Mit lau­ten und lei­sen Tö­nen ge­gen die Angst

And­ach­ten und Frie­dens­weg be­glei­ten den Ge­denk­tag

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIMER GEDENKTAG - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Claudia Kraus

Frie­dens­lich­ter stan­den in der Mit­te der Au­la, die sich mit im­mer mehr Schü­lern und Leh­rern füll­te. Mu­sik­leh­rer Ste­phan Hoff­mann gab ein Zei­chen, und ein Ka­non er­hob sich aus dem Kreis Hun­der­ter Men­schen. Die Stim­men wuch­sen zu ei­nem Klang­kör­per zu­sam­men. „Sha­lom cha­ve­rim“, san­gen die Schü­ler und Leh­rer im Hil­da-Gym­na­si­um und sorg­ten für ei­ne wun­der­bar fei­er­li­che Stim­mung am 72. Jah­res­tag der Zer­stö­rung Pforz­heims. Bei der Schwei­ge­mi­nu­te, zu der ges­tern um 11 Uhr in al­len Pforz­hei­mer Schu­len auf­ge­ru­fen wur­de, war es mucks­mäus­chen­still in der Au­la. Seit ei­ni­gen Jah­ren be­tei­ligt sich das Hil­da mit ei­nem ei­ge­nen Bei­trag am Pforz­hei­mer Ge­denk­tag.

Schul­lei­te­rin Edith Dre­scher er­in­ner­te an je­nen schreck­lichs­ten Tag in der Ge­schich­te der Stadt, den 23. Fe­bru­ar 1945, der sei­ne Spu­ren hin­ter­las­sen ha­be. In ih­rer kur­zen An­spra­che be­ton­te Dre­scher, der Frie­de sei ein Ge­schenk „in ei­ner Welt, da Ter­ror und Krieg zum All­tag vie­ler Men­schen ge­hö­ren“. Sie sprach auch von der Ver­ant­wor­tung: „Je­der kann et­was tun für ein fried­li­ches Zu­sam­men­le­ben.“Bei ei­nem Frie­dens­ge­bet un­ter Lei­tung des Re­li­gi­ons­leh­rers Ge­org Hau­ser grif­fen Schü­ler das Mo­tiv des Frie­dens als Ge­schenk auf. Sie tru­gen ih­re ei­ge­nen Ge­dan­ken vor und ge­mahn­ten, Tren­nen­des zu über­win­den – Hass und Ras­sis­mus Ta­ten und Wor­te des Frie­dens ent­ge­gen zu set­zen.

Das „Fürch­tet nicht“rund Mot­to Euch ver­ein­te 150 Men­schen, die sich am Nach­mit­tag un­ter Lei­tung der evan­ge­li­schen Kir­che und dem Bür­ger­ver­ein von der Nord­stadt­schu­le auf den „Frie­dens­weg“in Rich­tung Markt­platz auf­mach­ten. „Wir wol­len den Frie­den in die Stadt tra­gen“, sag­te De­ka­nin Chris­tia­ne Quincke. In ei­ner Zeit, da Men­schen ver­such­ten, Angst zu ma­chen vor an­de­ren Men­schen, sei die Be­geg­nung wich­tig. „Un­se­re Kin­der und Ju­gend­li­chen ma­chen das oft bes­ser. Sie kön­nen uns zei­gen, wie das geht.“Zu­vor hat­ten Ke­p­lerGym­na­si­as­ten ih­re Ge­dan­ken zu Angst und Krieg vor­ge­tra­gen. „Ich bin dank­bar, dass ich hier si­cher bin und nicht je­den Tag Angst ha­ben muss, mei­ne Fa­mi­lie zu ver­lie­ren“, sag­te ei­ne Schü­le­rin. Es wa­ren dies die lei­sen Tö­ne zum Mot­to. „Man kann auch laut ge­gen die Angst vor­ge­hen“, merk­te Pfar­re­rin Es­t­her Phil­ipps zum mu­si­ka­li­schen Bei­trag der 5 c der Nord­stadt­schu­le an. Dann zog die Men­schen­grup­pe wei­ter zur Fran­zis­kusund spä­ter zur Schloss­kir­che, wo me­di­tiert und ge­be­tet wur­de, be­vor der Frie­dens­weg am Markt­platz in die Kund­ge­bung „Fa­ckeln aus“mün­de­te.

Im Kul­tur­haus Os­ter­feld ka­men die Ne­unt­kläss­ler der be­nach­bar­ten Schu­le zu­sam­men. Nach ei­ner kur­zen An­spra­che von Kul­tur­haus­che­fin Ma­ria Ochs san­gen die Ju­gend­li­chen ge­mein­sam mit dem Chor World Wi­de Voices ei­ne Frie­dens­hym­ne: „Wir sind al­lein über Mil­lio­nen Ster­ne. Wenn wir zu­sam­men schei­nen, kön­nen wir die Welt er­hel­len.“Aus vie­len Ker­zen ent­zün­de­ten sie „ein Meer der Lich­ter“und lie­ßen zum Ab­schluss wei­ße Luft­bal­lons mit Frie­dens­bot­schaf­ten in den stür­mi­schen Pforz­hei­mer Abend­him­mel stei­gen.

ZU EI­NEM INTERRELIGIÖSEN FRIE­DENS­GE­BET ver­sam­mel­ten sich ges­tern Hun­der­te Schü­ler und Leh­rer in der Au­la des HildaGym­na­si­ums. Ein­ge­la­den wa­ren al­le, für die die Wor­te Frie­den und Ver­söh­nung ei­ne Be­deu­tung ha­ben. Fo­to: Eh­mann

EI­NE HYM­NE für den Frie­den san­gen der Chor World Wi­de Voices und Ne­unt­kläs­ser der Os­ter­feld­schu­le. Fo­to: Eh­mann

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