Ein Pa­zi­fist mit viel Fan­ta­sie

Karl Mays Ge­burts­tag jährt sich zum 175. Mal

Pforzheimer Kurier - - KULTUR -

„Wie man den Krieg führt, das weiß je­der­mann; wie man den Frie­den führt, das weiß kein Mensch“, schrieb Karl May. Schon vor weit mehr als 100 Jah­ren hat der geis­ti­ge Va­ter von Win­ne­tou, Old Shat­ter­hand und Ka­ra Ben Nem­si jeg­li­che Waf­fen­gän­ge an­ge­pran­gert und das Mit­ein­an­der ge­prie­sen. „Karl May ist ak­tu­el­ler denn je“, sagt Bern­hard Schmid, der Lei­ter des Karl-May-Ver­la­ges in Bam­berg. An­ge­sichts von Krieg und Ter­ror, von Hass und In­to­le­ranz müss­te der Schrift­stel­ler fast schon Pflicht­lek­tü­re in der Schu­le wer­den, schlägt Schmid vor. Am mor­gi­gen Sams­tag jährt sich sein Ge­burts­tag zum 175. Mal.

Karl May zählt zu den meist­ge­le­se­nen Schrift­stel­lern deut­scher Spra­che. Al­lein sein Ver­lag ha­be den Ver­kauf von 80 Mil­lio­nen Bän­den do­ku­men­tiert, sagt der 54-jäh­ri­ge Schmid, der den Ver­lag in drit­ter Ge­ne­ra­ti­on führt. Ins­ge­samt wer­de die ver­kauf­te Auf­la­ge im deutsch­spra­chi­gen Ge­biet auf 100 Mil­lio­nen Ex­em­pla­re ge­schätzt. Hin­zu kä­men Mil­lio­nen Bü­cher in 33 an­de­ren Spra­chen welt­weit. Wes­ter­nund Aben­teu­er­ro­ma­ne, Rei­se­er­zäh­lun­gen und Pro­sa – das Ge­samt­werk Karl Mays ist um­fang­reich. „Er hat vie­le Fa­cet­ten und mehr zu bie­ten als Ka­ra Ben Nem­si und Old Shat­ter­hand“, sagt Schmid. Aber zu­neh­mend we­ni­ger Buch­händ­ler führ­ten Mays Ro­ma­ne.

Am 25. Fe­bru­ar 1842 wur­de Karl May als fünf­tes von 14 Kin­dern ei­ner ver­arm­ten We­ber­fa­mi­lie ge­bo­ren. Neun Ge­schwis­ter star­ben be­reits in jun­gen Jah­ren. Der ein­zi­ge über­le­ben­de Sohn soll­te Leh­rer wer­den, aber er kam häu­fig mit dem Ge­setz in Kon­flikt und führ­te das Le­ben ei­nes Klein­kri­mi­nel­len. We­gen sechs un­ter­schla­ge­ner Ker­zen flog er vom Leh­rer­se­mi­nar. In Alt­chem­nitz brach­te ihm die „wi­der­recht­li­che Be­nut­zung“ei­ner Ta­schen­uhr sei­ne ers­te Haft­stra­fe ein – zu­gleich war sei­ne Kar- rie­re als Leh­rer be­en­det. Dieb­stahl, Be­trug und Hoch­sta­pe­lei wur­den 1865 mit vier Jah­ren Ar­beits­haus be­straft. We­gen zahl­rei­cher wei­te­rer De­lik­te saß er von 1870 an vier Jah­re im Zucht­haus Wald­heim. May be­gann zu schrei­ben, doch den Durch­bruch mar­kier­te erst 1892 die ei­ge­ne Buch­se­rie „Carl May’s ge­sam­mel­te Rei­se­ro­ma­ne“, in der schließ­lich auch der drei­bän­di­ge „Win­ne­tou“er­schien. Da war der Au­tor schon über 50.

Längst hat­te er sich zum Hel­den sei­ner Ich-Ro­ma­ne ge­macht: „Ich bin wirk­lich Old Shat­ter­hand“, be­haup­te­te er öf­fent­lich. May ließ sich auch als Ka­ra Ben Nem­si ver­klei­den und fo­to­gra­fie­ren. Aber die Hel­den und auch die Land­schaf­ten sei­ner Ro­ma­ne ent­spran­gen sei­ner leb­haf­ten Fan­ta­sie. „Soll ein Buch sei­nen Zweck er­rei­chen, so muß es ei­ne See­le ha­ben, näm­lich die See­le des Ver­fas­sers. Ist es bei zu­ge­knöpf­tem Rock ge­schrie­ben, so mag ich es nicht le­sen“, gab der Au­tor sein Cre­do in „Old Su­re­hand“preis. Erst 1899, sie­ben Jah­re nach dem Er­schei­nen von „Durch die Wüs­te“als Auf­takt sei­nes Ori­ent-Zy­klus, be­reis­te er tat­säch­lich die Re­gi­on. Und gar erst 1908 be­trat May erst­mals ame­ri­ka­ni­schen Bo­den. „Win­ne­tou I“war zu die­sem Zeit­punkt schon 15 Jah­re auf dem Markt.

Karl May präg­te bei Ge­ne­ra­tio­nen meist ju­gend­li­cher Le­ser das Bild vom „Wil­den Wes­ten“. Doch die Mil­lio­nen­auf­la­gen der 1960er und 1970er sind lan­ge her. „Win­ne­tou I“sei im Vor­jahr 2 500-mal über die La­den­the­ke ge­gan­gen, sagt Ver­le­ger Schmid. Am 30. März 1912 starb Karl May in sei­ner Vil­la in Radebeul na­he Dres­den ver­mut­lich an ei­ner chro­ni­schen Blei­ver­gif­tung. So­wohl sein Ge­burts­haus in Ho­hen­steinErnst­thal als auch sein letz­ter Wohn­sitz sind Mu­se­en, in de­nen an­läss­lich des 175. Ge­burts­ta­ges zahl­rei­che Ver­an­stal­tun­gen ge­plant sind. Mar­tin Kloth

Die USA be­reis­te er erst 15 Jah­re nach „Win­ne­tou I“

WOHN­HAUS WUR­DE MU­SE­UM: Die „Vil­la Shat­ter­hand“er­in­nert an Karl May, den Schöp­fer un­sterb­li­cher Fi­gu­ren wie Win­ne­tou und Old Shat­ter­hand. Fo­to: dpa

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