk­tag müs­se da­her auf Frie­den, To­le­ranz und Zi­vil­cou­ra­ge lie­gen. Su­san­ne Roth

„Ich woll­te den Krieg ver­hin­dern“

Fo­to: Wa­cker

DIE BE­DEU­TUNG DER AUS­STEL­LUNG über den Hit­ler-At­ten­tä­ter Ge­org El­ser er­läu­tern Chris­ti­na Klit­tich, Si­byl­le Schüs­s­ler und An­ge­li­ka Dre­scher (von links).

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