Ab 13.30 Uhr Orts­zeit wird’s ernst

Ge­bür­ti­ge Karls­ru­he­rin Ma­ren Ade ist mit Os­car-Kan­di­dat „To­ni Erd­mann“auf der Ziel­ge­ra­den

Pforzheimer Kurier - - SPANNUNG VOR DER OSCAR-NACHT - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Andreas Jütt­ner

Wenn am mor­gi­gen Sonn­tag hier­zu­lan­de der „Tat­ort“-Ab­spann läuft, wird sich Ma­ren Ade in Los An­ge­les wohl all­mäh­lich auf­bruchs­be­reit ma­chen. Dort ist es dann gera­de kurz vor ein Uhr mit­tags – und auch wenn die Os­carGa­la erst am frü­hen Abend be­ginnt, wird das „To­ni Erd­mann“-Team be­reits um 13.30 Uhr ab­ge­holt. Dann geht es erst in die Mas­ke und die Gar­de­ro­be – und dann ir­gend­wann zum ro­ten Tep­pich. „Dort herrscht ab 15 Uhr Li­mou­si­nen­stau, schon al­lein we­gen der Si­cher­heits­vor­keh­run­gen“, weiß Ja­ni­ne Jackow­ski. Die Pro­du­zen­tin von Ma­ren Ades Er­folgs­film ist be­reits seit ver­gan­ge­nem Sonn­tag in Los An­ge­les, um al­le Vor­be­rei­tun­gen für den gro­ßen Abend zu tref­fen.

Wo­bei die Os­car-Ga­la kei­nes­wegs der ein­zi­ge gro­ße Ter­min ist, son­dern eher ei­nen Ma­ra­thon krönt: Am Don­ners­tag kam Ma­ren Ade in Los An­ge­les an, ges­tern wur­den No­mi­nie­rungs­ur­kun­gen über­reicht, heu­te gibt es um 9 Uhr Orts­zeit ei­nen of­fi­zi­el­len Ter­min mit den für den Aus­lands-Os­car no­mi­nier­ten Fil­me­ma­chern, um „High Noon“geht es wei­ter zum Emp­fang von „Ger­man Films“in der Vil­la Au­ro­ra, wo einst Li­on Feucht­wan­ger im Exil leb­te und wo Ade 2012 wäh­rend ei­nes drei­mo­na­ti­gen Sti­pen­di­ums am Dreh­buch zu „To­ni Erd­mann“schrieb. Am Nach­mit­tag ste­hen die „Spi­rit Awards“auf dem Pro­gramm. „Die gel­ten als ’,In­de­pen­dent Os­cars’“, er­klärt Ja­ni­ne Jackow­ski im Te­le­fon­in­ter­view mit den BNN (sie­he auch links). Und abends ist ein Din­ner an­ge­setzt bei So­ny Clas­sics, dem US-Ver­leih von „To­ni Erd­mann“, der mit Isa­bel­le Hup­pert auch ei­ne Künst­le­rin im Ren­nen um den Os­car für die bes­te Haupt­dar­stel­le­rin hat. Der be­tref­fen­de Film, „El­le“von Paul Ver­hoeven, hat­te im Ja­nu­ar bei den Gol­den Glo­bes noch die Na­se vorn, doch beim Aus­lands-Os­car hat er es nicht auf die Short­list ge­schafft. Dort ste­hen ne­ben „To­ni Erd­mann“noch die Fil­me „Tan­na“(Aus­tra­li­en) „Un­ter dem Sand“(Dä­ne­mark), „Ein Mann na­mens Ove“(Schwe­den) – und „The Sa­les­man“aus dem Iran. Das Dra­ma von Re­gis­seur As­ghar Far­ha­di, der be­reits 2012 für „Na­der und Si­min – Ei­ne Tren­nung“den Aus­lands-Os­car er­hal­ten hat, gilt als stärks­ter Kon­kur­rent. Dass Far­ha­di und sein Team auf­grund von Trumps Ein­rei­sestopp-De­kret ih­re Teil­nah­me ab­ge­sagt ha­ben, gilt an­ge­sichts der po­li­tisch auf­ge­heiz­ten Stim­mung in Hol­ly­wood als Aspekt, der den Aus­schlag zu­guns­ten von „The Sa­les­man“ge­ben könn­te. Al­ler­dings um­fasst die „Aca­de­my of Mo­ti­on Picture Arts and Sci­en­ces“, die den be­rühm­tes­ten Film­preis der Welt ver­gibt, über 6 600 stimm­be­rech­tig­te Mit­glie­der (zu de­nen seit ei­ni­gen Mo­na­ten auch Ma­ren Ade selbst ge­hört), und der Wett­lauf um die

