„Wir müs­sen Arsch­trit­te ver­tei­len“

Kampf­an­sa­gen im Ram­pen­licht: Die 89. Os­car-Ga­la dürf­te po­li­tisch wer­den

Pforzheimer Kurier - - KULTUR -

Von Alep­po nach Deutsch­land und jetzt nach Hol­ly­wood: Die Sy­re­rin Ha­la aus der Flücht­lings-Do­ku ei­nes deut­schen Re­gis­seurs fliegt zu den Os­cars ein – wenn al­les gut geht und US-Prä­si­dent Do­nald Trump nicht mit ei­nem neu­er­li­chen Ein­rei­sestopp die Gren­zen plötz­lich wie­der dicht macht. Die vier­fa­che Mut­ter, die nach der Flucht aus Alep­po nun mit ih­rer Fa­mi­lie im nie­der­säch­si­schen Gos­lar lebt, ist die zen­tra­le Fi­gur in der Kurz-Do­ku „Wa­ta­ni: My Home­land“, mit der Re­gis­seur Mar­cel Met­tel­sie­fen sei­nen ers­ten Os­car ge­win­nen könn­te. Am heu­ti­gen Frei­tag soll Ha­la in Los An­ge­les ein­tref­fen, er­zählt Met­tel­sie­fen der Deut­schen Pres­se-Agen­tur. Sie ist ei­ne star­ke Frau mit ei­ner wich­ti­gen Ge­schich­te, sagt der Do­ku­fil­mer.

Als gläu­bi­ge Mus­li­min wer­de sie mit Kopf­tuch über den ro­ten Tep­pich lau­fen. Ei­nes von ver­mut­lich vie­len po­li­ti­schen State­ments, die die 89. Os­car-Ver­lei­hung zu ei­ner be­son­de­ren ma­chen könn­ten. Bei den vie­len Ge­sprä­chen, die er in den ver­gan­ge­nen Ta­gen in Hol­ly­wood ge­führt ha­be, sei es im­mer auch um Trump ge­gan­gen. „Das macht Hoff­nung, denn es gibt sehr vie­le Men­schen, die sich ent­schie­den ge­gen die Re­gie­rung stel­len“, sagt Met­tel­sie­fen. Die Os­car-Büh­ne war im­mer wie­der Platt­form für Pro­tes­te. Do­ku­men­tar­fil­mer Micha­el Moo­re kri­ti­sier­te 2003 wäh­rend des Irak­krie­ges in schar­fer Form den da­ma­li­gen US-Prä­si­den­ten Ge­or­ge W. Bush. Auch Su­san Sa­ran­don, Va­nes­sa Red­gra­ve und Mar­lon Bran­do nutz­ten das Ram­pen­licht schon für po­li­ti­sche An­grif­fe. An­fang Ja­nu­ar leg­te Meryl Streep bei der Ver­lei­hung der Gol­den Glo­bes ei­nen Os­car-rei­fen Auf­tritt als Ak­ti­vis­tin hin. Ihr mi­nu­ten­lan­ges, mah­nen­des Plä­doy­er ge­gen Dis­kri­mi­nie­rung und Be­schnei­dung der Pres­se­frei­heit war ei­ne un­miss­ver­ständ­li­che Schel­te für Do­nald Trump. Streep war nicht zu brem­sen – als Ge­win­ne­rin ei­ner Eh­ren­aus­zeich­nung wa­ren In­halt und Län­ge der un­ge­wöhn­li­chen Dan­kes­re­de ganz in ih­rer Hand. Auf der Os­car-Büh­ne ha­ben die Ge­win­ner nur 45 Se­kun­den Zeit, doch was sie in ih­rer Dan­kes­re­de sa­gen, „bleibt völ­lig ih­nen über­las­sen“, be­ton­te Show-Pro­du­zent Mi­ke De Lu­ca kürz­lich. Je­des Jahr legt die Film­aka­de­mie den No­mi­nier­ten na­he, von Her­zen zu spre­chen, statt lan­ge Na­mens­lis­ten ab­zu­le­sen. Fest steht jetzt schon, dass Fil­me­ma­cher aus Pro­test ge­gen den neu­en Kurs in Wa­shing­ton der Show fern­blei­ben, dar­un­ter der viel­fach aus­ge­zeich­ne­te ira­ni­sche Re­gis­seur As­ghar Far­ha­di und sei­ne Haupt­dar­stel­le­rin Ta­ra­neh Al­i­doos­ti. Ihr Film „The Sa­les­man“ist – wie der deut­sche Film „To­ni Erd­mann“– für den Aus­land­sOs­car no­mi­niert. Aus­lö­ser war Trumps Ein­rei­sestopp für Men­schen aus sie­ben über­wie­gend is­la­mi­schen Län­dern.

Ob auf der Büh­ne, vor der Pres­se oder auf dem ro­ten Tep­pich – en­ga­gier­te Stars wer­den das Ram­pen­licht für ei­ne po­li­ti­sche Kampf­an­sa­ge nut­zen. „Wir müs­sen ge­gen Un­ge­rech­tig­keit kämp­fen und Arsch­trit­te ver­tei­len“, sag­te „La La Land“-Star Em­ma Sto­ne kürz­lich am Ran­de der SAG-Awards. dpa

ER­WAR­TET GAST AUS SY­RI­EN: Der deut­sche Do­ku­men­tar­fil­mer Mar­cel Met­tel­sie­fen ist ein Os­car-Kan­di­dat. Fo­to: dpa

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