„Das Res­t­ri­si­ko ist nicht ver­tret­bar“

BUND for­dert Ab­schal­tung der Atom­mei­ler

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Susanne Kup­ke DER AKW-BE­TREI­BER EnBW muss ei­nen Fra­gen­ka­ta­log ab­ar­bei­ten. Fo­to: dpa

Phil­ipps­burg/Stutt­gart. Wie erd­be­ben­si­cher ist der Atom­mei­ler in Phil­ipps­burg? Das zu­stän­di­ge Um­welt­mi­nis­te­ri­um in Stutt­gart stellt dem Be­trei­ber EnBW da­zu boh­ren­de Fra­gen. Um­welt­schüt­zer for­dern der­weil die Ab­schal­tung des Mei­lers.

Der Karls­ru­her Ener­gie­ver­sor­ger­muss nach Män­geln im Not­spei­se­sys­tem, die im De­zem­ber ent­deckt wor­den wa­ren, nun ei­nen um­fang­rei­chen Fra­ge­ka­ta­log des Mi­nis­te­ri­ums ab­ar­bei­ten. „Wir be­grü­ßen nach­drück­lich das kon­se­quen­te und si­cher­heits­ge­rich­te­te Han­deln des Um­welt­mi­nis­te­ri­ums“, sagt Hart­mut Wein­re­be, Re­gio­nal­ge­schäfts­füh­rer des Bun­des für Um­welt und Na­tur­schutz Deutsch­land (BUND). Erst nach Prü­fung der Ant­wor­ten wer­de ein Wie­der­an­fah­ren des Mei­lers durch das Mi­nis­te­ri­um zu­ge­las­sen.

Die Un­ter­su­chung des von den Grü­nen ge­führ­ten Um­welt­mi­nis­te­ri­ums hat­te er­ge­ben, dass bei schwe­ren Er­schüt­te­run­gen „mög­li­cher­wei­se al­le vier Not­spei­se­sys­te­me in ih­rer Funk­ti­on (Küh­lung des Re­ak­tors) be­ein­träch­tigt“ge­we­sen wä­ren. „Das ist schon ein gra­vie­ren­des Er­eig­nis“, be­ton­te ein Mi­nis­te­ri­ums­spre­cher. Die EnBW hat nach ei­ge­nen An­ga­ben „kurz­fris­tig tech­ni­sche Er­satz­maß­nah­men“für die de­fek­ten Tei­le ge­schaf­fen und will die Be­fes­ti­gung der Be­lüf­tungs­ka­nä­le im Rah­men der Re­vi­si­on op­ti­mie­ren. Zu­gleich soll die Ur­sa­che der Män­gel genau un­ter­sucht und be­wer­tet wer­den. Da­bei sei­en auch Gut­ach­ter ein­ge­bun­den. Da­nach soll KKP 2 wie­der ans Netz. Der BUND spricht von ei­nem „Skan­dal“. Ge­schäfts­füh­rer Wein­re­be be­kräf­tig­te des­halb die For­de­rung nach Ab­schal­tung al­ler Kern­kraft­wer­ke im Land: „Das Res­t­ri­si­ko ist nicht ver­tret­bar.“Die ka­put­ten Bol­zen zeig­ten, dass Stör­fäl­le nicht si­cher be­herrsch­bar ge­we­sen wä­ren.

Die De­fek­te hat­ten am 21. De­zem­ber zur vor­zei­ti­gen Ab­schal­tung des Mei­lers KKP 2 kurz vor der oh­ne­hin ge­plan­ten Re­vi­si­on ge­führt. Wann der Block wie­der ans Netz geht, ist noch un­klar. Ge­plant war En­de März. Be­vor nicht al­le Fra­gen ge­klärt sind, bleibt KKP 2 ab­ge­schal­tet. „Wir wer­den uns die Ant­wor­ten ganz genau an­schau­en“, un­ter­strich der Mi­nis­te­ri­ums­spre­cher.

Block 2 soll bis ma­xi­mal En­de 2019 Strom pro­du­zie­ren. Der äl­te­re Meiler in Phil­ipps­burg, KKP 1, war schon im Zu­ge des Atom­aus­stiegs 2011 ab­ge­schal­tet wor­den. Die EnBW hat­te die De­fek­te im De­zem­ber un­ter an­de­rem da­mit be­grün­det, dass die De­cke an ein­zel­nen Stel­len auf der Hal­te­rung auf­liegt und sie so be­schä­dig­te. Das Un­ter­neh­men stuf­te die Stö­rung als So­fort­mel­dung und in der in­ter­na­tio­na­len Be­wer­tungs­ska­la als Ka­te­go­rie 1 auf der sie­ben­stu­fi­gen Ines-Ska­la ein.

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