Gran­dio­ses Fest­kon­zert

Chris­ti­an Cur­nyn lei­te­te Hän­del-So­lis­ten in Höchst­form

Pforzheimer Kurier - - KULTUR -

Als Chris­ti­an Cur­nyn vor neun Jah­ren erst­mals vor die Deut­schen Hän­del-So­lis­ten trat, wur­de er mit ei­nem Zitat der Ti­mes vor­ge­stellt, das ihn als „un­se­ren bes­ten jun­gen Hän­de­lia­ner“be­zeich­ne­te. Ei­ne Ein­schät­zung, wel­che er sei­ner­zeit mit der Lei­tung des Ora­to­ri­ums „Su­san­na“nach­hal­tig be­stä­tig­te. Kaum ver­ständ­lich ist da­her, dass es bis zum dies­jäh­ri­gen Fest­kon­zert der Hän­delSo­lis­ten dau­er­te, bis man Cur­nyn wie­der be­geg­nen konn­te.

Span­nungs­rei­cher, rhyth­misch dy­na­mi­scher und tän­ze­risch ele­gan­ter hört man Ba­rock­mu­sik selbst in Karls­ru­he sel­ten, und die Deut­schen Hän­delSo­lis­ten lie­fen un­ter sei­ner Lei­tung zur Hoch­form auf. Hoch kon­zen­triert und klang­sen­si­bel bo­ten sie in je­der In­stru­men­ten­grup­pe Meis­ter­li­ches, be­son­ders bei den wun­der­ba­ren Blä­sern konn­te man da­hin­schmel­zen. Zu­dem hat­te Cur­nyn ein hoch­in­ter­es­san­tes Pro­gramm zu­sam­men­ge­stellt, das ei­ne Rei­se durch das ba­ro­cke Eu­ro­pa dar­stell­te und das von zwei po­pu­lä­ren Wer­ken Hän­dels ein­ge­rahmt wur­de. Dem Con­cer­to gros­so in D-Dur op. 6 Nr. 5 lie­ßen die Hän­del-So­lis­ten Jo­hann Se­bas­ti­an Bachs Ita­lie­ni­sches Kon­zert (BWV 971) fol­gen; die vor­ge­stell­te Be­ar­bei­tung für Block­flö­te und Strei­cher schuf die So­lis­tin An­na Fu­sek selbst, die zeig­te, welch gran­dio­se Tö­ne ei­ne wah­re Vir­tuo­sin ei­nem ver­meint­lich sim­plen In­stru­ment ent­lo­cken kann. Nur im Fi­na­le konn­te sich der Klang der Block­flö­te nicht mehr ge­gen die Strei­cher-Tut­ti durch­set­zen.

Mit dem in Mann­heim und Straß­burg wir­ken­den Franz Xa­ver Rich­ter und dem Wie­ner Mat­thi­as Ge­org Monn wur­den zwei weit­ge­hend un­be­kann­te Kom­po­nis­ten prä­sen­tiert, die je­doch durch­aus ken­nens­wer­te Wer­ke schu­fen. Rich­ters Gra­ve und Fu­ga in g-Moll bei­spiels­wei­se hät­te in je­der Ba­rock­oper ei­ne präch­ti­ge Ge­wit­ter­und Sturm­mu­sik ab­ge­ge­ben. Und Monns Sin­fo­nia in der un­ge­wöhn­li­chen Ton­art H-Dur war ei­ne schö­ne ba­ro­cke Pie­ce, un­ter­halt­sam und doch schon fort­ge­schrit­ten im Stil. Vir­tuo­sen­mu­sik vom Feins­ten war Vi­val­dis Kon­zert für Flau­ti­no und Orches­ter (RWV 443) und so­mit ein Pa­ra­de­stück für An­na Fu­sek. Zum wah­ren Hö­he­punkt aber wur­de Hän­dels „Feu­er­werks­mu­sik“, die man ih­rer ge­fühlt 100. Wie­der­ga­be we­gen kaum noch hö­ren woll­te. Doch Cur­nyn ent­lock­te der Sui­te der­ar­ti­ge Far­ben und De­tails, dass man ein völ­lig neu­es Werk zu er­le­ben glaub­te. Bra­vo! Es soll­te nicht wie­der neun Jah­re dau­ern bis zur Wie­der­be­geg­nung mit Chris­ti­an Cur­nyn. Man­fred Kraft

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