„Nicht al­le ha­ben al­les falsch ge­macht“

Me­met Ki­lic zu den NSU Er­mitt­lun­gen und zu ei­nem Do­ku­men­tar­film dar­über

Pforzheimer Kurier - - KULTUR IN PFORZHEIM -

Zum gest­ri­gen Pforz­hei­mer Ge­denk­tag zeig­te das kom­mu­na­le Ki­no den Film „Der Kuaför aus der Keup­st­ras­se“, der den An­schlag des Na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Un­ter­grun­des (NSU) vom 9. Ju­ni 2004 in Köln Mül­heim zum The­ma hat. Da­mals wur­de auf ei­ner be­leb­ten Ein­kaufs­stra­ße mit haupt­säch­lich tür­ki­schen Ge­schäf­ten ei­ne Na­gel­bom­be ge­zün­det.

Für die Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Film wa­ren Rolf Neff von der Initia­ti­ve ge­gen Rechts, die Kreis­vor­sit­zen­de Ka­trin Lech­ler der Grü­nen und der frü­he­re Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Me­met Ki­lic ge­kom­men. Nach dem Film kri­ti­sier­te der Bünd­nis­grü­ne ei­ne ein­sei­ti­ge Er­mitt­lungs­ar­beit der Po­li­zei, die sich in ers­ter Li­nie auf das Tür­ste­her­mi­lieu kon­zen­triert und ei­ne rechts­ra­di­kal mo­ti­vier­te Tat aus­ge­schlos­sen ha­be. Rech­te Ge­walt wer­de im­mer erst ein­mal aus­ge­schlos­sen, um das An­se­hen der Bun­des­re­pu­blik im Aus­land zu schüt­zen. Ki­lic sag­te aber auch: „Wenn ich selbst Po­li­zei­be­am­ter wä­re, wür­de ich auch in die­se Rich­tung er­mit­teln. Die Keup­st­ras­se war nicht un­be­dingt ei­ne an­ge­neh­me Stra­ße.“Der Rechts­an­walt rück­te da­mit von der Po­si­ti­on im Film ab.

„Ich möch­te nicht be­haup­ten, dass es Al­le falsch ge­macht ha­ben oder be­wusst in die fal­sche Rich­tung er­mit­telt ha­ben. Da­nach ist man im­mer schlau­er.“Er sei sich si­cher, dass der Po­li­zei­prä­si­dent heu­te an­ders er­mit­teln wür­de. Je­doch sei er sich nicht si­cher, dass man die Feh­ler in den Struk­tu­ren selbst be­reits kor­ri­giert ha­be. Ge­ra­de das Vor­ge­hen des Ver­fas­sungs­schut­zes sei pro­ble­ma­tisch. So ha­be man über Ti­no Brandt zum Bei­spiel die rech­te Sze­ne in Thü­rin­gen maß­geb­lich mit auf­ge­baut. Auch ha­be nichts un­ter­nom­men, ob­wohl das Wis­sen des Ver­fas­sungs­schutz’ dar­über, dass Uwe Mund­los und Uwe Böhn­hardt in ei­ner Ga­ra­ge 1,4 kg Spreng­stoff la­ger­ten, be­kannt ge­we­sen sei. Man müs­se sich fra­gen, ob auch so vor­ge­gan­gen wor­den wä­re, wenn es sich um Is­la­mis­ten ge­han­delt hät­te. Vie­le Men­schen aus dem an­ti­fa­schis­ti­schen Mi­lieu hiel­ten die Struk­tu­ren des Ver­fas­sungs­schut­zes und der In­lands­auf­klä­rung für über­flüs­sig, er­klär­te Ki­lic und füg­te hin­zu, dass er die­se Mei­nung nicht ver­tre­te.

„Es ist wie bei ei­nem Mes­ser. Es kommt im­mer auf die Ver­wen­dung an“, sag­te Ki­lic wei­ter. Die In­lands­auf­klä­rung wür­de ge­braucht, je­doch müs­se man sich bei Per­so­nal und or­ga­ni­sa­ti­ons­tech­nisch Ge­dan­ken ma­chen. Ge­ra­de die V-Mann Füh­rung sei ei­ne Ka­ta­stro­phe, da man zu we­nig kon­trol­lie­re. Die Welt wer­de nicht ein­fa­cher. Da­her wer­de der Ver­fas­sungs­schutz ge­braucht und auch So­li­da­ri­tät in der Mi­gran­ten­ge­sell­schaft, rief Ki­lic zu mehr Zu­sam­men­ar­beit auf. Ron Tee­ger

DER FRÜ­HE­RE BUN­DES­TAGS­AB­GE­ORD­NE­TE der Grü­nen, Me­met Ki­lic, kam zu Chris­ti­ne Müh ins Koki, um mit Rolf Neff (von links) über den NSU zu spre­chen. Fo­to: Eh­mann

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