Stro­bls Kampf­an­sa­ge

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - TO­BI­AS ROTH

Die Asyl­po­li­tik war von An­fang an so et­was wie ei­ne Soll­bruch­stel­le der grün­schwar­zen Lan­des­re­gie­rung. In der Mecha­nik sind die­se Ele­men­te so kon­stru­iert, dass sie bei Über­last nach­ge­ben. Dem Ver­fah­ren liegt die An­nah­me zu Grun­de, dass ein Bau­teil nicht ewig hält und das Ka­putt­ge­hen zu­min­dest be­re­chen­bar bleibt. Das grün-schwar­ze Süd­west­kon­strukt ma­nö­vriert ge­ra­de durch die Ab­schie­bun­gen nach Af­gha­nis­tan hart an der Gren­ze zur Über­last. Und das aus gu­tem Grund.

18 Af­gha­nen sa­ßen am Mitt­woch­abend in ei­nem Flug­zeug, das von Mün­chen aus in Rich­tung Ka­bul ab­hob. Vier da­von ka­men aus Ba­den-Würt­tem­berg. Die Ak­ti­on hat Sym­bol­kraft, weil die CDU in Bund und Land sol­che Ab­schie­bun­gen ger­ne als Be­leg für tat­kräf­ti­ge und ent­schlos­se­ne Asyl­po­li­tik ver­kauft. Der­lei Bot­schaf­ten sind ge­ra­de ge­fragt. Bei den Grü­nen al­ler­dings krat­zen sie hef­tig am Selbst­ver­ständ­nis. Des­halb hat­ten sich die Ko­ali­ti­ons­part­ner ei­gent­lich dar­auf ver­stän­digt, dass man (wenn es schon sein muss) nach Af­gha­nis­tan nur Straf­tä­ter und al­lein­ste­hen­de Män­ner zu­rück­schickt. Das war der kleins­te ge­mein­sa­me Nen­ner, ein Kom­pro­miss mit

beid­sei­ti­gen Schmer­zen. Nun stopp­ten al­ler­dings der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof und das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zwei Rück­füh­run­gen – die ei­nes psy­chisch Kran­ken und die ei­nes Va­ters von ei­nem schwer­be­hin­der­ten, min­der­jäh­ri­gen Kind. Es war nicht das ers­te Mal, dass die Jus­tiz bei Ab­schie­bun­gen aus dem Süd­wes­ten Gren­zen zieht. Bei den Grü­nen müs­sen die­se Fäl­le wie ei­ne Kampf­an­sa­ge des CDU-In­nen­mi­nis­ters Tho­mas Strobl wir­ken. Sein Mi­nis­te­ri­um hat­te die Lis­te der Ab­zu­schie­ben­den er­stellt und na­tür­lich drängt sich nun der Ein­druck auf, dass es Stro­bls Mann­schaft vor al­lem dar­um ging, ei­ne Af­gha­nis­tanQuo­te zu er­fül­len. Die Ein­zel­fall­prü­fung je­den­falls ist of­fen­sicht­lich in den Hin­ter­grund ge­ra­ten. Dass das Staats­mi­nis­te­ri­um mit Mi­nis­ter­prä­si­dent Win­fried Kret­sch­mann nun „Ge­sprächs­be­darf“sieht, ist ei­ne di­plo­ma­ti­sche Flos­kel un­ter Ko­ali­ti­ons­part­nern. Im Grun­de kracht es ge­wal­tig. Und die Sa­che wird sich noch ver­schär­fen, je nä­her die Bun­des­tags­wahl rückt. Wenn Grü­ne und CDU im Kampf um Wäh­ler­stim­men ih­re Pro­fi­le schär­fen, wird sich im Land die Un­ver­ein­bar­keit der Po­si­tio­nen in der Asyl­po­li­tik nicht mehr ewig ka­schie­ren las­sen.

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