„Das al­les be­gann 1933“

DGB und Initia­ti­ve ge­gen Rechts de­mons­trie­ren / Lin­ke kom­men Na­zis na­he

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Ro­land Wei­sen­bur­ger

Die ei­nen ka­men mit Frie­dens­lie­dern und wohl ge­wähl­ten Wor­ten, die an­de­ren brüll­ten ih­ren Zorn ge­gen die Neo­na­zis laut­hals her­aus: Am Wart­berg ver­such­ten ges­tern er­neut zahl­rei­che Pforz­hei­mer dem rech­ten Spuk, der sich dort all­jähr­lich ab­spielt, die Stirn zu bie­ten. Der Ge­werk­schafts­bund und die Initia­ti­ve ge­gen Rechts hat­ten rund 200 Men­schen auf die Bei­ne ge­bracht, um in ei­nem De­mons­tra­ti­ons­zug vom Markt­platz hin­auf in die Kreuz­stein­al­lee zu zie­hen.

In „Sicht- und Hör­wei­te“woll­te man den Neo­na­zis vom „Freun­des­kreis – Ein Herz für Deutsch­land“kom­men, der dort im­mer pünkt­lich am Pforz­hei­mer Ge­denk­tag rund 70 Rechts­ra­di­ka­le zu ei­ner Fa­ckel­wa­che ver­sam­melt. Das Si­cher­heits­kon­zept von Stadt und Po­li­zei ver­hin­der­te, dass die Re­den vom Lan­des­vor­sit­zen­den des DGB, Mar­tin Kunz­mann, und der Spre­che­rin der Pforz­hei­mer Initia­ti­ve ge­gen Rechts, Ka­trin Lech­ler, tat­säch­lich auf dem Wart­ber­gPla­teau zu hö­ren wa­ren. Zu weit weg von den Rech­ten war die Kund­ge­bung an­ge­sie­delt.

Dies hielt Kunz­mann je­doch nicht da­von ab, die Bom­bar­die­rung Pforz­heims in ih­ren his­to­ri­schen Kon­text ein­zu­ord­nen. „Die To­ten des 23. Fe­bru­ar mah­nen uns: Ver­gesst nicht, dass al­les 1933 be­gon­nen hat.“Er er­in­ner­te an die Sie­gHeil-Ru­fe, die auch in Pforz­heim da­mals zu hö­ren wa­ren. „Über 56 Pro­zent der Pforz­hei­me­rin­nen und Pforz­hei­mer ga­ben der NSDAP ih­re Stim­me.“

Zu­vor hat­te be­reits der Vor­sit­zen­de des DGB Pforz­heim, Wolf-Diet­rich Gla­ser, da­vor ge­warnt, beim Blick auf die Zer­stö­rung Pforz­heims „Ur­sa­che und Wir­kung zu ver­tau­schen“. Dass Pforz­hei­mer um ih­re ge­tö­te­ten An­ge­hö­ri­gen trau­er­ten, sei le­gi­tim, schließ­lich sei­en auch vie­le Un­schul­di­ge un­ter den Op­fern ge­we­sen. „Aber wir müs­sen heu­te de­nen ve­he­ment ent­ge­gen­tre­ten, die Pforz­heims Trau­er für ih­re fa­schis­to­iden Zie­le miss­brau­chen.“Ka­trin Lech­ler wand­te sich ganz di­rekt an die Neo­na­zis, die zu die­sem Zeit­punkt kei­ne 500 Me­ter wei­ter ih­re Fa­ckeln an­zün­de­ten. „Es scheint, als hät­ten vie­le noch nie ein Ge­schichts­buch in der Hand ge­habt“, rief die IGR-Spre­che­rin und be­ton­te, „völ­ki­sches Den­ken hat noch im­mer mit Völ­ker­mord ge­en­det“.

Deut­lich nä­her ka­men die von der Po­li­zei auf rund 180 Per­so­nen ge­schätz­ten Ver­tre­ter des lin­ken Spek­trums, die sich wie in den Vor­jah­ren ein Katz- und Mausspiel mit den über 1 000 Ein­satz­kräf­ten der Po­li­zei lie­fer­ten. Ih­nen ge­lang es, von Os­ten her den Neo­na­zis recht na­he­zu­kom­men. Sie wer­den dann aber von ei­ner Po­li­zei­sper­re und ei­nem auf­ge­fah­re­nen, aber nicht ein­ge­setz­ten Was­ser­wer­fer ge­stoppt.

Als aus der Men­ge Feu­er­werks­kör­per ge­wor­fen wer­den, droh­te die Po­li­zei da­mit, die De­mons­tra­ti­on auf­zu­lö­sen, muss­te die­se Dro­hung letzt­lich aber nicht wahr ma­chen. Süd­west­echo

HAR­SCHE WOR­TE UND WÜ­TEN­DE PRO­TES­TE ge­gen die Neo­na­zis auf dem Wart­berg gab es ges­tern aus dem Mund von Ka­trin Lech­ler, Spre­che­rin der Initia­ti­ve ge­gen Rechts, und aus den Keh­len zahl­rei­cher Links­au­to­no­mer, die par­al­lel de­mons­trier­ten. Fo­tos: Fix

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