Die Schre­cken der Zer­stö­rung

Pi­cas­so-Stu­di­en zu „Gu­er­ni­ca“im Rat­haus

Pforzheimer Kurier - - KULTUR IN PFORZHEIM -

Pa­blo Pi­cas­sos be­rühm­tes Mo­nu­men­tal­ge­mäl­de „Gu­er­ni­ca“gilt als ei­nes der be­deu­tends­ten Wer­ke der Mo­der­nen Kunst und wird ver­gli­chen mit der Be­deu­tung Ein­steins für die Phy­sik. Zahl­rei­che Vor­stu­di­en zei­gen das Rin­gen des Künst­lers um Mo­ti­ve und For­men, mit de­nen er auf be­drü­cken­de Wei­se den Schre­cken der Zer­stö­rung in ein mo­der­nes His­to­ri­en­bild bann­te. Fak­si­mi­les die­ser Stu­di­en wer­den im Erd­ge­schoss des Neu­en Rat­hau­ses in ei­ner Aus­stel­lung prä­sen­tiert, die bis 23. April zu se­hen ist. Er­gänzt wer­den die „Gu­er­ni­ca“-Stu­di­en durch den „Hom­mage à Pi­cas­so“be­ti­tel­ten Farb­holz­schnitt HAP Gries­ha­bers, die ein Samm­ler zur Ver­fü­gung ge­stellt hat.

Mit der am Don­ners­tag­abend von Bür­ger­meis­te­rin Si­byl­le Schüs­s­ler er­öff­ne­ten Aus­stel­lung „Pi­cas­sos Gu­er­ni­ca mit den Au­gen HAP Gries­ha­bers“ge­denkt die Stadt Pforz­heim des 80. Jah­res­ta­ges der Zer­stö­rung ih­rer bas­ki­schen Part­ner­stadt Ger­ni­ka. Zur Er­öff­nung war auch de­ren stell­ver­tre­ten­der Bür­ger­meis­ter Iña­ki Gor­ro­ño ge­kom­men, der auch we­gen des gest­ri­gen Pforz­hei­mer Ge­denk­tags an­reis­te. Das Bild Pi­cas­sos könn­te auch „Pforz­heim“hei­ßen, sag­te Gor­ro­ño in ei­ner An­spra­che im Rats­saal. Es sei ein Sym­bol für den Frie­den und ge­gen den Krieg in der gan­zen Welt. Nach der Zer­stö­rung sei­ner Hei­mat­stadt durch Ge­ne­ral Fran­co und die Bom­ber der deut­schen Le­gi­on Con­dor so­wie der ita­lie­ni­schen Cor­po Trup­pe Vo­lon­ta­rie am 26. April 1937 ha­be die Welt lei­der noch vie­le „Ger­ni­kas“er­lebt.

Die Ku­ra­to­rin der Aus­stel­lung, Tan­ja So­lom­bri­no, er­läu­ter­te rund 30 Be­su­chern die ge­zeig­ten Ar­bei­ten von Pi­cas­so und HAP Gries­ha­ber. Sie nann­te den An­griff auf Ger­ni­ka den ers­ten Ter­ror­an­schlag auf die Zi­vil­be­völ­ke­rung. Schon 1936 be­kam Pi­cas­so von der Re­gie­rung Spa­ni­ens den Auf­trag, für den spa­ni­schen Pa­vil­lon der Welt­aus­stel­lung 1937 in Pa­ris ein Bild zu ma­len. Das Maß war mit 3,49 x 7,77 Me­ter vor­ge­ge­ben. Ei­ne Bild­flä­che von 27 Qua­drat­me­tern al­so füll­te Pi­cas­so in nur 33 Ta­gen. Da­zu stell­te er zu­nächst 46 Ein­zel­stu­di­en an, von de­nen 13 in der Pforz­hei­mer Aus­stel­lung zu se­hen sind. Im Mit­tel­punkt des Wer­kes ste­hen ein ster­ben­des Pferd, ein Stier und vor al­lem ei­ne Mut­ter mit ih­rem ster­ben­den Kind. „Durch den Ver­zicht auf Far­be hat Pi­cas­so der Stim­mung zum Aus­druck ver­hol­fen und dem Bild Do­ku­men­ta­ti­ons­cha­rak­ter ge­ge­ben“, so die Kunst­his­to­ri­ke­rin,

HAP Gries­ha­bers „Hom­mage an Pi­cas­so“

die „Gu­er­ni­ca“ei­ne Iko­ne des Pro­tests ge­gen sinn­lo­se Ge­walt nann­te.

Gra­fi­ker HAP Gries­ha­ber, der nach dem Zwei­ten Welt­krieg den Holz­schnitt er­neu­er­te, ver­ehr­te Pi­cas­so zeit­le­bens. Der Künst­ler, der in der Aus­stel­lung mit sei­nem ein­zi­gen Selbst­por­trät ver­tre­ten ist, setz­te sich in­ten­siv mit Pi­cas­so und sei­nem „Gu­er­ni­ca“-Ge­mäl­de aus­ein­an­der. So ver­fass­te er 1946 un­ter dem Ti­tel „Pi­cas­so ai­de-me­moi­re 1937“ein Kunst­ta­ge­buch mit Auf­zeich­nun­gen und Skiz­zen zu Pi­cas­sos Gu­er­ni­ca. Zwi­schen 1947 und 1949 ent­stand ein wei­te­res Schrift­do­ku­ment mit dem Ti­tel „Pi­cas­so und die Kunst­kri­tik“. In den mo­nu­men­ta­len, schwar­zen Druck­stö­cken zur Stadt­ge­schich­te Pforz­heims im Rats­saal hat sich Gries­ha­ber gra­fisch un­ter an­de­rem mit der Zer­stö­rung Pforz­heims am 23. Fe­bru­ar 1945 be­fasst. Jür­gen Pe­che

STU­DI­EN ZUM GROS­SEN GE­MÄL­DE „GU­ER­NI­CA“wer­den bis 23. April im Erd­ge­schoss des Rat­hau­ses aus­ge­stellt. Fo­to: Wa­cker

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