Vor­be­rei­tun­gen lau­fen seit An­fang Sep­tem­ber

Stim­men hat schon lan­ge vor der USWahl be­gon­nen. Im Prin­zip be­fin­de man sich seit An­fang Sep­tem­ber im Os­carMo­dus, sagt Jackow­ski: „Auch der Be­such gro­ßer Fes­ti­vals wie in To­ron­to oder New York ge­hört zu Vor­be­rei­tung für die ,Award Sea­son’. Dort trifft man die ein­fluss­rei­chen Leu­te.“Hin­zu ka­men zahl­rei­che Ter­mi­ne für re­gu­lä­re Ki­no­starts – im­mer­hin ist der Film in 100 Län­der ver­kauft wor­den, „und übe­r­all hät­te man es gern ge­habt, wenn je­mand vom Team oder den Schau­spie­lern kommt“. Da die Fir­ma „Kom­pli­zen Film“fa­mi­li­är ar­bei­tet, ha­be man bei wei­tem nicht al­les ma­chen kön­nen, was der Markt her­ge­ge­ben hät­te. „Ma­ren Ade hät­te sich schon an­ge­sichts der An­fra­gen von Fes­ti­vals zehn­tei­len kön­nen“, sagt Jackow­ski – was auch er­klärt, war­um die Re­gis­seu­rin und Dreh­buch­au­to­rin, die al­le ih­re Fil­me in Karls­ru­he per­sön­lich vor­stell­te (sie­he un­ten) und den BNN zum Ki­no­start von „To­ni Erd­mann“ein aus­führ­li­ches In­ter­view gab, der­zeit für An­fra­gen nicht er­reich­bar ist.

Ma­ren Ade ist aber nicht die ein­zi­ge Karls­ru­he­rin im Team des Er­folgs­films, der vom SWR ko­pro­du­ziert und hier vom ge­bür­ti­gen Of­fen­bur­ger Ul­rich Herr­mann re­dak­tio­nell be­treut wur­de: Auch Chris­toph Ott, Lei­ter der Ver­leih­fir­ma „NFP“, stammt aus der Fä­cher­stadt, und auch er weilt zur Preis­ver­lei­hung in Hol­ly­wood. „Die gan­ze Bran­che, Kol­le­gen, Freun­de und vie­le Ki­no­fans – al­le drü­cken die Dau­men“, be­schreibt er ge­gen­über den BNN die Stim­mung vor Ort. „Das Feed­back, das wir be­kom­men, ist ein­zig­ar­tig und ganz ehr­lich, es passt zum The­ma des Films.“

An wel­chem Punkt des lan­gen We­ges, den „To­ni Erd­mann“von der ers­ten Pla­nung 2010 bis zur mor­gi­gen Os­car­Nacht ge­gan­gen ist, war denn ab­seh­bar, dass der Film ein Er­folg wer­den wür­de? Für Chris­toph Ott schon nach der Pres­se­vor­füh­rung in Can­nes: „Da wur­den un­se­re Hoff­nun­gen be­stä­tigt.“Und wor­in ist der Er­folg be­grün­det? „Der Film be­wegt, un­ter­hält und zeigt uns auch, dass wir ab und zu über uns, un­se­re Ar­beit, un­ser Le­ben nach­den­ken sol­len“, fin­det Ott. „Ent­schleu­ni­gung nen­nen das vie­le heu­te, ein­fach mal in­ne­hal­ten, Ge­schwin­dig­keit raus­neh­men und das Le­ben be­wuss­ter le­ben.“

Foto: dpa

BE­GEHR­TE GOLD­JUN­GEN: Die­se Os­car-Sta­tu­en wer­den mor­gen den ro­ten Tep­pich auf dem Weg zur Preis­ver­lei­hung säu­men. Dem Film „To­ni Erd­mann“wer­den gro­ße Chan­cen auf den Aus­lands-Os­car ein­ge­räumt.

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